GESUNDHEIT

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  • Aktuelle Warnungen vor Gesundheitsgefährdungen oder Gesundheitsrisiken durch Lebensmittel lesen Sie hierlebensmittelwarnung.de.
  • Zur (Facharzt-)Terminservicestelle Bayern der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gelangen Sie hierkvb.de.

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Kinder- und Jugendärzte fordern Maßnahmen gegen Fehlernährung

26.07.2017/EG aus dem Ärzteverband Hartmannbund, Berlin

Jeder siebte von drei bis 17 Jahren ist übergewichtig oder adipös / Offener Brief an Bundesregierung

„Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), die Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG) und die Verbraucherorganisation foodwatch fordern in einem offenen Brief an die Bundesregierung und die Parteivorsitzenden eine neue Strategie zur Prävention nicht übertragbarer chronischer Krankheiten. Ärztinnen und Ärzte fordern sie auf, das Anliegen mit ihrer Unterschrift zu unterstützen.

Konkret fordern die Initiatoren vier Maßnahmen, um der Zunahme von zum Beispiel adipösen Kindern und Jugendlichen wirksam entgegenzutreten: eine leicht verständliche Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel, verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung, Beschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung sowie steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln.“ hartmannbund.de

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Prostatafrühkarzinom: OP ohne wesentliche Vorteile

17.07.2017/EG aus dem Medium Ärzteblatt, Berlin

Studie: Langsames Wachstum des Prostatakarzinoms macht frühzeitige Operation fragwürdig

„Wegen des langsamen Wachstums des Prostatakarzinoms ist die Auswirkung einer frühzeitigen Operation auf das Sterberisiko bei einem im PSA-Screening entdeckten Tumor gering. In einer randomisierten klinischen Studie war auch nach fast 19 Jahren keine wesentliche Senkung der Sterblichkeit zu erkennen. Die meisten Studienteilnehmer sind laut dem Bericht im New England Journal of Medicine (2017; 377: 132-142) inzwischen an anderen Erkrankungen gestorben.“ aerzteblatt.de

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Nachtschicht krebserregend?

29.06.2017/EG aus dem Deutschen Ärzteblatt, Berlin

International Agency for Research on Cancer stufte bereits 2007 Nachtschichten als „wahrscheinlich“ krebserregend ein

„Menschen, die häufig nachts arbeiten, haben vermutlich ein erhöhtes Krebsrisiko. Die Ursachen vermuten Epidemiologen in Occupational and Environmental Medicine (2017; doi: 10.1136/ oemed-2017-104414) in einer Störung der DNA-Reparatur, die möglicherweise durch die Einnahme eines Hormons verhindert werden könnte.“ aerzteblatt.de

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Transparenzkodex

25.06.2017/EG

Pharmaunternehmen investierten 2016 für die Medikamentenforschung 562 Mio. Euro an Ärzte, Fachkreisangehörige sowie medizinische Organisationen und Einrichtungen

Nach Schätzung des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) und der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) umfassen die Leistungen von Pharma-Unternehmen an Ärzte sowie Fachkreisangehörige und Institutionen der Medizin etwa 562 Millionen Euro für das Jahr 2016:

  • 356 Millionen Euro auf die Zusammenarbeit im Bereich Forschung
  • 105 Millionen Euro auf den Bereich Fortbildung und Vorträge
  • 101 Millionen Euro auf die Unterstützung von Veranstaltungen und Institutionen

Die 54 Mitgliedsunternehmen des Vereins „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie“ (FSA) und des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) haben 2016 erstmals den Transparenzkodex umgesetzt. Sie decken rund 75% des deutschen Pharmamarktes ab.

Der FSA wurde 2004 von den vfa-Mitgliedern als eigenständiger Verein gegründet und überwacht mit Hilfe eines Vereinsgerichts die korrekte Zusammenarbeit von pharmazeutischen Unternehmen mit Ärzten und anderen Angehörigen der medizinischen Fachkreise. Jede Person kann dem FSA den Verdacht eines Kodex-Verstoßes durch ein Pharmaunternehmen melden. Die unabhängige Schiedsstelle des FSA untersucht die gemeldeten Verdachtsfälle. Sollte sich der Verdacht bestätigen, sieht das Regelwerk des FSA klar definierte Sanktionen vor, z.B. Geldstrafen bis max. 400.000 Euro und die Nennung des Unternehmens zusammen mit der Veröffentlichung der Entscheidung im Internet. pharma-transparenz.de

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Deutschland bei Krankenversorgung nur Mittelfeld

20.05.2017/EG aus dem Medium Deutsches Ärzteblatt, Berlin

Globale Studie findet massive Unterschiede in der Krankenversorgung

„Hinter Andorra belegen die skandinavischen Länder, die Schweiz. Australien, Spanien und die Niederlande mit 90 Punkten oder mehr die Spitzenplätze. Deutschland erreicht mit 86,4 Punkten im HAQ-Index Position 20 hinter Griechenland und Slowenien. Immerhin hat es seit 1990 einen Anstieg um 12,7 Punkte gegeben.“ aerzteblatt.de

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EU: Wettbewerbsverstoß bei Krebsarznei?

15.05.2017/EG aus der Europäischen Kommission, Brüssel

Europäische Kommission hat heute ein förmliches Untersuchungsverfahren gegen Aspen Pharma eröffnet

„Die Kommission untersucht die Preispolitik von Aspen bei Nischenarzneimitteln, die die pharmazeutischen Wirkstoffe Chlorambucil, Melphalan, Mercaptopurin, Tioguanin und Busulfan enthalten. Die betreffenden Arzneimittel werden zur Behandlung bestimmter Krebsarten wie Blutkrebs verwendet. Sie werden in unterschiedlichen Formulierungen und unter diversen Markennamen gehandelt. Aspen hatte diese Wirkstoffe nach Auslaufen ihres Patentschutzes erworben.
Die Kommission wird Hinweise untersuchen, wonach Aspen massive, ungerechtfertigte Preiserhöhungen von bis zu mehreren hundert Prozent vorgenommen hat. Nach Informationen, die der Kommission vorliegen, hat Aspen beispielsweise zur Durchsetzung solcher Preiserhöhungen in einigen Mitgliedstaaten gedroht, die fraglichen Arzneimittel vom Markt zu nehmen, und dies in bestimmten Fällen sogar getan.“ europa.eu

Der Pharmakonzern Aspen Pharmacare Holdings, Sitz in Durban/Südafrika, ist ein führender Hersteller von Generika.

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Bundesregierung: Zuzahlungen sollen GKV entlasten

11.05.2017/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Eigenbeteiligungen von gesetzlich Versicherten bei der Krankenbehandlung

Aus Sicht der Bundesregierung sind die Zuzahlungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Interesse der Beitragszahler. Die Höhe der Zuzahlungen betrug im Jahr 2016, inklusive Erstattungen und Vorauszahlungen, rund vier Milliarden Euro beziehungsweise 55 Euro je Versicherten und Jahr oder 4,50 Euro pro Monat. Mehr als die Hälfte der Zuzahlungen (55,6 Prozent) fielen für Arznei-, Heil- und Verbandsmittel an. bundestag.de

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Masern-Impfquoten

26.04.2017/EG aus dem Robert Koch Institut, Berlin

Interaktive Visualisierung des Impfstatus in Deutschland

„Impfungen schützen in jeder Lebensphase – vom Säuglingsalter bis ins hohe Erwachsenenalter. Indirekt werden auch diejenigen geschützt, die zum Beispiel wegen einer Grunderkrankung oder zu jungen Alters nicht geimpft werden können. Doch es gibt noch immer Impflücken in allen Altersstufen und Regionen. Dies zeigt die neue interaktive Karte „VacMap“ des Robert Koch-Instituts am Beispiel der Masern-Impfquoten im Alter von 15 und 24 Monaten.“ vacmap.de

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Hohe Arbeitsbelastung in der Krankenpflege

10.02.2017/EG aus dem Hans Böckler Institut, Düsseldorf

Studie: Gesetzliche Mindeststandards für Personalschlüssel in der Krankenpflege können Überlastung und Komplikationen reduzieren

Die Forscher zitieren die internationale Pflege-Vergleichsstudie RN4CAST aus dem Jahr 2012, der zufolge in den USA durchschnittlich 5,3 Patienten auf eine Pflegefachkraft kommen, in den Niederlanden 7, in Schweden 7,7 und in der Schweiz 7,9. In Deutschland müssen sich Krankenschwestern dagegen im Schnitt um 13 Patienten kümmern. ↗boeckler.de

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Gesellschaft benötigt mehr Pflege

16.01.2017/EG aus dem Statistischen Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Zahl der Pflegebedürftigen wächst in zwei Jahren um 8,9 Prozent auf 2,86 Millionen Menschen

Im Dezember 2015 waren in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, hat die Zahl der Pflegebedürftigen im Vergleich zum Dezember 2013 um 234 000 (+ 8,9 Prozent) zugenommen. 83 Prozent der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter, 37 Prozent war mindestens 85 Jahre alt. destatis.de

Zum Thema ein Beitrag von Prof. Dr. Stefan Sell zur ungesicherten Reform der Pflegeausbildung aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de.

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Sozialstatus bestimmt Gesundheit

13.11.2016/EG aus dem Medium ’Der Standard‘, Wien

Einkommen und sozialer Status bestimmen zu 40 % den Gesundheitszustand

„In Diskussion über das Gesundheitswesen entsteht oft der Eindruck, dass zuvorderst die medizinische Versorgung Gesundheit „produziert“. Das ist falsch. Den größten Anteil machen Einkommen und Sozialstatus aus.“ derstandard.at

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Erkrankungen 2015

02.11.2016/EG aus dem BKK Dachverband, Berlin

40,5 Prozent der (Alten-)Pflegekräfte leiden an psychischen Störungen

Nach Erkenntnissen des BKK-Dachverbandes treten psychische Störungen vor allem in Berufen mit häufigen Kontakten zu Menschen auf, dagegen ‘produzieren‘ handwerkliche Tätigkeiten vor allem Muskel- und Skeletterkrankungen. ↗bkk-dachverband.de

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Heilmittelausgaben variieren um über 200 Prozent

26.10.2016/EG aus der Krankenversicherung BARMER GEK, Berlin

BARMER GEK stellt extreme regionale Ausgabenunterschiede in der Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Podologie fest

Wie aus dem aktuellen ‘Heil- und Hilfsmittelreport 2016‘ der BARMER GEK hervorgeht, betrugen die Kosten für alle Heilmittel im Jahr 2015 je Barmer GEK Versicherten in Bremen 65,86 Euro und in Berlin 121,85 Euro, Differenz 85 Prozent. Danach liegt die Ausgabenspanne in der Ergotherapie bei 119 Prozent (Bremen 7,06 Euro je Versicherten/Hamburg 15,45 Euro), in der Logopädie bei 74 Prozent (Berlin 10,01 Euro/Bremen 5,76 Euro), in der Podologie bei 208 Prozent (Sachsen 2,40 Euro/Bremen 0,78 Euro) und in der Physiotherapie bei 80 Prozent (Berlin 83,77 Euro/Bremen 46,45 Euro). ↗barmer-gek.de

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Lebenserwartung regional unterschiedlich

21.10.2016/EG aus dem Statistischen Bundesamt ’Destatis‘, Wiesbaden

Destatis: Regionale Unterschiede in der Lebenserwartung haben in den letzten 20 Jahren abgenommen / Bundesweit höchste Lebenserwartung haben Neugeborene in Baden-Württemberg

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, hat sich der Abstand zwischen den Bundesländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung innerhalb von 20 Jahren fast halbiert. Er beträgt nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafeln für den Zeitraum 2013/2015 bei den neugeborenen Jungen noch 3 Jahre und 4 Monate und bei den neugeborenen Mädchen 1 Jahr und 9 Monate. destatis.de

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Recht auf Gesundheit gegen Recht auf Profit

05.10.2016/EG aus der Nicht-Regierungs-Organisation ’Ärzte der Welt‘, München

Europäisches Patentamt verhandelt den Einspruch von Ärzte der Welt gegen das Patent für das Hepatitis-C-Medikament ‘Sovaldi‘

„Es ist das erste Mal in Europa, dass eine medizinische Nicht‐Regierungs‐Organisation als Klägerin auftritt, um den Zugang zu Arzneimitteln für Patienten zu verbessern. Denn das „1000‐Dollar‐Medikament“ Sovaldi mit dem Wirkstoff Sofosbuvir des Herstellers Gilead kann je nach Land zu Behandlungskosten von bis zu 60.000 Euro führen. In Deutschland sind die Krankenkassen mit Milliardenkosten konfrontiert, …“ aerztederwelt.org

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Ab 01. Oktober: Anspruch auf Medikationsplan

29.09.2016/EG aus dem Gesamtverband Der Paritätische, Berlin

Der Paritätische: Ab 01. Oktober 2016 haben Patienten Anspruch auf einen Medikationsplan, wenn sie mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig einnehmen bzw. anwenden

Die Einführung eines bundeseinheitlichen, standardisierten Medikationsplans ist Inhalt des E-Health-Gesetzes, das im Dezember 2015 vom Bundestag verabschiedet wurde. Der Medikationsplan soll künftig helfen, unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Medikationsfehler zu vermeiden.

