Ärzteorganisation kritisiert UN

06.05.2016/EG aus der Nicht-Regierungs-Organisation Ärzte ohne Grenzen e.V., Berlin

Ärzte ohne Grenzen sagt Teilnahme am UN-Weltgipfel für humanitäre Hilfe (WHS) am 23. und 24. Mai in Istanbul ab / Ärzteorganisation kritisiert „Feigenblatt der guten Absichten“

„Während täglich das internationale Völkerrecht und die Rechte von Flüchtlingen auf schockierende Art und Weise verletzt werden, werden die Teilnehmer des Gipfels sich auf nichtsagende, gut gemeinte Floskeln verständigen, welche die „Werte aufrechterhalten“ und „die Not beenden“ sollen. Der Gipfel ist zu einem Feigenblatt der guten Absichten geworden, welches diese systematischen Verletzungen, allen voran der Staaten, verdecken hilft.

Wir können nicht mehr erkennen, wie der Gipfel dabei helfen wird, auf die massiven Bedürfnisse zu reagieren, die entstehen durch:

  • die anhaltende Gewalt gegen Patienten und medizinisches Personal in Syrien, Jemen und Südsudan,
  • die geschlossenen Grenzen Jordaniens, Mazedoniens und der Türkei, die Zivilisten an der Flucht hindern,
  • die unmenschliche Behandlung von Flüchtlingen und Migranten, die verzweifelt versuchen, in Griechenland und Australien Sicherheit zu finden,
  • die ernsten Lücken in der Reaktion auf die Ebola-Epidemie in Westafrika und gerade wieder, wenn auch in kleinerem Maßstab, bei der Gelbfieber-Epidemie in Angola,
  • einige Staaten, die den Zugang für humanitäre Hilfe beschränken und so den Menschen grundlegende Versorgung verweigern,
  • mangelnde effektive Hilfe bei wiederkehrenden Krankheitsausbrüchen in der Demokratischen Republik Kongo.

Für all diese Beispiele wird die Verantwortung der Staaten und das verminderte Reaktionsvermögen des humanitären Systems unangesprochen bleiben.“

Aus diesen Gründen – und mit großer Enttäuschung – hat Ärzte ohne Grenzen entschieden, sich aus dem UN-Gipfel für humanitäre Hilfe zurückzuziehen.“