Der Anfang vom Ende der Stromumlagen?

04.07.2015/EG aus dem energiepolitischen Blog ‚elsud.net‘, Eijsden/Mesch (NL)

Kommentar von Dr. Paul H. Suding zum Kohlekompromiss: Umlagen werden komplexer, teuerer und unsozialer – Strompreis könnte auf über 30 Cent je Kilowattstunde steigen

Dem sogenannten ‚Kohlekompromiss‘ vom 1. Juli 2015 schlägt von außerhalb der beteiligten und begünstigten Kreise massive Kritik entgegen. Bemerkenswert ist auch konzeptioneller Wandel in der Energiepolitik insofern, wie unerwünschte Aktivitäten adressiert werden, nämlich durch Entschädigung und Belohnung für ihr Unterlassen und die Umlage der Ausgaben auf die Verbraucher, ähnlich wie bei der Belohnung für erwünschter Aktivitäten nach EEG. Die weitere Erhöhung der Umlagen ist problematisch und außerdem kurzsichtig, da sie der Flexibilisierung der Strom-Märkte entgegensteht.

Damit wird es künftig eine weitere Umlagekategorie für die Strompreise geben, somit wird dieses Konstrukt noch bunter und (besonders für Haushaltsabnehmer) teurer. Es wird enthalten:

  • Die EEG Umlage von derzeit 6,17 ct/kWh mit unsicherer Tendenz. Die derzeit hohe Liquidität in der Kasse könnte für eine Senkung genutzt werden; die wieder wachsenden Befreiungen von Großunternehmen mahnen zur Vorsicht, und die Schätzungen der zu zahlenden Vergütungen einerseits und der Erlös aus dem Verkauf an der Börse liegen noch nicht vor.
  • Die KWK Aufschlag von derzeit 0,254 ct/kWh mit klar steigender Tendenz wenn die Einigung vom 01. Juli 2015 umgesetzt wird. Die Rede ist von 0,3 ct/kWh mehr.
  • Die Offshore Haftungsumlage ist im Jahre 2015 negativ – 0,051 ct/kWh, kann wieder positiv werden.
  • Die Umlage für abschaltbare Lasten beträgt 0,006 ct/kWh.
  • Die Stromnetzentgeltverordnung (§19 StromNEV) von derzeit 0,227 ct/kWh kann möglicherweise reduziert werden, wenn die vor kurzem bekanntgewordenen Vorschläge der Bundesnetzagentur dazu umgesetzt werden.
  • Die neue Stilllegung-Umlage von ca. 0,5 ct/kWh.

Diese Umlagen von in Summe insgesamt über 7 ct/kWh mit steigender Tendenz kommen zu den Belastungen wegen Konzessionsabgaben (1,79 ct/kWh), Stromsteuer (2,05 ct/kWh) und Mehrwertsteuer (4,6 bis 4,7 ct/kWh) hinzu. Ein Standard-Haushalt (lt. BDEW mit 3500 kWh Jahresverbrauch) kann sich also auf einen Strompreis von über 30 ct/kWh einstellen. Weiterlesenelsud.net