Medikationsfehler können an verschiedenen Stellen auftreten und fatale Folgen haben. Am häufigsten sind Fehler in der Verordnung – wie z.B. doppelte Verschreibungen, fehlende Dosisanpassungen oder das Übersehen von Gegenanzeigen und Wechselwirkungen. Das Risiko für Patienten ist besonders hoch, wenn mehrere Ärzte Medikamente verordnen. Statistiken weisen aus, dass jeder dritte Patient über 65 Jahre im Schnitt neun Medikamente einnimmt. Bei der Einnahme der Arzneimittel werden viele Fehler gemacht werden, die im schlimmsten Fall zu Krankenhausnotaufnahmen und sogar zum Tode führen können.

In der Regel soll der Medikationsplan vom behandelnden Hausarzt ausgestellt und auch regelmäßig aktualisiert werden. Dies kann jedoch auch durch einen behandelnden Facharzt erfolgen. Auch Krankenhäuser und Apotheken können den Medikationsplan aktualisieren. Der Plan soll sämtliche verschreibungspflichtige sowie frei verkäufliche Arzneimittel enthalten, die die Patienten aktuell einnehmen. Dazu werden Wirkstoff, Dosierung und Einnahmegrund sowie sonstige Hinweise zur Medikamenteneinnahme bzw. -anwendung aufgeführt.

Ziel ist es, den Patienten bei der richtigen Einnahme ihrer Medikamente zu unterstützen und damit mehr Sicherheit zu schaffen. Den behandelnden Ärzten wiederum gibt der Plan einen Überblick über die Gesamtmedikation ihrer Patienten. Zunächst wird der Plan in Papierform ausgefertigt. Zukünftig soll er auf der elektronischen Gesundheitskarte der Versicherten gespeichert werden.

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Kosten für Arzneimittel steigen

27.09.2016/EG aus dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), Berlin

WIdO Arzneiverordnungs-Report 2016: Verordnungen legen leicht zu – Kosten steigen um über vier Prozent

Die Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind im Jahr 2015 erneut gestiegen und erreichen mit 37 Milliarden Euro (+ 4,3 Prozent bzw. 1,5 Mrd. Euro gegenüber 2014) einen erneuten Höchststand. Der Umsatz mit Fertigarzneimitteln ist im Jahr 2015 um 5,3 Prozent auf 35,35 Milliarden Euro gegenüber dem Jahr 2014 angestiegen. wido.de

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Der neue Pflegebegriff

14.09.2016/EG aus dem GKV-Spitzenverband, Berlin

Am 1. Januar 2017 tritt der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in Kraft

Was ändert sich für die Pflegebedürftigen? Wie erfolgt die Überleitung der drei Millionen Pflegebedürftigen von Pflegestufen auf Pflegegrade? Müssen die Pflegebedürftigen aktiv werden? Sind die Pflegekassen und der Medizinische Dienst auf diesen grundlegenden Wandel gut vorbereitet? Wie funktioniert die neue Pflegebegutachtung? Wie stellt sich der Stand der Vorbereitung aus Sicht der Betroffenen und ihrer Angehörigen dar?

Überblickgkv-spitzenverband.de
Fragen und Antwortengkv-spitzenverband.de
Pflegegrade (Pflegestufen)gkv-spitzenverband.de

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Ausgaben für die Gesundheit

26.08.2016/EG aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Berlin

DGB-Studie: Gesundheitsausgaben sind extrem ungleich verteilt / Arbeitgeber zahlen 74,28 Milliarden Euro (35 Prozent), Arbeitnehmer 137,15 Milliarden Euro (65 Prozent)

Ein weiterer Punkt: Nicht nur die Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung steigen, sondern auch die übrigen Gesundheitsausgaben. In den letzten Jahrzehnten wurden viele Leistungen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgegliedert, zum Beispiel Zahnersatz für Erwachsene oder die Pflegeversicherung. Immer mehr Kosten für Dienstleistungen, Arzneimittel oder Heil- und Hilfsmittel müssen von abhängig Beschäftigten privat getragen werden. Im Jahr 2014 waren das bereits 43,19 Milliarden Euro. Rechnet man beide Punkte – die Aufwendungen für Sozialversicherungen und die weiteren Gesundheitsausgaben – zusammen zeigt sich, wie ungleich die Lasten verteilt sind: Arbeitgeber zahlen 74,28 Milliarden Euro, Arbeitnehmer 137,15 Milliarden Euro.

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Ärztliche Versorgung rechnerisch über dem ‘Soll‘

17.08.2016/EG aus dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), Berlin

WIdO Ärzteatlas 2016 stellt in einigen Regionen eine Überversorgung bei niedergelassenen Ärzten fest / (Drohende) Unterversorgung in ländlichen Gebieten steht Überversorgung in Ballungsgebieten und für Ärzte attraktive Regionen gegenüber

Im Ärzteatlas 2016 (berücksichtigter Datenstand März bis August 2015) stellt das Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) fest, dass die Versorgungsdichte von Vertragsärzten in Deutschland von 1991 bis 2015 um rund 50 Prozent und seit 2010 um 12 Prozent zugenommen hat. Bei den niedergelassenen Ärzten liegen die Arztzahlen – rechnerisch – um fast ein Drittel über dem ‘Soll‘.

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Hoffnung für an Alzheimer erkrankte

12.08.2016/EG aus dem Deutschen Ärzteblatt, Köln

Ärzteblatt: Gedächtnisverlust konnte bei Mäusen aufgehoben werden

Das Ärzteblatt meldet, dass es dem Team um den Biowissenschaftler Dr. David Brough, University of Manchester, gelungen sei, den Gedächtnisverlust und die Entzündung im Gehirn von Mäusen vollständig zu beheben. aerzteblatt.de

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Sind Kuhmilch und Rindfleisch gesundheitsschädlich?

03.08.2016/EG aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt am Main

Autorin Diana von Kopp interviewte den Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, Professor Harald zur Hausen, zur Korrelation von Milch- und Fleischkonsum und Krebsartenfaz.net

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Folgen ständiger Erreichbarkeit

27.07.2016/EG aus der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA),

Wissenschaftliche Untersuchung zu potenziellen Folgen für Erholung und Gesundheit und Gestaltungsvorschläge für Unternehmen / Erreichbarkeit erhöht Arbeitsbelastung und schränkt Erholung ein

Melanie Hassler und Professorin Renate Rau von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg befragten hierfür 125 Berufstätige und Personen aus deren privatem Umfeld dazu, wie sich die berufliche Erreichbarkeit außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit auf deren Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswirkt und wie sie damit umgehen, ständig erreichbar zu sein. Die Ergebnisse dieser Interview-Studie zeigen …

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Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)

12.07.2016/EG

Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) kritisiert Ärzte für mangelnde Aufklärung über Schaden von (selbstzahlenden) individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL)

82 Prozent der Versicherten kennen Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Und jeder Zweite (52 Prozent), der die Selbstzahlerleistungen in der Arztpraxis angeboten bekommt, nimmt sie an. Drei Viertel der Patienten fühlen sich aber nicht ausreichend über Schäden informiert ─ das sind die Ergebnisse der Evaluation des IGeL-Monitors, bei der 2.149 Versicherte repräsentativ befragt worden sind, so die heutige Meldung des MDS. Die Ergebnisse und weitere Informationen lesen Sie hiermds-ev.de.

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hält es für falsch „IGeL unter Generalverdacht zu stellen“.

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TK: Eltern sind weniger krank

29.06.2016/EG aus der Techniker Krankenkasse (TK), Berlin

TK-Gesundheitsreport 2016: Kinder sind gut für die Gesundheit

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat heute in Berlin den ‘Gesundheitsreport 2016‘ vorgestellt. Danach waren Beschäftigte mit familienversicherten Kindern 2015 statistisch gesehen 2,3 Tage weniger krankgeschrieben und bekamen auch weniger Medikamente verschrieben als Beschäftigte ohne Kinder. Für den Report wertete die Krankenkasse die Krankschreibungen und Arzneimitteldaten ihrer 4,6 Millionen versicherten Erwerbspersonen aus. Im Themenschwerpunkt widmet sich der diesjährige Report der Sandwichgeneration zwischen 30 und 44 Jahren. Weiterlesentk.de

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Zunahme unnötiger Rückenoperationen

24.06.2016/EG aus der Krankenversicherung Barmer GEK, Berlin

Barmer GEK warnt vor einer Zunahme unnötiger Operationen an der Wirbelsäule

Im Zeitraum der Jahre 2006 bis 2014 habe sich die Zahl der Operationen an der Wirbelsäule bundesweit auf gut 780.000 verdoppelt, so die Barmer GEK. Zudem sei die Zahl der Barmer GEK-versicherten Patientinnen und Patienten, die sich ein bis zwei Jahre nach einer Rückenoperation einem erneuten Eingriff unterziehen mussten und eine Wirbelversteifung erhielten, in der Zeit von 2006 bis 2013 um 137 Prozent gestiegen. Darauf wies der Verwaltungsrat der Kasse bei seiner heutigen Sitzung in Rostock hin. „Nicht jede Operation ist medizinisch sinnvoll, mitunter bringt sie für die Betroffenen viel Leid mit sich. Wir raten den Patientinnen und Patienten dringend, vor Operationen eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen“, so die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Barmer GEK, Ute Engelmann.

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Ausgaben für Arzneimittel könnten deutlich gesenkt werden

14.06.2016/EG aus der Barmer GEK, Berlin

Barmer GEK Arzneimittelreport 2016: Arzneimittelkosten könnten in den nächsten Jahren um über 800 Millionen Euro – pro Jahr – gesenkt werden

Nach Angaben des heute in Berlin vorgestellten ‘BARMER GEK Arzneimittelreport 2016‘ könnten allein in den Jahren 2017 bis 2021, ohne großen Aufwand, mehr als 4,2 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eingespart werden. Das Potenzial, überflüssige Mehrausgaben zu verhindern, liegt nach Angaben der BARMER GEK in den sogenannten Biosimilars, Nachahmerprodukten der biotechnologisch hergestellten Arzneimittel (Biologika). Weiterlesen↗barmer-gek.de

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Krankheitsbedingte Fehlzeiten

13.06.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Risikofaktoren: Lebenskrise, Leistungsdruck, Schichtarbeit, ständige Erreichbarkeit, Termindruck

Rückenschmerzen und Depressionen sind die häufigsten Gründe für berufliche Fehlzeiten in Deutschland. Allein auf die Diagnose Rückenschmerzen entfielen 2014 rund 31,4 Millionen Tage, an denen Beschäftigte arbeitsunfähig waren, wie aus der Antwort (18/8587) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (18/8442) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervorgeht. Auf Platz zwei der Einzeldiagnosen liegt die sogenannte Depressive Episode mit rund 23,5 Millionen Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage).

Zu den 20 häufigsten Diagnosen, die zu Fehlzeiten führten, gehörten 2014 auch Infektionen der Atemwege mit rund 20,6 Millionen AU-Tagen sowie Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen mit rund 11,9 Millionen AU-Tagen. Hierbei geht es zum Beispiel um Krankheiten, Todesfälle, Trennungen oder Konflikte, die zu einer Lebenskrise führen.

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Deutliche Preissteigerungen bei Medikamenten

02.06.2016/EG aus dem Wissenschaftliches Institut der PKW (WIP), Köln

WIP-Studie: Ausgaben für Arzneimittel wachsen im Zeitraum 2011 bis 2014 in der PKV um 12,4 Prozent und in der GKV um 14,0 Prozent

Die Autoren der Studie identifizieren den maßgeblichen Anteil, an der Entwicklung der Ausgaben, an den hohen Preisen neuer Medikamente. Für Privatversicherte lag der durchschnittliche Packungspreis eines neuen 2014er Präparates bei 1.526 Euro (+ 40,4 Prozent gegenüber 2013). Vor allem Medikamente zur Behandlung von Hepatitis-C, Multipler Sklerose und Krebserkrankungen haben zu diesem Anstieg beigetragen. Eine Analyse des Reimportgeschäftes verdeutlicht allerdings, dass dies keineswegs ein nationales Phänomen darstellt, sondern dass auch international das Preisniveau neuer Medikamente hoch ist.

