Das Geschäft mit Geld wird schwieriger

08.07.2015/EG aus den Beratungsunternehmen Bain & Company Germany, Inc., München, und The Boston Consulting Group (BCG), Frankfurt am Main

Bain-Corporate-Banking-Index: seit 2011 zeigen die Ertragsindexlinie um 14 Prozent und die Profitabilitätsindexlinie um 35 Prozent nach unten
BCG-Studie: Einlagenerträge seit 2009 um 33 Prozent eingebrochen

Bain & Company:

In Deutschland stehen Erträge und Profitabilität des Firmenkundengeschäfts der Banken weiter unter Druck. In beiden Dimensionen sank der Corporate-Banking-Index der internationalen Managementberatung Bain & Company in der zweiten Jahreshälfte 2014. Der harte Wettbewerb und die niedrigen Zinsen belasten vor allem die Kreditmargen. Dagegen nahm das Kreditvolumen zuletzt leicht zu. Angesichts der robusten Konjunktur blieb auch die Kreditrisikovorsorge trotz leichtem Anstieg nahe an den historischen Durchschnittswerten.

  • Erträge im Corporate-Banking in Deutschland sinken im zweiten Halbjahr 2014 um vier Prozent
  • Ursächlich sind vor allem niedrige Zinsen und rückläufige Margen
  • Kreditmargen nähern sich mit 1,5 Prozent historischen Tiefstständen
  • Eigenkapitalrendite im Firmenkundengeschäft fällt auf 16 Prozent vor Steuern

Nach der leichten Erholung im ersten Halbjahr 2014 geht der Abwärtstrend im Firmenkundengeschäft der Banken in Deutschland weiter. Dies bringt der Bain-Corporate-Banking-Index für die zweite Jahreshälfte 2014 zutage. So fielen die Erträge im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2014 um vier Prozent, die Profitabilität um zehn Prozent (Abb. 1). Damit liegt der Ertrag mittlerweile 16, die Profitabilität sogar 33 Punkte unter den Werten, die Ende 2012 ermittelt worden waren. Der Ertragsrückgang ist im Wesentlichen auf das anhaltend niedrige Zinsniveau sowie den harten Wettbewerb zurückzuführen. „Der Kampf um den Mittelstand ist in vollem Gange“, betont Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company. „Viele Banken versuchen mit besonders attraktiven Konditionen Firmenkunden zu binden und neue zu gewinnen. Das belastet sowohl die Erträge als auch die Profitabilität.“

Das wichtigste Ankerprodukt im Corporate-Banking ist unverändert das Kreditgeschäft. 73 Prozent der operativen Erträge kommen aus dem Zinsüberschuss, 27 Prozent aus dem Provisionsüberschuss.

Die Eigenkapitalrendite fiel im zweiten Halbjahr 2014 auf 16 Prozent vor Steuern. Damit liegt sie deutlich unter den Werten, die vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 sowie in der Erholungsphase 2010/2011 verzeichnet worden waren.

Der halbjährlich erhobene Bain-Corporate-Banking-Index basiert auf veröffentlichten Daten führender deutscher Banken. Das Panel deckt rund die Hälfte der Bilanzsumme der 100 größten in Deutschland tätigen Banken ab und konzentriert sich auf Finanzinstitute mit einem Schwerpunkt im Corporate-Banking und einer entsprechenden Segmentberichterstattung. Bei der erstmaligen Erstellung erfasste Bain für die Jahre 2007 bis 2012 zahlreiche Rohdaten jeder einzelnen Bank, darunter die Erträge (Zins- und Provisionsüberschuss), die Kostenstruktur (Verwaltungsaufwand), die Kreditrisikovorsorge, die Profitabilität (Ergebnis vor Steuern), das Eigenkapital und das Kreditvolumen. Die Wahl des Ausgangsjahrs 2007 ermöglicht Vergleiche zwischen dem letzten Jahr vor Ausbruch der globalen Finanzkrise und der aktuellen Situation.

The Boston Consulting Group (BCG):

Ein Achtel der Ertragsbasis geht in zehn Jahren verloren

Der Vergleich der europäischen Märkte zeigt, vor welcher dramatischen Markt- und Wettbewerbssituation die deutschen Banken stehen. Im deutschen Privatkundengeschäft gingen seit 2009 Erträge in Höhe von 5,1 Milliarden Euro (8,6 Prozent) verloren; sie beliefen sich 2014 auf 54,0 Milliarden Euro. Bis 2019 werden die Erträge um weitere 2,7 Milliarden Euro (4,9 Prozent) schrumpfen. Gründe dafür sind unter anderem das Niedrigzinsumfeld, die Digitalisierung und erhöhter Wettbewerb aus dem Ausland. Den Privatkundenbanken geht damit innerhalb von nur zehn Jahren mehr als ein Achtel ihrer Ertragsbasis verloren, bei gleichzeitigem Anstieg der Kosten für regulatorische Anforderungen.

Die Retail Banking Revenue Pools zeigen zudem, dass mit Bankdienstleistungen bei deutschen Kunden am wenigsten verdienen wird: So erzielen Banken mit ihnen im Jahresdurchschnitt nur rund 730 Euro, bei Franzosen sind es 890 Euro und bei Niederländern 1.130 Euro. Spitzenreiter sind die Briten mit 1.330 Euro. In Deutschland wird sich der durchschnittlich erzielte Betrag bis 2019 weiter verringern, während er in Frankreich um 3,1 Prozent und in den Niederlanden um 1,3 Prozent wachsen wird. Grund für diese Steigerung ist unter anderem die hohe Kreditnachfrage zur Eigenheimfinanzierung. Der Anteil der Krediterträge liegt in Frankreich bei 56 Prozent, in den Niederlanden bei 65 Prozent, und in Deutschland dagegen nur bei 37 Prozent.

Mangelnde Kreditnachfrage lässt Erträge schrumpfen

BCG erwartet in Deutschland aufgrund einer nachlassenden Kreditnachfrage und sinkender Margen einen Rückgang der Krediterträge um jährlich rund 1 Prozent. Damit verlieren die deutschen Banken einen ihrer wenigen Wachstumsfaktoren der vergangenen Jahre. Positive Entwicklungen erwarten die BCG-Experten dagegen im Wertpapiergeschäft – mit einem jährlichen Wachstum von 2 Prozent – sowie beim Einlagengeschäft: Hier ist mit einer Verlangsamung des Ertragsrückgangs zu rechnen. Seit 2009 sind die Einlagenerträge um 33 Prozent eingebrochen; in den nächsten Jahren werden sie mit einem Minus von jährlich 3 Prozent deutlich langsamer zurückgehen. „Dennoch gilt: Wer die Einlagen- und Zinsabhängigkeit vieler deutscher Banken kennt, der weiß, dass das Verschwinden von über 40 Prozent der Einlagenerträge in nur zehn Jahren zwischen 2009 und 2019 an den Grundfesten der Branche rüttelt“, so Til Klein, BCG-Partner und Experte für Privatkundenbanken.