Entwicklung der Strom- und Gasmärkte im Jahr 2014

25.11.2015/EG aus der Bundesnetzagentur und dem Bundeskartellamt, Bonn

Monitoringbericht 2015: Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt berichten über die Entwicklungsdynamik der deutschen Strom- und Gasmärkte im Jahr 2014:

Erzeugung und Versorgungssicherheit Strom

Die Stromerzeugung war im Berichtsjahr 2014 durch einen Rückgang der Erzeugung aus konventionellen Energieträgern bei einem gleichzeitigen Anstieg der Erzeugung aus erneuerbaren Energieträgern geprägt. Insgesamt war die Netto-Stromerzeugung mit 581,3 TWh im Jahr 2014 gegenüber dem Berichtsjahr 2013 mit 593,5 TWh um 12,2 TWh rückläufig.
Die Marktmacht der größten Stromerzeugungsunternehmen hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Im Jahr 2014 betrug der kumulierte Marktanteil der vier größten Stromerzeuger auf dem Stromerstabsatzmarkt rund 67 Prozent. Dies entspricht dem Vorjahreswert bzw. einer Verringerung um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2010.
Im Jahr 2014 lag die durchschnittliche Unterbrechungsdauer der angeschlossenen Letztverbraucher bei 12,28 Minuten. Die Zuverlässigkeit der Stromversorgung liegt somit bei 99,998 Prozent.

Entwicklung Erneuerbarer Energie

Die Netto-Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energieträger stieg um 8,4 TWh auf 154,8 TWh (2014). Am meisten zugenommen hat dabei die Stromerzeugung aus Windenergie (an Land) mit einer Erzeugungsmenge von 55,9 TWh.
Das Anlagenregister ist in Betrieb gegangen. Es dient der Überwachung des Zubaus, der Berechnung der zubauabhängigen Fördersätze sowie der besseren Integration der Erneuerbaren Energien.

Bestätigung NEP 2024 Strom

Die Bundesnetzagentur hat 63 der 92 von den Übertragungsnetzbetreibern beantragten Maßnahmen bestätigt. Diese Maßnahmen umfassen rund 3.050 km an Optimierungs- und Verstärkungsmaßnahmen in Bestandstrassen und rund 2.750 km an Neubautrassen. Die Bundesnetzagentur ist in ihrer Prüfung für den Korridor D zu dem Ergebnis gekommen, dass grundsätzlich auch eine Verbindung zwischen Wolmirstedt und Isar/Landshut als südlichem Netzverknüpfungspunkt geeignet ist.

Redispatch* und Einspeisemanagement
(*Eingriffe in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken zum Schutz vor Überlastung)

Die strom- und spannungsbedingten Redispatchmaßnahmen der ÜNB sind unter anderem wegen des fehlenden Netzausbaus im Vergleich zum Jahr 2013 um sechs Prozent auf 8.453 Stunden angestiegen. Der Anteil, der durch Redispatch verursachten Absenkungen belief sich auf 0,58 Prozent, bezogen auf die Gesamterzeugung von Nicht-EEG-vergütungsfähigen Anlagen. Die veranschlagten saldierten Kosten für Redispatch 2014 wurden von den ÜNB mit 186,7 Mio. Euro angegeben.
Beim Einspeisemanagement hat sich die Menge der Ausfallarbeit von 555 GWh im Jahr 2013 auf 1.581 GWh fast verdreifacht. Dies entspricht jedoch nur einer Quote von 1,35 Prozent bezogen auf die gesamte Netto-Stromerzeugungsmenge aus EEG-vergütungsfähigen Erzeugungsanlagen (auch Direktvermarktung).
Die Entschädigungszahlungen haben sich mit ca. 83 Mio. Euro um ca. 89 Prozent erhöht. Auch für das Jahr 2015 zeichnet sich bereits im ersten Quartal eine abermalige Erhöhung der Ausfallarbeit und somit der Entschädigungszahlungen ab.

