Das Klima verändert nicht nur die Natur

11.08.2019/EG
Quelle: Deutscher Bundestag, Berlin

Ausfuhren von Agrarprodukten (insbesondere Grundnahrungsmittel) in Entwicklungsländer haben sich mit Hilfe von Subventionen seit 2009 verdoppelt / Klimaveränderungen erschweren landwirtschaftliche Bodennutzung

„… nach Angaben der FAO leben 1,5 Milliarden Menschen in einkommensschwachen Ländern in Haushalten kleinbäuerlicher Landwirtschaftsbetriebe. Der bei weitem größte Teil (rund 80 Prozent) der landwirtschaftlichen Betriebe in Subsahara-Afrika und Asien wird von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern geführt. Dabei ist die weltweite Ernährungssicherung angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und der Auswirkungen des Klimawandels als die großen Herausforderungen handlungsleitend. Laut FAO sichern kleinbäuerliche Betriebe in weiten Teilen einkommensschwacher Länder 60 bis 85 Prozent der gesamten Lebensmittelproduktion. (siehe 5 und 6)
„In den letzten zehn Jahren haben sich die deutschen Exporte von Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft in Entwicklungsländer nahezu verdoppelt. Zu den wichtigsten Exportprodukten gehörten 2018 u. a. Milch und Milcherzeugnisse, Fleisch und Fleischwaren sowie Getreideerzeugnisse und Backwaren.“ bundestag.de (Seite 2)

Zum Thema

Maria Helena Semedo, stellvertretende FAO-Generaldirektorin für Klima und natürliche Ressourcen:
„Im Kontext, in dem die Zahl der unterernährten Menschen weiter wächst und die globalen Ernte- und Wirtschaftsmodelle einen Anstieg der Getreidepreise im Jahr 2050 aufgrund des Klimawandels um 29 Prozent prognostizieren, hofft die FAO, dass der (IPPC-)Bericht die Weltgemeinschaft anspornen wird, die Anpassung an den Klimawandel und Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels zu verstärken.“ fao.org

FAO-Report 2019 zur weltweiten Ernährungssituation
Nach den neuesten FAO-Daten nimmt der Hunger in fast allen afrikanischen Teilregionen zu und macht Afrika mit fast 20 Prozent zur Region mit der höchsten Prävalenz von Unterernährung. Die Situation ist vor allem durch Konflikte und den Klimawandel geprägt und besonders kritisch in Ostafrika, wo 30,8 Prozent (133 Millionen Menschen) darum kämpfen, genug zu essen zu haben.
Nach Angaben der FAO sind aktuell weltweit mehr als 820 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Der Hunger nimmt in fast allen Subregionen Afrikas zu, wo die Prävalenz der Unterernährung in Subsahara-Afrika 22,8 Prozent und in Lateinamerika in geringerem Maße erreicht hat. In Asien ist Südasien trotz großer Fortschritte in den letzten fünf Jahren immer noch die Subregion, in der die Prävalenz der Unterernährung mit fast 15 Prozent am höchsten ist, gefolgt von Westasien mit über 12 Prozent, wo sich die Situation verschlechtert. Regional betrachtet ist die unterernährte Bevölkerung ungleich verteilt, wobei die Mehrheit in Asien lebt (mehr als 500 Millionen). In Afrika nimmt die Zahl stetig zu, wo sie 2018 fast 260 Millionen Menschen erreichte, davon mehr als 90 Prozent in Afrika südlich der Sahara. fao.org (Seite xvi und xvii)

IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C
„Eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 °C wird verglichen mit 2 °C laut Projektionen zu geringeren Nettorückgängen des Ertrags bei Mais, Reis, Weizen und möglicherweise anderen Getreidepflanzen führen, insbesondere in Afrika südlich der Sahara, Südostasien und Zentral- und Südamerika, sowie zu geringeren Rückgängen des CO2-abhängigen Nährwertgehalts von Reis und Weizen (hohes Vertrauen). Rückgänge der projizierten Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln sind in der Sahelzone, im südlichen Afrika, im Mittelmeerraum, in Mitteleuropa und im Amazonasgebiet bei 2 °C globaler Erwärmung größer als bei 1,5 °C (mittleres Vertrauen). Nutztiere werden laut Projektionen durch steigende Temperaturen beeinträchtigt, je nach Ausmaß der Änderungen bezüglich Futtermittelqualität, Krankheitsausbreitung und Wasserverfügbarkeit (hohes Vertrauen).“ ipcc.de (Seite 13, Kapitel B5.3)

Volker Westphal, Bundespolizist im Ruhestand, hat von 1995 bis 2015 an der Bundespolizeiakademie Migrations- und Flüchtlingsrecht sowie Europa- und Völkerrecht unterrichtet:
Was würde passieren, wenn ein Flüchtlingsschiff an einer deutschen Küste ankommen würde? Der Zugang zum Asylverfahren müsste gewährt werden. Dies schreiben nationales und europäisches Recht vor. Die Verbote Italiens und Maltas, in den Hafen einzufahren, verletzen EU-Recht.“ fluchtforschung.net

Food and Agriculture Organization, kurz FAO: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die internationale Bemühungen zur Bekämpfung des Hungers leitet.

Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC: Der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Klimarat) ist das Gremium der Vereinten Nationen zur Bewertung der Wissenschaft im Zusammenhang mit dem Klimawandel.