Die Studie ’Arzneimittelversorgung der Privatversicherten 2014‘ mit interessanten Vergleichsdaten der PKV und GKV lesen Sie hier↗wip-pkv.de.

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Lücken im Transplantationsregister

01.06.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Experten kritisieren unausgereifte Datenerfassung im Gesetz zur Errichtung eines zentralen Transplantationsregisters

Gesundheitsexperten befürworten die Errichtung eines zentralen Transplantationsregisters, befürchten jedoch, das Projekt könnte durch eine lückenhafte Datenerfassung gefährdet werden. Auch der Bundesrat verweist auf diese Schwachstelle. Dem Gesetzentwurf (18/8209) der Bundesregierung zufolge dürfen die Daten der Organempfänger und der lebenden Organspender nur dann an das Zentralregister übermittelt und dort dauerhaft gespeichert werden, wenn Spender und Empfänger vorher eingewilligt haben. Sachverständige halten diese Regelung für verfehlt, wie am Mittwoch eine öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss ergab und auch aus den schriftlichen Stellungnahmen der Experten deutlich wird. Weiterlesenbundestag.de

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Richtlinie für importierte menschliche Gewebe

31.05.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2015/566 und (EU) 2015/565 zur Einfuhr und zur Kodierung menschlicher Gewebe und Gewebezubereitungen

Für importierte menschliche Gewebe und sogenannte Gewebezubereitungen sollen künftig innerhalb der Europäischen Union einheitlich hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards gelten. Zudem soll sichergestellt sein, dass Gewebespenden vom Spender zum Empfänger und umgekehrt zurückverfolgt werden können. Das sieht ein Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/8580) vor, mit dem zwei EU-Richtlinien (EU2015/565 und 2015/566) umgesetzt werden sollen.

In einer Einfuhrrichtlinie geregelt sind Verfahren zur Prüfung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards bei menschlichen Geweben und Zellen, die in die EU eingeführt werden. Daneben geht es in einer Kodierungsrichtlinie um technische Vorschriften für die Kodierung menschlicher Gewebe und Zellen.

Mit der Einfuhrrichtlinie werden nach Angaben der Regierung detaillierte technische Verfahrensvorschriften für die Einfuhr menschlicher Gewebe und Zellen oder von Gewebezubereitungen in die EU geschaffen. Enthalten seien Regelungen zur Einfuhrerlaubnis, zur EU-einheitlichen Bescheinigung über die Einfuhrerlaubnis und zu Inspektionen von importierenden Gewebeeinrichtungen sowie zu Lieferanten aus Drittstaaten.

Ziel der Kodierungsrichtlinie sei die Schaffung eines verpflichtenden Einheitlichen Europäischen Codes („Single European Code“ SEC), um die Rückverfolgung vom Spender zum Empfänger und umgekehrt zu erleichtern. Die Europäische Kommission wird nach Aussage der Regierung dazu eine öffentlich zugängliche EU-Kodierungsplattform mit einem Gewebeeinrichtungenregister und einem Produktregister zur Verfügung stellen.

Das Gesetz sieht den Angaben zufolge Erleichterungen für Gewebezubereitungen zur unmittelbaren Anwendung sowie für hämatopoetische Stammzellen aus dem Knochenmark, dem peripheren Blut und dem Nabelschnurblut vor.

Aus dem Gesetzentwurf ergeben sich Änderungen im Arzneimittelgesetz (AMG), im Transplantationsgesetz (TPG), im Transfusionsgesetz (TFG), in der Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung (AMWHV) sowie in der TPG-Gewebeverordnung (TPG-GewV).

Bei Gewebe und Gewebezubereitungen handelt es sich zum Beispiel um Herzklappen, Gefäße, Augenhornhaut, Haut oder Knorpelgewebe.

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Rauchen kostet Frauen zehn Lebensjahre

31.05.2016/EG aus dem Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Raucherinnen sterben durchschnittlich 10,4 Jahre früher

Durchschnittlich 70,9 Jahre alt wurden Frauen, die im Jahr 2014 an Krebserkrankungen verstorben sind, welche in Zusammenhang mit dem Konsum von Tabakprodukten gebracht werden können. Dies sind 10,4 Jahre weniger als das durchschnittliche Sterbealter aller verstorbenen Frauen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des heutigen Weltnichtrauchertages weiter mitteilt, ist die Zahl der an den Folgen des Rauchens verstorbenen Frauen in den letzten zehn Jahren von 11.870 (2005) um circa 33 % auf 15.748 (2014) angestiegen. Neben Lungen- und Bronchialkrebs zählen auch Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs zu den Folgeerkrankungen des Rauchens. Allein die bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge verursachte im Jahr 2014 bei Frauen 15.513 Sterbefälle und ist damit deren siebthäufigste Todesursache.

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Elf krankmachende Arbeitsbedingungen

25.05.2016/EG aus dem BKK Dachverband, Berlin

Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) identifiziert elf Arbeitsbedingungen, die Krankheiten fördern können

Die zentrale Frage, ob es psychische Belastungen gibt, die nachweislich das Risiko erhöhen, zu erkranken, untersuchte ein Forschungsprojekt der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). Durch umfangreiche Studienauswertungen und die systematische Zusammenfassung von Metaanalysen gelang es dem Forscherteam um Prof. Renate Rau, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, elf Arbeitsbedingungen zu identifizieren, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden sind:

  • hohe Arbeitsintensität,
  • geringer Handlungsspielraum,
  • geringe soziale Unterstützung,
  • hoher job strain (die Kombination von geringem Handlungsspielraum und hoher Arbeitsintensität),
  • iso-strain (die Kombination von geringem Handlungsspielraum und hoher Arbeitsintensität bei zugleich geringer sozialer Unterstützung),
  • effort-reward-imbalance (Ungleichgewicht zwischen erlebter beruflich geforderter Leistung und dafür erhaltener Belohnung/Wertschätzung),
  • Überstunden,
  • Schichtarbeit (gesundheitsgefährdend sind vor allem Abend- und Nachtschichten),
  • Rollenstress,
  • aggressives Verhalten am Arbeitsplatz,
  • Arbeitsplatzunsicherheit.

In der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) kooperieren gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung. Ziel der Initiative ist es, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren durch Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung vorzubeugen. Getragen wird iga vom BKK Dachverband e.V., der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem AOK-Bundesverband und dem Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek). www.iga-info.de

Der BKK Dachverband ist die Interessenvertretung von 83 Betriebskrankenkassen und vier BKK Landesverbände mit rund zehn Millionen Versicherten. Die Mitgliedskassen repräsentieren rund 70 Prozent aller gesetzlichen Krankenkassen (118 Kassen am 1.1.2016).

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Ökonomisierung bedroht ärztliche Profession

23.05.2016/EG aus dem Ärzteverband Marburger Bund, Hamburg/Berlin

Hauptversammlung Marburger Bund: Der Ökonomisierung entgegentreten

Zwölf Jahre nach der Einführung des Fallpauschalensystems (G-DRG) als Abrechnungsgrundlage in den Krankenhäusern sieht der Marburger Bund mit großer Sorge die negativen Folgen dieses Systems. „Das G-DRG-System setzt Anreize zur Fallzahlsteigerung und zu sachkostenintensiven Prozeduren. Der systembedingte Konkurrenzkampf der Krankenhäuser untereinander führt zu einer permanenten ökonomischen Wachstumsstrategie bei gleichzeitigem Kostensenkungswettbewerb zu Lasten der Beschäftigten“, heißt es in einem Beschluss der 129. Hauptversammlung des größten deutschen Ärzteverbands. Insbesondere im Bereich der Pflege seien Stellen abgebaut worden. Unter dem Diktat der Effizienzsteigerung werde die persönliche Zuwendung zum Patienten als idealistische Wunschvorstellung bagatellisiert. Gleichzeitig bedrohe die Ökonomisierung die ärztliche Profession in ihrer Autonomie, kritisierten die Delegierten.

„Nicht nur explizite Regelungen in ärztlichen Arbeitsverträgen, auch impliziter Druck durch Benchmarking oder Kopplung von Stellenbesetzungen an Fallzahlsteigerung setzen Ärztinnen und Ärzte unter Druck, ihre ärztlichen Entscheidungen nicht mehr ausschließlich am Wohl der Patientinnen und Patienten, sondern auch an ökonomischen Vorgaben auszurichten. Ärztliche Tätigkeit wird reduziert auf das Erbringen einer medizinischen Leistung“, heißt es in dem Beschluss. Die Hauptversammlung des Marburger Bundes forderte den Gesetzgeber auf, sich zur Sicherstellung der flächendeckenden und bedarfsgerechten stationären Versorgung als einer staatlichen Pflichtaufgabe zu bekennen. Hierzu gehöre die Krankenhausplanung mit strukturellen und personellen Vorgaben sowie deren Finanzierung. Das G-DRG-System oder analoge Abrechnungssysteme (z. B. PEPP) dürften nicht länger alleinige Abrechnungsgrundlage sein.

Der Marburger Bund begrüßt, dass der Deutsche Ethikrat mit seiner Stellungnahme „Patientenwohl als ethischer Maßstab für das Krankenhaus“ die Notwendigkeit einer individuellen Behandlung und Betreuung der Patienten in das Zentrum seiner Betrachtungen gestellt hat und damit einen klaren Kontrapunkt zu den Ökonomisierungstendenzen im Gesundheitswesen setzt. Besonders hervorzuheben sei die Empfehlung des Rates, eine bessere Kommunikation im Krankenhaus sicherzustellen und den dafür notwendigen zeitlichen und organisatorischen Aufwand bei den Vorgaben für die Vergütung innerhalb des DRG-Systems entsprechend zu berücksichtigen. Mit Nachdruck unterstützt der Marburger Bund die Forderung des Rates, die gesetzlichen Dokumentationspflichten im Krankenhaus zu vereinfachen, um mehr Zeit für die Patientenversorgung zu gewinnen. Die Mitgliederbefragungen des Marburger Bundes zeigen seit Jahren, dass die ausufernde Bürokratie Ärztinnen und Ärzten Zeit nimmt, die sie für eine den individuellen Bedürfnissen der Patienten gerecht werdende Behandlung dringend brauchen.

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Kliniken: Auslastung mit pathologischer Tendenz zur Überlastung

17.05.2016/EG aus der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Berlin

Befragung von ‘ver.di‘ in 295 Krankenhäusern: Rund 36 Mio. Überstunden in Kliniken / 32,5 Überstunden je Pflegekraft

Nach ver.di-Erhebungen werden wegen des Personalmangels pro Beschäftigten im Durchschnitt vier Überstunden im Voraus in die Dienstpläne eingestellt, um die Patientenversorgung aufrecht zu erhalten. Hinzu kommen zwölf unvorhersehbare Überstunden pro Beschäftigten und Monat. Das bedeutet, dass die Pflegekräfte zehn Prozent ihrer Arbeitszeit Monat für Monat zu einem nicht planbaren Zeitpunkt erbringen müssen.

Überstunden werden folglich systematisch eingeplant. Ohne das zusätzliche Engagement des Pflegepersonals würde das System Krankenhaus nicht mehr funktionieren. In der Altenpflege ist die Situation ähnlich schlecht. Um Überstunden dauerhaft zu vermeiden, seien laut ‘ver.di‘ 17.800 zusätzliche Stellen in den Krankenhäusern notwendig.

Situation der Klinikärzte (Quelle: Marburger Bund):

Fast die Hälfte der Klinikärzte (46 Prozent) arbeitet 49 bis 59 Stunden und jeder Fünfte (21 Prozent) 60 bis 79 Stunden pro Woche im Durchschnitt. Bei mehr als jedem vierten Arzt werden die Überstunden weder vergütet noch mit Freizeit ausgeglichen. Weiterlesenmarburger-bund.de

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Tipps für den Grillgenuss

08.05.2016/EG aus der Verbraucherzentrale Bayern, München

Falsches Grillen kann gesundheitliche Risiken erhöhen

Wenn Fleischsaft oder Fett in die Glut tropfen und verbrennen, bilden sich Krebs erregende Stoffe, die sich mit dem aufsteigenden Rauch am Grillgut ablagern. Es empfiehlt sich, Grillschalen zu benutzen, damit kein Fett in die Glut gelangt. Außerdem sollten Grillfreunde darauf verzichten, ihr Grillgut ständig mit Marinade einzupinseln oder mit Bier zu bespritzen. Auch ist es ratsam, verkohlte Stellen an gegrilltem Fleisch, Gemüse oder Obst zu schmähen. Weitere Tipps für den Grillgenuss lesen Sie hierverbraucherzentrale-bayern.de.