Netzentgelte Strom

Die Entwicklung der Netzentgelte hat sich im Zeitraum 2013-2015 vorübergehend stabilisiert. Im Bereich der Haushaltskunden in der Grundversorgung liegt der Wert auf dem Niveau des Vorjahres (+0,04 ct/kWh).

Stromgroßhandel

Die Stromgroßhandelsmärkte wiesen im Jahr 2014 erneut ein hohes Liquiditätsniveau auf. Während es sowohl im börslichen Spothandel als auch im börslichen Terminhandel zu weiteren Volumenzuwächsen kam, waren die über Brokerplattformen vermittelten Handelsvolumina rückläufig.
Die durchschnittlichen Stromgroßhandelspreise sind im Jahr 2014 weiter gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr verringerten sich die durchschnittlichen Spotmarktpreise um 13 Prozent und die Terminkontrakte für das Folgejahr notierten im Mittel um 10 Prozent niedriger.

Einzelhandel Strom

Das Bundeskartellamt geht davon aus, dass auf den beiden größten Stromeinzelhandelsmärkten inzwischen kein Anbieter mehr marktbeherrschend ist. Der kumulierte Marktanteil der vier absatzstärksten Anbieter beträgt auf dem bundesweiten Markt für die Belieferung von leistungsgemessenen Stromkunden 33 Prozent und auf dem Markt für die Belieferung von nicht-leistungsgemessenen Sondervertragskunden (insb. Haushaltskunden) 36 Prozent.
Die Häufigkeit, mit der Stromverbraucher ihren Lieferanten wechseln, entspricht ungefähr dem Vorjahresniveau. Im Bereich der Nicht-Haushaltskunden betrug die mengenbezogene Wechselquote im Jahr 2014 rund 11 Prozent und im Bereich der Haushaltskunden 9 Prozent. Fast 3,8 Mio. Haushaltskunden haben im Jahr 2014 ihren Stromlieferanten gewechselt.
Die Strompreise für Letztverbraucher zum 1. April 2015 sind im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Dies geht auf eine Verringerung des vom Lieferanten beeinflussbaren Preisbestandteils zurück. Gegenüber dem Jahr 2014 ist mit Stichtag 1. April 2015 der Durchschnittspreis für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh um 1,4 Prozent auf 29,11 ct/kWh(inkl. USt.) gesunken. Dennoch zahlen deutsche Haushaltskunden weiterhin – nach Dänemark – die zweithöchsten Strompreise Europas. Ursache ist die mit rund 52 Prozent überdurchschnittlich hohe Belastung durch Steuern, Umlagen und Abgaben.
Nachdem es im Heizstrombereich über viele Jahre kaum Lieferantenwechsel gab, ist im Jahr 2014 eine signifikante Zunahme der Wechselaktivitäten zu verzeichnen. Der Anteil der Heizstromkunden, die einen anderen Lieferanten als den örtlichen Grundversorger haben, betrug 2014 über vier Prozent und hat sich somit im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. In den letzten beiden Jahren haben sich die Transparenz für Endkunden erhöht und das Angebot bundesweit tätiger Heizstromanbieter verbreitert.

Im- und Export Strom

Das deutsche Stromexportvolumen war in 2014 wie auch in den Vorjahren deutlich höher als das Importvolumen. Die Exporte blieben mit 59,4 TWh im Vergleich zu 59,17 TWh (2013) nahezu unverändert. Im Ergebnis war ein Anstieg des deutschen Exportsaldos von vormals 32,49 TWh in 2013 auf 34,52 TWh in 2014 zu beobachten. Im Gesamtsaldo spiegelt sich ein Rückgang der Importe von 26,95 TWh auf 24,66 TWh wider. Der grenzüberschreitende Stromhandel führt für alle beteiligten Länder zu einem volkswirtschaftlichen Mehrwert. In Deutschland wirkt sich die zusätzliche ausländische Nachfrage nach deutschem (EE-)Strom auf die von deutschen Stromerzeugern erzielbaren Preise aus.

