Der Mangel an Ärzten und nachhaltiger Politik

08.10.2017/EG

Lebenserwartung und medizinischer Behandlungsbedarf nehmen zu / Wachsender Ärztebedarf ist seit langem bekannt / 43.184 Bewerber für 9.176 Studienplätze Humanmedizin WS 17/18 / Bestens versorgte Politiker verhindern dringend benötigte Investitionen für die gesundheitliche Versorgung aller

„Wer nur die leicht steigenden Arztzahlen betrachtet, verschließt die Augen vor der ganzen Wahrheit. Tatsächlich öffnet sich die Schere zwischen Behandlungsbedarf und Behandlungskapazitäten immer weiter. Schon heute klaffen bei der ärztlichen Versorgung in vielen Regionen große Lücken. (…) Die Politik muss diesen Zusammenhang zwischen mehr Teilzeitarbeit und weniger Arztstunden endlich anerkennen und die Zahl der Studienplätze erhöhen.“ So kommentiert Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), die Ärztestatistik für das Jahr 2016. ↗bundesaerztekammer.de

„Die Landesärztekammern (LÄK) Brandenburg und Rheinland-Pfalz fordern eine Erhöhung der Medizinstudienplätze in Deutschland. Der Ärztemangel dürfe nicht über Ärzte aus dem Ausland gelindert werden, hieß es weiter. Die rheinland-pfälzische Kammer verwies darauf, dass die laut aktueller Ärztestatistik der Bundesärztekammer steigende Arztzahl den aktuellen und künftigen Mangel nicht abfangen könne.“ hartmannbund.de

„… fordert der MB von Bund und Ländern eine gemeinsame Initiative zum Ausbau der Studienplatzkapazitäten im Fach Humanmedizin um mindestens 10 Prozent. (…) Häufig wird übersehen, dass in den vergangenen 25 Jahren mehrere Tausend Medizinstudienplätze abgebaut wurden – trotz steigender Bewerberzahlen. Diese restriktive Kapazitätspolitik steht im Widerspruch zum steigenden Ersatzbedarf und vielerorts bereits bestehenden Ärztemangel in der kurativen Versorgung.“ ↗marburger-bund.de

Stefan Sell, Sozialwissenschaftler: „Wenn man davon ausgeht, dass nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes (aus dem Jahr 2013) ein Student der Humanmedizin die Hochschulen pro Jahr 31.690 Euro kostet, was sich bei sechs Jahren auf einen Betrag von fast 400.000 Euro summiert, während Studenten der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 4.300 Euro pro Jahr richtige „Schnäppchen“ sind, dann ist klar, dass die Bundesländer von der Ausgabenseite her wenig bis gar kein Interesse haben, zusätzliche Studienplätze zu schaffen, die derart teuer sind.“ aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de