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Zentrales Transplantationsregister geplant

26.04.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Neues Gesetz soll transplantationsmedizinische Daten zur nötigen Transparenz verhelfen

Mit der Errichtung eines bundesweiten Transplantationsregisters soll die Organspendenpraxis in Deutschland transparenter werden. Der entsprechende Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/8209) liegt jetzt dem Bundestag zur Beratung vor. Das Gesetz bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates. Es soll in diesem Jahr in Kraft treten.

In dem Register sollen transplantationsmedizinische Daten zentral gebündelt werden. Die Novelle soll dazu beitragen, die transplantationsmedizinische Versorgung in Deutschland zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Derzeit werden die Daten zur Transplantationsmedizin dezentral gespeichert. Während des Verfahrens werden nach unterschiedlichen Vorgaben Daten zum Organspender, zum Spenderorgan, zum Organempfänger, zum Vermittlungsverfahren sowie zur Transplantation, Behandlung und Nachsorge des Empfängers und des lebenden Spenders gespeichert. Mit dem neuen Gesetz sollen diese Daten nun an einer Stelle zusammengeführt und überprüft werden.

Das Transplantationsregister soll künftig etwa Informationen darüber geben, welches Spenderorgan zu welchem Empfänger am besten passt und damit auch dazu beitragen, die Kriterien für Wartelisten und die Verteilung der Spenderorgane weiterzuentwickeln.

In einer unabhängigen Vertrauensstelle werden die personenbezogenen Daten pseudonymisiert, bevor sie an das Register gehen. Die Transplantationsregisterstelle und die Vertrauensstelle werden vom Datenschutzbeauftragten kontrolliert. Die Daten verstorbener Organspender werden im Register dauerhaft gespeichert. Die Daten der Empfänger und der lebenden Organspender dürfen nur dann übermittelt dauerhaft gespeichert werden, wenn Spender und Empfänger vorher eingewilligt haben.

Derzeit warten mehr als 10.000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan, wobei die gespendeten Organe bei weiten nicht ausreichen, um allen Patienten zu helfen. Nach Skandalen mit manipulierten Wartelisten an einigen deutschen Kliniken soll mit dem Gesetz auch das Vertrauen in die Organspende wieder gestärkt werden. Infolge der Skandale war seit 2012 die Zahl der Organspender deutlich zurückgegangen.

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Sterbeort Krankenhaus

18.04.2016/EG aus der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

Auffällige Unterschiede bei im Krankenhaus Verstorbenen

Schwerkranke und sterbende Menschen benötigen besondere Zuwendung, Versorgung und Pflege. Wie ein Mensch am Lebensende versorgt wird und ob seinem Wunsch entsprochen werden kann, hängt auch vom Wohnort ab. Bei den palliativmedizinischen Angebotsstrukturen zeigen sich nämlich erhebliche regionale Unterschiede – von Bundesland zu Bundesland, aber auch zwischen den 402 Stadt- und Landkreisen.

Die interaktive Karte zeigt den Anteil der im Krankenhaus Verstorbenen bzw. die Bedeutung des Krankhauses als Sterbeort, an allen Verstorbenen in einem Alter von 65 und mehr Jahren, auf Kreisebene. Auffällig in Bayern: In der Stadt Landshut liegt der Anteil der Im Krankenhaus Verstorbenen bei 59 Prozent, im Landkreis Landshut dagegen bei 39 Prozent.

Zur interaktiven Karten gelangen Sie hierfaktencheck-gesundheit.de.

Datengrundlage sind Auswertungen des Statistischen Bundesamtes. Die Daten sind Durchschnittswerte der Jahre 2011 bis 2013 und beziehen sich auf den Wohnortkreis der Verstorbenen. Sie wurden direkt standardisiert an den Verstorbenen des Jahres 2013 Bund nach Altersgruppen und Geschlecht.

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Diskussion über den pauschalierten Fall

14.04.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Fallpauschalen in Kliniken: Experten beklagen – meist sachlich – fehlende Investitionen und Personal

Die Krankenhausfinanzierung muss nach Ansicht von Gesundheitsexperten ungeachtet der jüngsten gesetzlichen Strukturreform weiterentwickelt werden. Anlässlich einer öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss, gestern in Berlin, über einen Antrag der Fraktion Die Linke (18/6326) beklagten Experten, auch in ihren schriftlichen Stellungnahmen, vor allem ausbleibende Investitionen der zuständigen Länder in die Häuser sowie das fehlende Pflegepersonal.

Umstritten sind die im Jahr 2003 eingeführten Fallpauschalen, mit denen stationäre Krankenhausbehandlungen abgerechnet werden. Mehrere Experten warnten nachdrücklich vor einer Rückkehr zum Prinzip der Selbstkostendeckung. Dies würde zu Intransparenz und unkalkulierbaren Kosten führen. Weiterlesenbundestag.de

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Diagnose Parkinson in 14 Jahren verdoppelt

11.04.2016/EG aus dem Bayerischen Landesamt für Statistik, München

Bayerischen Landesamt für Statistik: Zahl der stationären Krankenhausbehandlungen mit der Hauptdiagnose Parkinson in den letzten 14 Jahren mehr als verdoppelt

Im Jahr 2014 wurden in den bayerischen Krankenhäusern 6.779 stationäre Behandlungen von Patienten mit Parkinson als Hauptdiagnose durchgeführt. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt, waren das 8,7 Prozent mehr als im Vorjahr und rund 108 Prozent mehr als vor 14 Jahren. In rund 74 Prozent der stationären Behandlungsfälle waren die Patienten 70 Jahre oder älter. Männer waren mit 59,0 Prozent der Fälle häufiger wegen Parkinson betroffen als Frauen. Weiterlesenstatistik.bayern.de

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Ethikrat fordert Patientenwohl als Maßstab

05.04.2016/EG aus dem Deutschen Ethikrat, Berlin

Ethikrat legt 29 Empfehlungen zur Verankerung und Gewährleistung der Patientenwohlorientierung in der Krankenhausversorgung vor

Die Krankenhausversorgung ist seit Jahrzehnten Gegenstand kontroverser politischer Debatten. Sie entzünden sich etwa an der allgemeinen Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, an Innovationen in der Medizin, an veränderten Erwartungshaltungen der Patienten und an der demografischen Entwicklung. Der zunehmende ökonomische Druck, insbesondere auch auf den Krankenhaussektor, wirft zunehmend Fragen nach dem leitenden normativen Maßstab der Krankenhausversorgung auf.

Als maßgebliches ethisches Leitprinzip stellt der Deutsche Ethikrat das Patientenwohl in den Mittelpunkt seiner Stellungnahme. Drei Kriterien bestimmen das Patientenwohl:

  • die selbstbestimmungsermöglichende Sorge für den Patienten,
  • die gute Behandlungsqualität sowie
  • Zugangs- und Verteilungsgerechtigkeit.

Mit Blick auf diese drei Kriterien ergeben sich unterschiedliche Konfliktfelder. Diese betreffen vor allem die schwindenden Möglichkeiten einer angemessenen Kommunikation in der Arzt-Patient-, Pflegende-Patient- und Therapeut-Patient-Beziehung sowie die zunehmende Schwierigkeit für die im Krankenhaus Tätigen, ihre berufsethischen Pflichten umzusetzen. Zudem erweist es sich insbesondere mit Blick auf Patientengruppen mit besonderen Bedarfen als zunehmend problematisch, für sie einen gleichen Zugang zu Krankenhausleistungen und eine gerechte Verteilung der Ressourcen sicherzustellen. Dies betrifft Kinder und Jugendliche, Patienten in hohem Lebensalter, Patienten mit geriatrietypischen Erkrankungen, mit Demenz, mit Behinderung und Patienten mit Migrationshintergrund.

Empfehlungen zur Verankerung und Gewährleistung der Patientenwohlorientierung in der Krankenhausversorgung

Zunächst empfiehlt der Ethikrat, eine bessere Kommunikation im Krankenhaus sicherzustellen. Dazu gehört die Förderung der kommunikativen und interkulturellen Kompetenz aller im Krankenhaus Tätigen. Diesbezüglich sollten Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote entwickelt werden. Zudem sollte der zeitliche und organisatorische Aufwand bei den Vorgaben für die Vergütung innerhalb des DRG-Systems berücksichtigt werden. Dies betrifft sowohl die Kommunikation mit Patienten als auch die interprofessionelle Kommunikation.

Des Weiteren sollte die Situation der Pflege im Krankenhaus nachhaltig verbessert werden. Unter anderem sollten Pflegepersonalschlüssel in Abhängigkeit von Stations- und Bereichsgrößen für Krankenhäuser entwickelt und die Voraussetzungen für eine personale Kontinuität in der Pflege der Patienten geschaffen werden.

Zur Weiterentwicklung des DRG-Systems empfiehlt der Ethikrat, Fehlanreizen entgegenzuwirken, die dem Patientenwohl entgegenstehen, z. B. indem sie eine vorzeitige oder verzögerte Entlassung oder Verlegung eines Patienten nahelegen. So sollte bei multimorbiden Patienten die Abrechnung von zwei und mehr DRGs für einen Krankenhausaufenthalt ermöglicht werden. Für hochaltrige Patienten, Patienten mit seltenen Erkrankungen oder Patienten mit besonderen Verhaltensauffälligkeiten sollten neue Vereinbarungsmöglichkeiten für Zusatzentgelte geschaffen werden. Zur Vermeidung unnötiger Eingriffe und Prozeduren sollten Vergütungsmodelle entwickelt und geprüft werden, in denen auch die begründete Unterlassung etwaiger Maßnahmen ihren Niederschlag findet.

Zum Ausbau qualitätssichernder Strukturen sollte ein Programm des Bundes die Einrichtung multidisziplinärer Zentren fördern, die sich an bestimmten Krankheitsbildern orientieren.

Die Dokumentationspflichten sollten vereinfacht werden, um mehr Zeit für die Patientenversorgung zu gewinnen. Hierzu sollten unter anderem Modelle mit digitaler Unterstützung entwickelt und erprobt werden.

Zur besseren Krankenhausversorgung für Patientengruppen mit besonderen Bedarfen empfiehlt der Ethikrat unter anderem, kinderspezifische DRGs einzuführen bzw. die Kindermedizin vom DRG-Abrechnungssystem zu entkoppeln. Für Menschen mit Behinderung sollten im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention Krankenhäuser barrierefrei gestaltet und Bedingungen geschaffen werden, die ihren besonderen Belangen gerecht werden. Außerdem sollte allen Menschen mit Behinderung der Zugang zur Leistung zusätzlicher Assistenzpflege im Krankenhaus ermöglicht werden. Für Patienten mit Demenz sollten demenzsensible Versorgungsstrukturen gefördert werden.

Darüber hinaus schlägt der Deutsche Ethikrat vor, transparente Kriterien für eine primär am Patientenwohl ausgerichtete Krankenhausplanung zu entwickeln. Auch wird empfohlen, bundeseinheitliche Standards für die Krankenhausplanung einzuführen und die Schnittstellenproblematik zwischen stationärem und ambulantem Sektor erneut unter dem besonderen Aspekt des Patientenwohls systematisch zu analysieren und zu evaluieren.

Der vollständige Text der Stellungnahme lesen Sie hier↗ethikrat.org.

Deutscher Ethikrat

Der Deutsche Ethikrat besteht aus 26 Mitgliedern, die naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Belange in besonderer Weise repräsentieren. Zu seinen Mitgliedern gehören Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den genannten Wissenschaftsgebieten; darüber hinaus gehören ihm anerkannte Personen an, die in besonderer Weise mit ethischen Fragen der Lebenswissenschaften vertraut sind. Der Deutsche Ethikrat erarbeitet seine Stellungnahmen auf Grund eigenen Entschlusses, im Auftrag des Deutschen Bundestags oder im Auftrag der Bundesregierung. Er leitet seine Stellungnahmen dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung vor der Veröffentlichung zur Kenntnis zu.

