Ein Christliches Abendland gab und gibt es nicht?

05.07.2015/EG aus der ‚Standard‘ Verlagsgesellschaft mbH, Wien (A)

Interview des ‚Standard‘ mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willems über das Verhältnis von Politik und Religion – Europa wurde immer durch Konkurrenz, Konflikt und Koexistenz unterschiedlicher religiöser Traditionen gekennzeichnet

STANDARD: Es taucht immer wieder in der Politik auf: das Abendland, das christliche zumal. In Österreich plakatierte die FPÖ im Wahlkampf „Abendland in Christenhand“. In Deutschland marschieren „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida). Aber gibt oder gab es dieses christliche Abendland überhaupt je in der insinuierten Form?

Willems: Ein christliches Abendland im Sinne eines homogenen christlichen Raumes, wie es in diesen Slogans anklingt, gab und gibt es nicht. Das lateinische Christentum hat zwar seit dem frühen Mittelalter West- und Mitteleuropa kulturell und politisch geprägt, aber Europa wurde immer auch durch den politischen, ökonomischen und kulturellen Austausch mit anderen Räumen und Traditionen geprägt, und im Inneren ist Europa nicht durch Homogenität, sondern durch Konkurrenz, Konflikt und Koexistenz unterschiedlicher religiöser Traditionen gekennzeichnet. Weiterlesenderstandard.at