Deutsche Post: Dividendenerhöhung für Aktionäre – Lohndruck für Mitarbeiter

05.06.2015/EG aus der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Berlin

Vorstand der Deutschen Post besteht auf ‚wettbewerbsfähige Löhne‘

Die Deutsche Post AG hat die Erklärungsfrist verstreichen lassen und die Weichen auf Streik gestellt. Während zehn Verhandlungstagen seit Mitte März hat sie sich nicht in Richtung Konfliktlösung bewegt. Positive Nachrichten verkündete der Chef der Deutschen Post AG (DPAG), Frank Appel, bei der Hauptversammlung Ende Mai nur für die Aktionäre. Er bestätigte die Gewinnziele, die für 2015 bei knapp drei Milliarden Euro liegen. Und wie von ihm vorgeschlagen, wird die Dividende auf 85 Cent pro Aktie erhöht. Das wird insbesondere den Bund freuen, der noch 21 Prozent der Anteile an dem ehemaligen Staatsunternehmen hält.

Doch bezahlt werden Gewinne und Dividende von den Beschäftigten. In seiner Rede auf der Hauptversammlung sprach Appel von „erheblichen Wettbewerbsnachteilen bei den Lohnkosten“. Die für ihn logische Folge: Hier muss gespart werden. Die Deutsche Post gründete dazu Anfang des Jahres 49 Regionalgesellschaften unter dem Dach der neuen Tochter DHL Delivery GmbH. Eingestellt werden vornehmlich Postbeschäftigte, die bislang mit Befristungen hingehalten wurden. Doch die Festanstellung hat ihren Preis. Die Löhne liegen 20 Prozent unter denen, die ver.di mit der DPAG ausgehandelt hat. Weiterlesenverdi.de

Zum Thema aus der Deutschen Post AG, Bonn:

Tarifverhandlungen erneut vertagt – Vorgelegter ver.di-Vorschlag verschärft strukturelles Problem des hohen Lohnabstands zum Wettbewerb

Verhandlungsführerin Melanie Kreis: „Der ver.di-Vorschlag ist eine Mogelpackung und löst keines unserer Probleme.“

Die aktuellen Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Post und ver.di wurden heute erneut vertagt. Die Deutsche Post hatte bereits am 9. Mai ein Angebot zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit um rund eine Stunde bei vollem Lohnausgleich und einen weitreichenden Kündigungs- und Rationalisierungsschutz bis Ende 2018 vorgelegt, das ver.di bisher ohne konkrete Begründung abgelehnt hatte. Erst zum Ende der heutigen sechsten Verhandlungsrunde wurde von ver.di erstmals ein eigener Vorschlag vorgelegt.

„Der ver.di-Vorschlag ist leider eine Mogelpackung und löst keines unserer Probleme. Wir haben ein strukturelles Problem, denn unsere Löhne sind doppelt so hoch wie die unserer Wettbewerber“, sagt Melanie Kreis, Konzernpersonalvorstand und Arbeitsdirektorin der Deutsche Post DHL Group. „Entscheidend für uns ist, dass wir mit der angestrebten Vereinbarung einen spürbaren Beitrag zur Sicherung der Zukunft unserer Mitarbeiter und des Unternehmens erreichen. Das kann ich nach erster Durchsicht nicht erkennen“, so Kreis.

Das Unternehmen hatte seit längerem darauf hingewiesen, dass angesichts des rasanten Wachstums im Paketmarkt erhebliche Investitionen zur Sicherung der eigenen Marktposition notwendig sind. Zugleich zahlt die Deutsche Post ihren Mitarbeitern derzeit doppelt so hohe Löhne wie viele ihrer Wettbewerber. Für zukünftige Mitarbeiter wären daher wettbewerbsfähige Löhne unvermeidlich, um auch zukünftig konkurrenzfähig bleiben zu können.