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Gesundheit am sozialen Status erkennbar?

21.03.2016/EG aus dem Robert Koch Institut (RKI), Berlin

RKI mit einem Beitrag zur gesundheitlichen Ungleichheit im höheren Lebensalter

Die Auswirkungen von Armut und sozialer Ungleichheit auf die Gesundheit und Lebenserwartung stellen ein zentrales Thema von ‚Public Health‘ und Gesundheitspolitik dar. Bereits im Kindes- und Jugendalter zeichnet sich der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Gesundheit ab. Im mittleren Lebensalter ist die gesundheitliche Ungleichheit abhängig vom sozialen Status stark ausgeprägt. Die aktuelle Ausgabe von GBE kompakt widmet sich der Frage, ob auch nach dem Alter von 65 Jahren soziale Unterschiede in der Gesundheit und der ferneren Lebenserwartung bestehen. Aktuelle Daten der RKI-Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) zeigen, dass die Gruppe der 65-jährigen und älteren Personen mit niedrigem Sozialstatus häufiger einen beeinträchtigten allgemeinen Gesundheitszustand und gesundheitsbedingte Einschränkungen bei der Alltagsgestaltung aufweist. Weiterlesenrki.de

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Schmerzmittel: Paracetamol zeigt bei Arthrose wenig Wirkung

19.03.2016/EG aus dem Ärzteblatt, Köln

Analyse zur Wirkung von Schmerzmitteln bei Knie- und Hüftarthrose: Paracetamol ist laut Auswertung der Universität Bern bei Arthrosepatienten fast wirkungslos

Laut Ärzteblatt wertete die Universität Bern die Daten von 74 Studien mit über 58.000 Patienten, über Therapien zu Schmerzreduktion und Verbesserung der Bewegungseinschränkung, aus. Im Ergebnis wies der Wirkstoff Paracetamol die niedrigsten Effektwerte auf. Die beste schmerzlindernde Wirkung wurde demnach mit dem Wirkstoff Diclofenac erzielt. Weiterlesenaerzteblatt.de

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PKV wird überbewertet

17.03.2016/EG aus dem Ökonomieblog ‚flassbeck-economics‘, Wolfersweiler

Gesundheitsökonom Hartmut Reiners mit einem Beitrag über die ideologischen Irrungen beim Thema ‚Private Krankenversicherung‘ (PKV)

„Für marktliberale Ökonomen müsste das PKV- System eigentlich ein ordnungspolitisches Ärgernis sein, weil es keinen Wettbewerb um Versicherte kennt. Dennoch entdecken einige von ihnen im dualen System von gesetzlicher und privater Krankenversicherung einen auch den Kassenpatienten zugutekommenden Effekt. Die PKV übe mir ihrer „Innovationsoffenheit“ Druck auf die GKV aus, ohne den ihr Versorgungsniveau niedriger wäre, so Volker Ulrich (Universität Bayreuth). Boris Augurzky (Universität Duisburg-Essen) und Stefan Felder (Universität Basel) sehen das genauso: „Die Existenz der PKV sichert der Gesamtheit aller gesetzlich Versicherten einen Krankenversicherungsschutz auf hohem Niveau.“ Dieses Postulat ist reines Wunschdenken und hat mit der Realität nichts zu tun.“ Weiterlesenflassbeck-economics.de

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Erkrankungen nach Geschlecht

16.03.2016/EG aus der Krankenkasse DAK, Hamburg

DAK-Gesundheitsreport 2016: Jeder Zweite legte im Jahr 2015 eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor / Kontinuierlicher Anstieg wegen psychischer Erkrankungen sowie Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems / Jede vierte Frau war – wegen einer Erkrankung des Kindes – genötigt sich selbst krank zu melden

Die aktuelle Studie der DAK-Gesundheit untersucht erstmals umfassend die Geschlechterunterschiede bei krankheitsbedingten Ausfalltagen und ihren Ursachen. Für die Analyse hat die Kasse den Krankenstand von rund 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Außerdem wurden mehr als 5.000 Frauen und Männer im Alter von 18 und 65 Jahren durch das Forsa-Institut repräsentativ befragt und zahlreiche Experten eingebunden.

Die Untersuchung der Erkrankungen zeigt, dass Männer eine um 65 Prozent höhere Ausfallquote wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen als Frauen. Zwischen 45 und 64 Jahren erkrankt fast jeder zehnte Mann an einer koronaren Herzerkrankung. Bei Verletzungen hatten Männer fast doppelt so viele Fehltage. Gründe sind hier zum einen die höhere Risikobereitschaft sowie andere Tätigkeiten im Beruf.

Frauen fehlten hingegen deutlich öfter wegen psychischer Erkrankungen als Männer (67 Prozent mehr Fehltage). Vor allem von Depressionen waren sie weit häufiger betroffen.

Der größte Geschlechterunterschied beim Krankenstand zeigt sich laut DAK-Gesundheitsreport bei Krebserkrankungen (74 Prozent mehr Fehltage bei Frauen). Insgesamt ist das Risiko an Krebs zu erkranken bei Frauen und Männern zwar gleich. Krebs trifft Männer jedoch meist im höheren Alter – ab etwa 60 Jahren. Prostatakrebs ist bei ihnen am weitesten verbreitet. Bei Frauen tritt vor allem Brustkrebs auf – der aber meist schon im Erwerbsleben.

Die Analyse der DAK-Gesundheit zeigt außerdem, dass Frauen oft in Berufen arbeiten, in denen sie mit offensichtlichen Krankheitssymptomen, wie beispielsweise einer starken Erkältung, nicht zur Arbeit gehen können. Mehr als jede zweite Frau gab dies an (53 Prozent), aber nur 45 Prozent der Männer. Auch tragen Frauen immer noch einen großen Anteil bei der Betreuung kranker Kinder: Mehr als jede vierte Frau (27 Prozent) sagte, dass sie sich bei einer Erkrankung des Kindes selbst krankgemeldet hat, weil sie sich nicht anders zu helfen wusste. Bei den Männern waren es nur 17,5 Prozent.

Darüber hinaus gingen Frauen, wenn sie krank sind, häufig trotzdem zur Arbeit (zwölf Prozent) – betrieben also Präsentismus. 67 Prozent der Frauen gaben an, mindestens einmal im Jahr krank zur Arbeit gegangen zu sein. Bei den Männern waren es 60 Prozent. Als Hauptgrund wurde von Frauen genannt, dass sie Kollegen nicht hängen lassen wollten (86 Prozent). Jede zweite Frau sagte, dass Kunden oder Patienten darunter leiden, wenn sie sich krankmelden würde.

Den kompletten DAK-Gesundheitsreport 2016 lesen Sie hier↗dak.de.

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Prostatakarzinom: Betroffene zur Teilnahme an Studie gesucht

14.03.2016/EG aus der Deutschen Krebshilfe, Bonn

Prostatakrebs-Studie ‚PREFERE‘ soll Therapieoptionen verbessern

Die PREFERE-Studie ist die weltweit größte Studie zum lokal begrenzten Prostatakarzinom. Erstmalig werden alle in Frage kommenden Therapieoptionen in einer prospektiven randomisierten Studie miteinander verglichen. In die PREFERE-Studie sollen über einen Zeitraum von vier Jahren insgesamt 7.600 Patienten eingeschlossen werden. Die Teilnehmer werden über einen Zeitraum von mindestens 13 Jahren bis zum Studienende nachbeobachtet.

Die Studie wird von einem breiten Bündnis getragen: Bei PREFERE arbeiten die Deutsche Krebshilfe, die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, die Deutsche Gesellschaft für Urologie, der Berufsverband Deutscher Urologen, die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie, die Deutsche Krebsgesellschaft und der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe zusammen.

PREFERE-Studie können Männer teilnehmen, bei denen der Prostatakrebs kürzlich festgestellt worden und bei denen die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten ist. Teilnehmen können nur Männer, bei denen noch keine Behandlung des Prostatakrebses stattgefunden hat. Weiterlesen↗prefere.de

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Ärzte mit Nebenverdienst bei Arzneimittelhersteller

11.03.2016/EG aus dem Medium ‚CORRECTIV‘, Essen

Journalisten von Correctiv, Norddeutscher Rundfunk, Süddeutsche Zeitung und Westdeutscher Rundfunk berichten über für Pharmakonzerne ‚forschende‘ Ärzte:

„Pharmakonzerne bezahlen Ärzte dafür, dass sie beobachten, wie gut ihre Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen. Wissenschaftlich sind diese „Anwendungsbeobachtungen“ wertlos. Doch Ärzte bekommen dafür im Schnitt 669 Euro – pro Patient. Eine neue CORRECTIV-Datenbank zeigt erstmals, welches Ausmaß die umstrittenen Studien erreicht haben – und welche Präparate vor allem in den Markt gedrückt werden.“ Weiterlesencorrectiv.org

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Gesundheitsausgaben 2014

08.03.2016/EG aus dem Statistischen Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Gesundheitsausgaben im Jahr 2014 bei 328 Milliarden Euro (+ 4,2 Prozent gegenüber 2013)

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 328 Milliarden Euro für Gesundheit in Deutschland ausgegeben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, bedeutet dies einen Anstieg von 13,3 Milliarden Euro oder 4,2 % gegenüber dem Jahr 2013. Auf jeden Einwohner entfielen 4050 Euro (2013: 3 902 Euro). Der Anteil der Gesundheitsausgaben. am Bruttoinlandsprodukt lag 2014 bei 11,2 %. Gegenüber dem Jahr 2013 blieb der Wert damit unverändert.

Die gesetzliche Krankenversicherung war 2014 der größte Ausgabenträger im Gesundheitswesen. Ihre Ausgaben beliefen sich auf 191,8 Milliarden Euro und lagen somit um 10,1 Milliarden Euro oder 5,6 % über den Ausgaben des Vorjahres. Der von der gesetzlichen Krankenversicherung getragene Ausgabenanteil erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozentpunkte auf 58,5 %. Der Anteil des Ausgabenträgers private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck sank leicht auf 13,2 % (2013: 13,5 %). Auf diesen Ausgabenträger entfielen 43,2 Milliarden Euro im Jahr 2014, das war ein Zuwachs von 600 Millionen Euro oder 1,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der privaten Krankenversicherung war mit 8,9 % ebenfalls leicht rückläufig (2013: 9,2 %). Auf sie entfielen 29,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 200 Millionen Euro oder 0,8 % im Vergleich zum Vorjahr.

Die Ausgaben für Güter und Dienstleistungen im ambulanten Bereich machten 2014 mit 163,5 Milliarden Euro fast die Hälfte der Ausgaben aus (49,8 %). Gegenüber dem Vorjahr erhöhten sie sich überdurchschnittlich um 5,2 %. Die stärksten Anstiege gab es in den ambulanten Pflegeeinrichtungen mit + 7,8 % auf 13,3 Milliarden Euro, in den Apotheken mit + 7,0 % auf 44,7 Milliarden sowie beim Gesundheitshandwerk/Einzelhandel mit + 6,7 % auf 18,9 Milliarden Euro.

Auf den (teil-)stationären Sektor entfielen 37,6 % der gesamten Gesundheitsausgaben. Hier stiegen die Ausgaben um 4,7 Milliarden Euro oder 4,0 % auf 123,4 Milliarden Euro. Die wichtigsten (teil-)stationären Einrichtungen waren die Krankenhäuser (+ 4,3 % auf 85,9 Milliarden Euro), gefolgt von den Einrichtungen der (teil-)stationären Pflege (+ 3,2 % auf 28,5 Milliarden Euro). Die Ausgaben in den Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen betrugen 9,0 Milliarden Euro (+ 3,4 %).

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Statistische Lebenserwartung

04.03.2016/EG aus dem Statistischen Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Destatis: Lebenserwartung im bundesdurchschnitt für neugeborene Jungen 78,1 Jahre (in Bayern 78,9 Jahre), für Mädchen neugeborene 83,1 Jahre (in Bayern 83,5 Jahre)

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter an: Sie beträgt nach der auf die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse bezogenen Periodensterbetafel 2012/2014 für neugeborene Jungen 78 Jahre und 2 Monate, für neugeborene Mädchen 83 Jahre und 1 Monat. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat sich die Lebenserwartung Neugeborener in den letzten zehn Jahren damit bei den Jungen um 2 Jahre und 3 Monate, bei den Mädchen um 1 Jahr und 6 Monate im Vergleich zur Sterbetafel 2002/2004 erhöht.