Im- und Export Gas

Die Import- und Exportmengen sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Importmenge von Gas nach Deutschland ist von 1.771,7 TWh auf 1.788,2 um rund 16,5 TWh gestiegen. Auch der Export von Gas ist angestiegen. Betrug er 725,3 TWh in 2013, so wurden 852,9TWh im Jahr 2014 exportiert.
Die wichtigsten Bezugsquellen für nach Deutschland geliefertes Gas sind nach wie vor Russland und die GUS Staaten sowie Norwegen und die Niederlande. Die Exporte flossen im Wesentlichen nach Tschechien, in die Schweiz, nach Österreich und Frankreich.

Versorgungsunterbrechungen Gas

Im Jahr 2014 lag die durchschnittliche Unterbrechungsdauer der angeschlossenen Letztverbraucher mit Berücksichtigung eines Unfalls auf der ERM (Erdgasleitung Rhein-Main) bei 16, 8 Minuten (SAIDI). Daran kann man keine bundesweite Verschlechterung der Versorgungssicherheit ablesen. Ohne diesen Unfall betrüge der SAIDI-Wert rund 1,3 Minuten für das Jahr 2014 und läge damit im langjährigen Mittel der Versorgungsunterbrechungen Gas. Die Zuverlässigkeit der Gasversorgung liegt weiterhin bei 99,999 Prozent ohne Berücksichtigung und bei 99,996 Prozent mit Berücksichtigung des Unfalls.

Gasspeicher

Der Markt für den Betrieb von Untertageerdgasspeichern ist relativ stark konzentriert. Der aggregierte Marktanteil der drei Unternehmen mit den größten Speicherkapazitäten betrug zum Ende des Jahres 2014 rund 75 Prozent. Nach einem Rückgang in den Vorjahren ist die Konzentration im Berichtsjahr angestiegen.
Trotz starker Unterschiede in der Witterung und der Gaspreise waren die Erdgasspeicher in den vergangenen Wintern immer ausreichend gefüllt.

Erdgasgroßhandel

Im Jahr 2014 hat die Liquidität der Großhandelsmärkte erneut zugenommen. Im bilateralen Großhandel sind wesentliche Zuwächse zu verzeichnen. Das Volumen des börslichen Gashandels hat sich sogar mehr als verdoppelt.
Das Berichtsjahr 2014 war von deutlich niedrigeren Gasgroßhandelspreisen geprägt. Die verschiedenen Preisindizes zeigen einen Rückgang von 15 bis 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Einzelhandel Gas

Die Marktkonzentration auf den beiden größten Gaseinzelhandelsmärkten liegt deutlich unter den gesetzlichen Vermutungsschwellen einer marktbeherrschenden Stellung. Der kumulierte Marktanteil der drei absatzstärksten Anbieter beträgt auf dem Markt für die Belieferung von leistungsgemessenen Gaskunden 32 Prozent und auf dem Markt für die Belieferung von nicht-leistungsgemessenen Sondervertragskunden (insb. Haushaltskunden) 23 Prozent.
Die Häufigkeit, mit der Gasverbraucher ihren Lieferanten wechseln, entspricht ungefähr dem Vorjahresniveau. Im Bereich der Nicht-Haushaltskunden betrug die mengenbezogene Wechselquote im Jahr 2014 rund 12 Prozent und im Bereich der Haushaltskunden 10 Prozent. Über 1 Mio. Haushaltskunden haben im Jahr 2014 ihren Gaslieferanten gewechselt.
Der Trend leicht sinkender Gasletztverbraucherpreise setzt sich fort. In den betrachteten Abnahmefällen privater und gewerblicher Verbraucher ergab sich im Jahresvergleich eine Verringerung um rund 0,1 ct/kWh. Zum Stichtag 01. April 2015 betrug der Durchschnittspreis für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 23.269 kWh, die über einen Sondervertrag vom Grundversorger beliefert werden, rund 6,7 ct/kWh (inkl. USt.). Der mittlere Gaspreis für den Abnahmefall 116 GWh/Jahr („Industriekunde“) liegt mit knapp 3,5 ct/kWh (ohne USt.) zum 1. April 2015 auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Gaspreiserhebungen im Energie-Monitoring.