E-Mobilität ohne ‚Energie‘

31.12.2015/EG aus dem Beratungsunternehmen Bain & Company Germany Inc., München

Bain sieht Ziel der Bundesregierung – zur Schaffung von einer Million Elektroautos bis 2020 – unerreichbar / Bisher sind weniger als 50.000 Elektroautos und Hybridfahrzeuge auf der Straße / Kosten für Li-Ionen-Batteriesysteme sollen von derzeit 260 Euro/kWh auf etwa 110 Euro/kWh bis 2022 sinken

Nach einer aktuellen Analyse von Bain wird deutlich, dass das E-Mobilitätsziel der Bundesregierung aus dem Jahr 2011 verfehlt wird. So waren 2014 hierzulande nur rund 26.000 reine Elektroautos und Plug-in-Hybride – also Autos mit Elektroantrieb und konventionellem Motor, deren Batterie auch über das Stromnetz aufgeladen werden kann – unterwegs. Nach den Plänen der Bundesregierung hätten es bereits 100.000 sein sollen. Auch zum Jahresende 2015 ist kaum Besserung in Sicht. Laut Bain-Analyse wurden von Januar bis November in Deutschland 20.288 Elektroautos und Plug-in-Hybride zugelassen. Dies lässt für das Gesamtjahr rund 23.000 Fahrzeuge erwarten. Doch statt der angestrebten 200.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride wird der Gesamtbestand Ende 2015 bei weniger als 50.000 Fahrzeugen liegen – und damit rund 75 Prozent unter der Zielvorgabe der Bundesregierung. Dass sich daran auch so schnell nichts ändern wird, zeigt das Verhältnis der Neuzulassungen zum Gesamtmarkt. Hier liegt Deutschland im internationalen Vergleich im ersten Quartal 2015 mit einer Elektroautoquote von lediglich 0,6 Prozent weit abgeschlagen hinter Norwegen (33,1 Prozent) und der Niederlande (5,7 Prozent). „Damit ist das ursprüngliche Ziel der Politik von einer Million E-Autos im Jahr 2020 nicht mehr zu schaffen“, stellt Dr. Klaus Stricker, Leiter der weltweiten Praxisgruppe Automobil bei Bain & Company, fest.

Die bereits Ende 2014 von der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) formulierten Maßnahmen aus Steuersubventionen und Forschungsförderung sind größtenteils nicht umgesetzt worden. Steuerliche Anreize, Sonderabschreibungen für elektrisch betriebene Dienstfahrzeuge und Kaufanreize für Privatkunden von bis zu 5.000 Euro pro Fahrzeug werden aktuell politisch diskutiert. Allerdings ist ihre Finanzierung weiterhin ungeklärt. „Mittelfristig gibt es keine Alternative, um die verschärften Emissionsvorgaben bis 2025 zu erreichen.“ In der Europäischen Kommission werden derzeit bereits die neuen CO2- und Verbrauchsziele für 2025 erörtert. Diese könnten um weitere 18 bis 28 Prozent unter den Werten von 2020 liegen. Hinzu kommen die Änderungen der Emissionstests, über die aktuell debattiert wird. Real Driving Emissions (RDE) sollen den echten Schadstoffausstoß auf der Straße messen und nicht mehr wie bisher am Prüfstand unter Laborbedingungen.

Laut Bain-Analyse werden die Kosten für Li-Ionen-Batteriesysteme bis zum Jahr 2018 deutlich sinken – von heute 260 Euro/kWh auf dann unter 150 Euro/kWh. „Durch die Weiterentwicklung der Batterietechnologie sind ab 2022 sogar 110 Euro/kWh möglich“, prognostiziert Dr. Stricker.