Auch für ältere Menschen hat die Lebenserwartung weiter zugenommen. Nach der Sterbetafel 2012/2014 beläuft sich zum Beispiel die noch verbleibende Lebenserwartung – die sogenannte fernere Lebenserwartung – von 65-jährigen Männern mittlerweile auf 17 Jahre und 8 Monate. Für 65-jährige Frauen ergeben sich statistisch gesehen fast 21 weitere Lebensjahre. Das entspricht einem Anstieg um 1 Jahr und 5 Monate bei den Männern beziehungsweise 1 Jahr und 2 Monate bei den Frauen innerhalb von zehn Jahren.

Auf der Ebene der einzelnen Bundesländer haben nach den Ergebnissen der Sterbetafeln 2012/2014 Männer in Baden-Württemberg mit 79 Jahren und 5 Monaten sowie dort lebende Frauen mit fast 84 Jahren jeweils die höchste Lebenserwartung bei Geburt. Die niedrigsten Werte weisen mit 76 Jahren und 2 Monaten Männer in Sachsen-Anhalt sowie mit 82 Jahren und 2 Monaten Frauen im Saarland auf.

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3,25 Millionen Menschen leiden an chronischem Schmerz

25.02.2016/EG aus der Barmer GEK Versicherung, Berlin

Barmer GEK Arztreport 2016: Für die ambulante medizinische Betreuung ihrer Versicherten zahlten die Krankenkassen im Jahr 2014 durchschnittlich 523 Euro (+ 3,5 Prozent gegenüber 2013)

In der ambulanten medizinischen Versorgung chronischer Schmerzpatienten hat die Zahl der betroffenen Patienten in den Jahren 2008 bis 2014 kontinuierlich zugenommen, von 0,59 Prozent auf 0,81 Prozent. Demnach wurden in Deutschland im Jahr 2014 rund 655.000 Personen wegen chronischer Schmerzen ambulant behandelt. Dabei steigt die Betroffenheit mit dem Alter an, bis auf einen kurzen Knick nach dem Erreichen des Rentenalters. Am stärksten genutzt wird die ambulante Versorgung von Männern im Alter zwischen 80 und 84 Jahren und Frauen zwischen 75 und 79 Jahren. Die an der Versorgung chronischer Schmerzpatienten beteiligten 1142 Ärzte verteilen sich regional unterschiedlich. In Niedersachsen ergaben sich 0,54 Ärzte je 100.000 Einwohner, in Bremen rund 2,6 (siehe ab Seite 218).

Innerhalb des Jahres 2014 hatten nach geschlechts- und altersstandardisierten Auswertungen von Barmer GEK Daten 92,9 Prozent der Bevölkerung Kontakt zur ambulanten ärztlichen Versorgung. Im Vergleich zum Vorjahr 2013, in dem die Behandlungsrate in Folge der ausgeprägten Grippe- und Erkältungswelle noch etwas höher lag, war damit ein leichter Rückgang zu verzeichnen (siehe ab Seite 48).

Die sogenannten U-Untersuchungen U1 bis U9 für Kinder erfreuen sich nach wie vor einer regen Nutzung. So wurden die U3 bis U7 bundesweit bei etwa 93 bis 97 Prozent der dazu berechtigten Kinder im Alter zwischen der vierten und fünften Lebenswoche bzw. dem 21. bis 24. Lebensmonat genutzt. Auch die relativ neue U7a, die erst im Jahr 2008 eingeführt wurde, wurde mit 89,7 Prozent deutlich besser genutzt als in den Anfangsjahren (ab Seite 129).

Krebsfrüherkennungsuntersuchungen werden nach wie vor von Frauen deutlich häufiger beansprucht. 58 Prozent der Frauen zwischen 20 und 45 Jahren haben sie genutzt. Mit zunehmendem Alter sinkt jedoch bei ihnen die Bereitschaft, daran teilzunehmen. Ab einem Alter von 75 Jahren liegt sie unter 40 Prozent. Nach Hochrechnung der Barmer GEK Daten hatten 41 Prozent aller Frauen in Deutschland (in absoluten Zahlen: 16,93 Millionen) im Jahr 2014 eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Von den Männern nahmen 11,7 Prozent beziehungsweise 4,65 Millionen an einer solchen Untersuchung teil (siehe ab Seite 121).

Den kompletten Arztreport 2016 lesen Sie hier↗barmer-gek.de.

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Qualität in der Prävention

08.02.2016/EG aus dem BKK Dachverband e.V. und dem Verband der Ersatzkassen (vdek), Berlin

BKK Dachverband: Zentrale Prüfstelle Prävention garantiert Qualität in der Prävention / Über 1,3 Millionen Zugriffe auf Präventionskursdatenbank pro Monat

Die Zentrale Prüfstelle Prävention setzt zunehmend Maßstäbe für Qualität. Bereits nahezu 130.000 Präventionskurse hat die Einrichtung seit ihrer Gründung am 1. Januar 2014 auf Qualität geprüft. Rund 1.700 Kurse und Anbieter zeichnet die Prüfstelle monatlich mit dem Qualitätssiegel ‚Deutscher Standard Prävention‘ aus – Tendenz steigend. Damit hat das Siegel Qualitätsstandards gesetzt. Für rund 60 Millionen GKV-Versicherte wächst unterdessen kontinuierlich die Auswahl an Kursen in der Präventionskursdatenbank, die die hohen Qualitätsanforderungen der beteiligten gesetzlichen Krankenkassen und die gesetzlichen Vorgaben erfüllen – vom Rückentraining über Ernährungskurse bis zur Tabakentwöhnung. Vor allem im Bereich der fernöstlichen Entspannungsmethoden (Yoga, Tai Chi und Qigong) nahm das Angebot zuletzt deutlich zu.

„Die Zentrale Prüfstelle Prävention garantiert den Qualitätsstandard für unsere Versicherten und macht ihn transparent, auch immer mehr Kursleiter erkennen die Vorteile des neuen Prüfverfahrens: Mit nur einem unbürokratischen Antrag können sie die Zulassung ihres Präventionskurses für alle beteiligten Krankenkassen erhalten. Damit erreichen die Anbieter bis zu 88 Prozent aller GKV-Versicherten direkt“, erklärte im Namen der Kooperationsgemeinschaft Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des federführenden Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek). Die Zertifizierung dauert maximal zehn Tage und ist für die Anbieter kostenlos. „Wir arbeiten laufend daran, das ohnehin einfache Antragsverfahren nutzerfreundlich weiterzuentwickeln“, so Elsner weiter. Erst im April 2015 hatte die Prüfstelle die Zertifizierung von standardisierten Kurskonzepten ermöglicht. Anbieter können sich seitdem für ein bereits zugelassenes Konzept zertifizieren lassen, was den einzelnen Prüfantrag deutlich einfacher macht.

Großer Gewinner sind letztlich die Versicherten der beteiligten Krankenkassen: Bis zu zwei Kurse werden jährlich von den Kassen pro Versicherten bezuschusst. In der Regel tragen die Krankenkassen 80 Prozent der Kosten, manche auch bis zu 100 Prozent. Über die Internetseiten ihrer Krankenkasse können sich die Versicherten unkompliziert über die zertifizierten Präventionsangebote in ihrer Nähe informieren. Die zahlreichen Angebote umfassen die Bereiche ‚Bewegung‘, ‚Ernährung‘, ‚Stressreduktion/Entspannung‘ und ‚Suchtmittelkonsum‘.

Hintergrund:

Die Zentrale Prüfstelle Prävention ist eine Gemeinschaftseinrichtung von gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Die Einrichtung prüft in deren Auftrag Präventionskurse nach Vorgaben des ‚Leitfadens Prävention‘ des GKV-Spitzenverbandes. Finanziert und verantwortet wird die Prüfstelle von Techniker Krankenkasse (TK), BARMER GEK, DAK-Gesundheit, KKH Kaufmännische Krankenkasse, HEK – Hanseatische Krankenkasse, Handelskrankenkasse (hkk), vertreten durch den Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), den Betriebskrankenkassen, überwiegend vertreten durch den BKK Dachverband, der AOK Bayern, der AOK Rheinland/Hamburg, der AOK Nordost, der AOK NordWest, der AOK Niedersachen, der AOK Sachsen-Anhalt, der AOK-Hessen, der IKK classic, der IKK Südwest, der IKK Brandenburg und Berlin, der BIG direkt gesund, der Knappschaft und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

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Tabakrichtlinie auch für nikotinfreie E-Zigaretten gültig

08.02.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Gesundheitsschädliche Wirkung geht auch von nikotinfreien E-Zigaretten aus

Aus Sicht des Bundesrates ist die Einbeziehung von nikotinfreien E-Zigaretten in die Regelungen zu E-Zigaretten bei der Umsetzung der EU-Tabakprodukt-Richtlinie 2014/40/EU in deutsches Recht dringend notwendig. In einer Unterrichtung (18/7452) der Bundesregierung zur Stellungnahme der Länderkammer zum Gesetzentwurf zur Umsetzung der Richtlinie über Tabakerzeugnisse und verwandte Erzeugnisse (18/7218) führt der Bundesrat aus, dass nikotinfreie E-Zigaretten nach wissenschaftlicher Bewertung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) sowie nach Auffassung des Deutschen Krebsforschungsinstitutes gesundheitsschädliche Wirkungen hätten. Durch das Aerosol würden gefährliche Substanzen aufgenommen, die als krebsauslösend gelten oder die zell- oder gewebeschädigende Eigenschaften haben. In ihrer Gegenäußerung stimmt die Bundesregierung der Einbeziehung von nikotinfreien E-Zigaretten in den Gesetzentwurf zu. Dieser sieht darüber hinaus vor, dass in Zukunft zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigaretten-und Drehtabakpackungen für Warnbilder und zusätzliche Hinweise bedruckt werden sollen. Neben den neuen Text-Bild-Warnhinweisen soll auch das Überdecken des Tabakgeschmacks durch Aromen unterbunden werden. Um Fälschungen vorzubeugen, sollen Verpackungen künftig ein individuelles Erkennungs- sowie ein fälschungssicheres Sicherheitsmerkmal tragen.

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Weltkrebstag

04.02.2016/EG aus dem Statistischen Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Destatis: 2014 starben 224 Tausend Menschen in Deutschland an einer Krebserkrankung

Am 4. Februar ist Weltkrebstag. An diesem Tag steht die Behandlung, Erforschung und Vorbeugung von Krebserkrankungen im Blickpunkt. In Deutschland starben 2014 rund 224 Tsd. Menschen an Krebs. Bei Frauen stellte Brustkrebs eine der häufigsten Krebstodesursachen dar (18 Tsd. Gestorbene).

Die meisten der an Brustkrebs verstorbenen Frauen erlagen der Erkrankung im höheren Alter: 2014 waren 63 % von ihnen 70 Jahre oder älter – 2005 waren es noch 53 % gewesen. Die Zahl der Brustkrebs-Sterbefälle hat sich in diesem Zeitraum dagegen kaum verändert.

Zum Thema

Die aktuellen Daten zu den Krebserkrankungen lesen Sie im Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch Insitututskrebsdaten.de.

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Steigende Ausgaben für Heilmittel

25.01.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Ausgaben für Heilmittel steigen zwischen 2010 und 2014 um 23,4 Prozent / In den ersten drei Quartalen 2015 um 7,4 Prozent

Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Heilmittel sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (18/7283) auf eine Kleine Anfrage (18/7161) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Einkommenssituation der Heilmittelerbringer schreibt, kletterten die Ausgaben zwischen 2010 und 2014 von 4,61 Milliarden Euro auf 5,69 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs um gut 23,4 Prozent.

In den ersten drei Quartalen 2015 zeichne sich mit einem Anstieg der Heilmittelausgaben um 7,4 Prozent ein weiterer deutlicher Ausgabenzuwachs ab. Allein auf die Physikalische Therapie und Physiotherapie entfielen den Angaben zufolge 2014 Ausgaben in Höhe von knapp 3,88 Milliarden Euro, ein Anstieg seit 2010 um 23 Prozent. Bei der Ergotherapie (Therapie gegen eingeschränkte Handlungsfähigkeit) lagen die Ausgaben 2014 bei 827 Millionen Euro (+ 24 Prozent seit 2010), bei der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie waren es 639 Millionen Euro (+ 14 Prozent seit 2010), bei der Podologie (Fußbehandlung) 153 Millionen Euro (+ 56 Prozent seit 2010).

