Fassade des ordentlichen Kaufmanns bröckelt unter dem Erfolgsdruck

20.05.2015/EG aus der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH, Stuttgart

EY-Studie: Regeln werden trotz besserer Compliance-Kultur weiter gebrochen – Ein Drittel der deutschen Manager hält Schönung von Bilanzergebnissen hierzulande für verbreitet – Immerhin jeder neunte Manager in Europa würde im Notfall für Aufträge Bargeld zahlen

Im Südosten Europas ist Korruption besonders stark verbreitet: Kroatien, Slowenien und Serbien belegen im europäischen Korruptionsranking die ersten drei Plätze – dort sind 92, 87 bzw. 84 Prozent der Manager der Meinung, Korruption sei im Wirtschaftsleben an der Tagesordnung. In Deutschland halten 26 Prozent der Manager Korruption für weit verbreitet – damit belegt Deutschland Rang 23 im Ranking. Besser stehen nur die skandinavischen Länder, Estland, die Schweiz und die Niederlande da.

Im Zweijahresvergleich ist die Korruptionswahrnehmung in Deutschland leicht zurückgegangen: 2013 war Korruption hierzulande noch laut 30 Prozent der deutschen Manager weit verbreitet – 2011 lag der Anteil sogar bei 46 Prozent.

Trotz dieses Positivtrends: In Sachen Compliance – also der Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien – klaffen Anspruch und Wirklichkeit in Deutschland offenbar noch auseinander: Zwar ist die Zahl der Unternehmen mit eigenen Antikorruptionsrichtlinien seit 2013 um fünf, seit 2011 sogar um 16 Prozentpunkte auf aktuell 66 Prozent gestiegen. Und immerhin bei 37 Prozent der deutschen Unternehmen wurde gegen Mitarbeiter vorgegangen, die die Antikorruptionsrichtlinie verletzt haben – 2013 lag der Anteil bei 32 Prozent, 2011 sogar nur bei 20 Prozent.

Aber mehr als jeder dritte deutsche Manager (36 Prozent; 2013: 34 Prozent) glaubt, dass die Schönung von Finanzergebnissen in Deutschland weit verbreitet ist. Auch in Westeuropa gibt es eine steigende Tendenz. 33 Prozent (2013: 31 Prozent) sind der Ansicht, dass Finanzergebnisse besser dargestellt werden, als sie tatsächlich sind. Weiterlesen↗ey.com