Als Folge des 2015 beschlossenen Versorgungsstärkungsgesetzes werde die Vergütung für Heilmittelleistungen bis 2021 über die regulären Anpassungen hinaus um schätzungsweise 70 bis 80 Millionen Euro im Jahr steigen, heißt es in der Antwort weiter.

Die Heilmittelerbringer erwirtschafteten darüber hinaus auch über die Private Krankenversicherung (PKV) sowie die gesetzliche Unfallversicherung weitere Umsätze. Demnach stiegen die Ausgaben in der PKV für Heilmittelleistungen von rund 800 Millionen Euro 2010 auf rund 921 Millionen Euro 2014 oder rund 15,1 Prozent.

Jedoch werde der deutliche Anstieg der Vergütungssummen durch die zunehmende Zahl der Leistungserbringer relativiert. So waren im Jahr 2000 bundesweit 125.000 Physiotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister registriert, 2013 waren es 222.000, heißt es unter Berufung auf das Statistische Bundesamt.

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Jede zweite OP an Patienten ab 60 Jahre

22.01.2016/EG aus dem Bayerischen Landesamt für Statistik, München

Bayerischen Landesamt für Statistik: Knapp 8,3 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren (+ 4,4 Prozent gegenüber 2013) im Jahr 2014 durchgeführt

In den bayerischen Krankenhäusern wurden im Jahr 2014 knapp 8,3 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren bei den aus vollstationärer Behandlung entlassenen Patienten im DRG-Entgeltbereich (Diagnosis Related Groups) durchgeführt. Das DRG-Entgelt bezeichnet dabei das pauschalierte Abrechnungsverfahren nach diagnosebezogenen Fallgruppen. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik waren das rund 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der Krankenhausfälle – also die behandelten Personen –, bei denen eine Operation oder medizinische Prozedur durchgeführt wurde, stieg im gleichen Zeitraum dagegen nur um 2,8 Prozent. Bei 38,6 Prozent (rund 1,1 Millionen) aller vollstationär behandelten Patienten wurde ein chirurgischer Eingriff durchgeführt.

Im Jahr 2014 wurden in den bayerischen Krankenhäusern knapp 8,3 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren bei den vollstationär behandelten Patienten durchgeführt, was einem Anstieg dieser Maßnahmen von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (rund 7,9 Millionen) entsprach. Die Anzahl der behandelten Patienten, also der sogenannten Krankenhausfälle, bei denen eine Operation oder medizinische Prozedur durchgeführt wurde, stieg dagegen nur um 2,8 Prozent von nahezu 2,3 Millionen im Jahr 2013 auf rund 2,4 Millionen im Jahr 2014.

Nahezu ein Drittel der im Jahr 2014 durchgeführten Maßnahmen waren Operationen (rund 2,6 Millionen), gefolgt von nichtoperativen therapeutischen Maßnahmen mit einem Anteil von 25,1 Prozent (rund 2,1 Millionen), bildgebende Diagnostik mit 20,8 Prozent (1,7 Millionen) und diagnostische Maßnahmen mit 18,3 Prozent (1,5 Millionen). Der Rest verteilte sich auf ergänzende Maßnahmen und die Verabreichung spezieller Medikamente.

Von den rund 2,9 Millionen stationären Patienten wurden bei etwa 1,1 Millionen (38,6 Prozent) eine Operation gemäß dem Kapitel 5 des OPS durchgeführt. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik weiter mitteilt, wurden 50,1 Prozent der Operationen an Patienten, die 60 Jahre oder älter waren vorgenommen.

Zu den häufigsten Operationen der über 60-Jährigen gehörten andere Operationen am Darm, endoskopische Operationen an den Gallengängen, Zugang zur Lendenwirbelsäule, zum Kreuzbein und zum Steißbein, die Implantation einer Endoprothese am Hüftgelenk und andere Operationen an der Wirbelsäule.

Arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken, arthroskopische Refixationen und Plastiken am Kapselbandapparat des Schultergelenkes und arthroskopische Operationen an der Synovialis (Gelenkkapsel). wurden vor allem bei den 45- bis unter 60-Jährigen durchgeführt.

In der Altersgruppe der 15- bis 44-Jährigen standen die beiden am meisten durchgeführten Operationen in Zusammenhang mit Entbindungen, wie die Rekonstruktion weiblicher Geschlechtsorgane nach Dammriss und andere Kaiserschnittentbindungen, an dritter Stelle dann Operationen an der unteren Nasenmuschel.

Bei Kindern bis 14 Jahren gehörten die geschlossene Reposition einer Fraktur, das Einschneiden des Trommelfells zur Eröffnung der Paukenhöhle sowie Entfernung der Rachenmandeln zu den am meisten durchgeführten Operationen.

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16.000 unnötige Knie-Operationen pro Jahr?

20.01.2016/EG aus der Barmer GEK, Berlin

Barmer GEK: Jeder dritte Patient verzichtet auf Knie-Operation dank der Zweitmeinung

Jede zehnte von jährlich 160.000 Knie-Operationen in Deutschland ist überflüssig. Die Barmer GEK will ihren Versicherten deshalb mehr Sicherheit bieten, bevor sie sich zu einem Eingriff entschließen, und zwar durch die Zweitmeinung eines Spezialisten.

Dazu hat die Barmer GEK Verträge mit ausgewählten Spezialisten abgeschlossen, die die Betroffenen über den Teledoktor der Kasse kontaktieren können. „Vor allem jüngere Patienten sollten vor einer komplizierten Knie-Operation eine Zweitmeinung einholen, um einen übereilten oder fehlerhaften Eingriff zu vermeiden. Bislang hat etwa jeder dritte Patient, der sich eine Zweitmeinung eingeholt hat, auf eine Knie-Operation verzichtet“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK.

Teledoktor vermittelt bei Bedarf an den Knie-Spezialisten

Vor einem Eingriff können sich die Versicherten erst beim Barmer GEK Teledoktor, der der Schweigepflicht unterliegt, beraten lassen. Bei Bedarf vermittelt der Teledoktor den Patienten zu einem renommierten Knie-Spezialisten. Dies erfolgt etwa nach Rissen des vorderen Kreuzbandes mit Begleitverletzungen wie Meniskus- und Knorpelschäden und bei kindlichen Knieverletzungen. Der Knie-Experte ermöglicht in der Regel binnen 14 Tagen den Zweitmeinungstermin, sichtet bisherige Befunde und Therapieempfehlungen und berät den Betroffenen über Behandlungsoptionen.

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Organspende: Verhaltene Spendebereitschaft

19.01.2016/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Zahl der Organspender war im Jahr 2014 nochmals rückläufig

Wie aus einer Unterrichtung der Bundesregierung (18/7269) über die Entwicklungen in der Transplantationsmedizin hervorgeht, wurden 2014 insgesamt 864 postmortale Organspender registriert im Vergleich zu 876 im Jahr davor. Das entspricht einem Rückgang um rund 1,4 Prozent.

In den ersten drei Quartalen 2015 war ein ansteigender Trend zu beobachten. Die Zahl der Organspender lag bei 672 im Vergleich zu 649 im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Zuwachs von 3,5 Prozent.

2014 wurden den Angaben zufolge insgesamt 2.989 Organe postmortal gespendet, 46 Organe oder 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Am häufigsten wurden Nieren (1.481) gespendet, gefolgt von Leber (763), Lunge (330) und Herz (294). In den ersten drei Quartalen 2015 lag die Zahl der gespendeten Organe bei 2.245. Für 2015 zeichne sich nach einer Hochrechnung der Stiftung Eurotransplant (ET) eine ähnliche Zahl an Transplantationen wie 2014 ab.

Im Oktober 2015 standen nach Angaben der Stiftung noch 10.243 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan im Vergleich zu 10.537 im August 2014. Die meisten Patienten warten auf eine Nierentransplantation.

Als ein Grund für die geringere Spendenbereitschaft wird der Organspendeskandal angesehen, der im Sommer 2012 bekannt wurde. So waren an mehreren Kliniken in Deutschland Daten manipuliert worden, um Patienten bei der Vergabe von Spenderorganen zu bevorzugen. Seither ging die Zahl der Organspender deutlich zurück.

Nach wie vor liege die Zahl der gespendeten Organe unter dem Niveau von 2012, als der Skandal bekannt wurde. Es zeige sich jedoch, dass die 2012 und 2013 ergriffenen Reformen zu wirken begännen, heißt es im Bericht. Auch im aktuellen Berichtszeitraum habe die Prüfungs- und die Überwachungskommission Unregelmäßigkeiten an einigen deutschen Transplantationszentren aufgedeckt, die jedoch alle aus den Jahren 2010 bis 2012 stammten und damit zeitlich vor den gesetzlichen Neuregelungen gelegen hätten.

Nach einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2014 stehen den Angaben zufolge 80 Prozent der Befragten einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. 71 Prozent sind demnach grundsätzlich einverstanden, dass ihnen nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnommen werden.

Noch in dieser Legislaturperiode sollen die rechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung und den Betrieb eines Transplantationsregisters geschaffen werden. In dem bundesweiten Register sollen künftig alle relevanten Daten zum Thema Transplantation zusammengeführt werden. Ein solcher Gesetzentwurf werde derzeit erarbeitet.

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Prostatakrebs: Proteinveränderung stoppt Entwicklung

13.01.2016/EG aus dem Universitätsklinikum Freiburg

Universitätsklinikum Freiburg: Aktuelle Studien-Erkenntnisse könnten neue Klasse von Prostatakrebs-Medikamenten ermöglichen / Prophylaxe gegen besonders aggressive Krebsform denkbar / Studie in Nature Structural & Molecular Biology

Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern in Deutschland. Männliche Geschlechtshormone wie Testosteron beeinflussen die Genaktivität der Zellen maßgeblich und halten so den Tumor am Leben. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg haben jetzt einen wesentlichen Teil dieser Hormonsteuerung entschlüsselt. Im Fachjournal Nature Structural & Molecular Biology zeigen sie, dass die für das Krebswachstum verantwortlichen Hormone den Tumor nicht mehr steuern können, wenn dem Protein LSD1 eine winzige Molekülgruppe fehlt. Außerdem entwickeln sich die Zellen dann nicht mehr zu einer besonders aggressiven Krebsform weiter, wie sie bei etwa zwei Drittel aller Betroffenen festgestellt wird. Die Erkenntnisse könnten eine neue Klasse von Prostatakrebs-Medikamenten ermöglichen. Weiterlesenuniklinik-freiburg.de

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Facharzttermin

12.01.2016/EG aus der Verbraucherzentrale Bayern, München

Bei besorgniserregenden Beschwerden helfen ab 25. Januar neue Terminservicestellen, einen Facharzttermin zu bekommen / Länger als vier Wochen darf es – in der Regel – nicht dauern

Akute Gelenkschmerzen, Herzbeschwerden oder plötzliche Sehstörungen: Zur Abklärung ernsthafter Symptome mussten Patienten bisher oft Monate auf einen Termin beim Facharzt warten. Ist eine dringende Untersuchung vonnöten, erhalten gesetzlich Krankenversicherte ab 25. Januar über einen Service der Kassenärztlichen Vereinigungen einen zeitnahen Termin bei einem Orthopäden, Kardiologen oder Neurologen. Die Vermittlungshilfe für einen schnellen Termin beim Facharzt gibt‘s jedoch nur bei besorgniserregenden Beschwerden. Und so soll die Terminvergabe künftig funktionieren: Weiterlesen↗verbraucherzentrale-bayern.de

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Sport schützt

10.01.2016/EG aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Dr. Kristina Norman, Medizinwissenschaftlerin in der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité: „Bei den Männern, die nur in jungen Jahren oder erst kurz vor der Untersuchung trainiert hatten, zeigte sich im Vergleich zu Männern, die nie Sport getrieben haben, kein messbarer Effekt auf die Muskelmasse oder die Greifkraft.“

Männer, die seit dem jungen Erwachsenenalter kontinuierlich Sport treiben, leiden im Alter seltener an einem Rückgang der Muskelmasse, der sogenannten Sarkopenie. Das haben Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) herausgefunden. Die Ergebnisse der aktuellen Studie sind in der Fachzeitschrift Journals of Gerontology* veröffentlicht. Weiterlesencharite.de

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Qualifikation von Heilberufen vor Anerkennung in der EU

16.12.2015/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Gesundheitsausschuss des Bundestages billigt eine EU-Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen bei Heilberufen

Einstimmig hat der Gesundheitsausschuss des Bundestages eine EU-Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen gebilligt. Dem Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/6616) zur Umsetzung der Richtlinie stimmten heute alle Fraktionen zu.

Die EU-Richlinie trat bereits am 17. Januar 2014 in Kraft und muss bis zum 18. Januar 2016 in nationales Recht umgesetzt werden. Der vorliegende Gesetzentwurf soll am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden. Es geht um die erleichterte EU-weite Anerkennung von Qualifikationen in Heilberufen.

Teil der Novelle ist ein Europäischer Berufsausweis, der das herkömmliche Anerkennungsverfahren und die Anerkennungsentscheidung ersetzt. Ferner ermöglicht die Neuregelung einen „partiellen Berufszugang“, wenn sich die jeweiligen Berufsbilder und Ausbildungsgänge in den EU-Staaten unterscheiden.

Das Gesetz beinhaltet auch einen Vorwarnmechanismus in Fällen, wo nationale Behörden bestimmten Berufsangehörigen die Ausübung ihrer Tätigkeit ganz, teilweise oder vorübergehend verboten haben. In solchen Fällen müssen die zuständigen Behörden aller EU-Länder unterrichtet werden.

Das gilt für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Hebammen, Gesundheits- und Krankenpfleger oder andere Berufsangehörige mit Auswirkungen auf die Patientensicherheit. Die Regelung umfasst auch Informationspflichten bei der Verwendung gefälschter Berufsqualifikationsnachweise.

Der Bundesrat hatte einige Änderungsvorschläge gemacht, jedoch werden solche EU-Vorlagen üblicherweise Eins-zu-Eins umgesetzt.

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Bessere Prognose nach brusterhaltender Operation

15.12.2015/EG aus dem Deutschen Ärzteblatt, Köln

Ärzteblatt: Brusterhaltende Operation hat bessere Prognose als Mastektomie (Entfernung der Brust)

„Brustkrebspatientinnen, die sich im Frühstadium für eine brusterhaltende Operation entscheiden, haben möglicherweise eine bessere Überlebenschance als nach einer Mastektomie. Dies zeigt eine Auswertung des niederländischen Krebsregisters, die auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium der American Association for Cancer Research vorgestellt wurde. Der Grund könnte die zusätzliche Radiotherapie sein, die bei einer brusterhaltenden Operation als zwingend notwendig erachtet wird.“ Weiterlesenaerzteblatt.de

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Hebammen: Streit um Kosten zur Haftpflichtversicherung

14.12.2015/EG aus dem Deutschen Hebammenverband (DHV), Karlsruhe, und dem GKV-Spitzenverband, Bonn

DHV: GKV-Spitzenverband verweigert Hebammen gesetzlich verbrieften Haftpflichtausgleich
GKV: Hebammenverband verweigert Einigung auf einfaches Formular für Ausgleich bei Haftpflichtversicherung

DHV: Keine geburtshilflich tätige Hebamme bekommt aktuell noch einen finanziellen Ausgleich für ihre Haftpflichtkosten. Der GKV-Spitzenverband hat das bisherige System des Haftpflichtausgleichs für freiberufliche Hebammen abgeschafft. Diesem Antrag hat die Schiedsstelle stattgegeben trotz der wiederholten Einwände des Deutschen Hebammenverbands (DHV). Aktuelle Entwicklungen verschlimmern diese Situation jetzt noch weiter: Den Sicherstellungszuschlag, der künftig diesen Ausgleich für alle geburtshilflich tätigen Hebammen bieten soll, kann nach den aktuellen Vorschlägen des GKV-Spitzenverbands kaum eine Hebamme beantragen! Damit müssen freiberufliche Hebammen ihre Haftpflichtkosten selbst tragen. Derzeit liegen diese bei 6.274 Euro für die freiberufliche Geburtshilfe. Im Juli steigen sie erneut auf über 6.800 Euro jährliche Prämie.
Der DHV vertritt nach eigenen Angaben über 19.000 Mitglieder.

GKV: Der GKV-Spitzenverband und die Hebammenverbände haben sich bei Gesprächen Anfang Dezember im Nachgang zum aktuellen Schiedsspruch noch nicht einmal auf ein einfaches Antragsformular für den Ausgleich der gestiegenen Haftpflichtversicherungskosten verständigen können. Der GKV-Spitzenverband bedauert dies sehr. Um den Hebammen mit Geburtshilfe dennoch ein reibungsloses und unbürokratisches Ausgleichsverfahren zu ermöglichen, wird er bis Ende des Jahres ein entsprechendes Antragsformular mit Erläuterungen anbieten. Geplant ist, den Haftpflichtkostenausgleich über ein elektronisches datenbankunterstütztes Verfahren zu berechnen und anzuweisen.

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AOK Bayern erhöht Beitrag

08.12.2015/EG aus der AOK Bayern, München

AOK Bayern erhöht den Zusatzbeitrag ab 01. Januar 2016 um 22,2 Prozent auf 1,1 Prozent

Die Versicherten der AOK Bayern sollen im kommenden Jahr von einer ganzen Reihe neuer und erweiterter Leistungen profitieren. „Die zusätzlichen Ausgaben insbesondere für die vom Gesetzgeber bereits beschlossenen Leistungen und für die voraussichtliche Erhöhung der Vergütungen von Krankenhäusern, Ärzten und allen weiteren Vertragspartnern sowie für Arzneimittel werden rund 230 Millionen Euro über den erhöhten Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds liegen“, sagt Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern. Die Finanzierung der Deckungslücke soll daher die bundesweite Anhebung des Zusatzbeitrags zum 01. Januar 2016 von derzeit 0,9 Prozent auf 1,1 Prozent erfolgen.

Die AOK Bayern versichert rund 4,3 Millionen Menschen. Der Haushaltsplan 2016 sieht Ausgaben von über 14 Milliarden Euro vor. Die größten Ausgabenblöcke sind, nach Angaben der AOK Bayern, Krankenhausbehandlungen, Ärztliche Behandlungen und Arzneimittel. Darauf entfallen rund 70 Prozent der Leistungsausgaben. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung erhöhten sich seit 2010 um 22 Prozent, die Ausgaben für Arzneimittel um 18 Prozent.

Der im Januar 2015 eingeführte Zusatzbeitrag wird von jeder gesetzlichen Krankenkasse individuell festgelegt. Dieser zusätzliche Versicherungsbeitrag wird ausschließlich von den Mitgliedern (beitragszahlenden Versicherten) getragen. Einen Überblick über die Zusatzbeiträge von allen gesetzlichen Krankenkassen sehen Sie hiergkv-spitzenverband.de.

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Gesundheitsbericht: Höheres Einkommen = höhere Lebenserwartung

04.12.2015/EG aus dem Robert Koch-Institut (RKI), Berlin

Einkommen beeinflusst Lebenserwartung um 11 Jahre / Mittlere Lebenserwartung in Deutschland: Frauen 82,7 Jahre / Männer 77,7 Jahre

Gesundheit und Versorgung in Deutschland werden von zwei großen Entwicklungen bestimmt: dem demografischen Wandel und dem starken Einfluss der sozialen Lage auf die Gesundheit. So haben zum Beispiel Männer mit hohem Einkommen eine um elf Jahre höhere Lebenserwartung als Männer mit sehr niedrigem Einkommen.

Der Bericht stellt weiter fest, dass nichtübertragbare, chronische Krankheiten das Krankheitsgeschehen dominieren. So hat die Zahl der bekannten Diabeteserkrankungen seit 1998 zugenommen, ein Drittel dieses Anstiegs wird auf die demografische Alterung zurückgeführt. Bei 7,2 % der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren (rund 4,6 Millionen) wurde ein Diabetes mellitus diagnostiziert, bei 2% der Erwachsenen (1,3 Millionen) besteht ein unerkannter Diabetes mellitus. Zusammen mit der Altersgruppe der über 80-Jährigen ergibt dies in etwa eine Gesamtzahl von 6,7 Millionen Personen mit einem bekannten oder unerkannten Diabetes mellitus in Deutschland.

Die wichtigsten Ergebnisse des ‚Gesundheitsberichtes in Deutschland 2015‘ lesen Sie hierrki.de.

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Gesetz soll Jugendliche vor E-Rauch-Konsum schützen

02.12.2015/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Entwurf eines Gesetzes zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Gefahren des Konsums von elektronischen Zigaretten und elektronischen Shishas

Die Abgabe und der Konsum von elektronischen Zigaretten und Shishas an und durch Jugendliche sollen verboten werden. Dies sieht ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor, mit dem die Abgabe- und Konsumverbote für Tabakwaren im Jugendschutzgesetz und im Jugendarbeitsschutzgesetz auf elektronische Zigaretten und Shishas ausgeweitet werden sollen.

Die Bundesregierung verweist in ihrer Gesetzesbegründung auf die Gesundheitsrisiken des Sucht- und Nervengiftes Nikotin, das auch beim Konsum von elektrischen Zigaretten und Shishas mit Nikotinlösung eingeatmet werde. Auch der Konsum von nikotinfreien elektronischen Zigaretten und Shishas sei gesundheitsgefährdend, da beim Verdampfen der verwendeten Flüssigkeiten karzinogene Stoffe entstünden.

Laut einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2014 hat bereits jeder fünfte Minderjährige in der Altersgruppe zwischen zwölf und 17 Jahren schon einmal eine Shisha und jeder siebte eine elektronische Zigarette probiert.

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Der freie Gesundheitsmarkt

27.11.2015/EG aus dem Beratungsunternehmen A.T. Kearney GmbH, Düsseldorf

A.T. Kearney Studie analysiert Zukunftstrends im Markt für nichtverschreibungspflichtige Medikamente und was diese für Selbstzahler und Industrie bedeuten

Die weltweite A.T. Kearney Untersuchung ‚Catching the Consumer Health Growth Wave‘ zeigt, dass im Selbstzahlermarkt der Gesundheitsbranche neue Segmente mit viel Wachstumspotenzial entstehen: … „Wenn sich Konsumgüterunternehmen wie Nestlé und Technologieunternehmen wie Apple oder Google mit ihrem Zugriff auf Massendaten intensiv an der Entwicklung von Gesundheitslösungen beteiligen, entstehen mit rasanter Dynamik ganz neue Segmente, die mit der heutigen Produktwelt nur noch wenig gemeinsam haben“, beschreibt Oliver Scheel die Ergebnisse der Untersuchung. „Bereits heute zeichnet sich ab, dass die neuen Segmente extrem viel Potenzial eröffnen: neue Entwicklungsfelder mit guten Wachstumschancen für die Unternehmen, die sich wie Pfizer hierfür positionieren, mehr Autonomie für die Kunden.“ Weiterlesen↗atkearney.de

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Barmer GEK Pflegereport 2015: Zahl der Pflegebedürftigen steigt stärker als erwartet

18.11.2015/EG aus der Barmer GEK, Berlin

Anteil der Pflegebedürftigen in Pflegestufe I von 46,3 Prozent im Jahr 1999 auf 56,1 Prozent im Jahr 2013 gestiegen / Anteile in Pflegestufe III nahmen von 14,5 Prozent auf 11,9 Prozent und in Pflegestufe II von 39,2 auf 32,0 Prozent ab / Abnehmende ‚Pflegelast‘ je Pflegebedürftigen

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt stärker als bisher vorausgesagt. Im Jahr 2060 werden geschätzt 4,52 Millionen Menschen gepflegt werden. Das sind 221.000 mehr, als bisherige Prognosen erwarten ließen. Den größten Anteil daran werden pflegebedürftige Männer mit 176.000 stellen. Dies geht aus dem neuen Barmer GEK Pflegereport hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde und erstmals die Effekte des Zensus 2011 in der Pflegeversicherung mit früheren Modellrechnungen vergleicht. Die Studie zeigt zugleich, dass der Anteil hochbetagter Pflegebedürftiger drastisch wachsen wird. 60 Prozent der pflegebedürftigen Männer und 70 Prozent der pflegebedürftigen Frauen werden im Jahr 2060 85 Jahre oder älter sein. Heute liegen die entsprechenden Werte bei 30 beziehungsweise 50 Prozent. „Aufgrund der drastischen Alterung der Pflegebedürftigen und ihrer steigenden Zahl sind weitere Pflegereformen vorprogrammiert“, sagte Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK. Weiterlesen↗barmer-gek.de

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Kaffeetrinker leben länger

18.11.2015/EG aus dem Deutschen Ärzteblatt, Köln

Der tägliche Genuss von bis fünf Tassen Kaffee ist in drei großen prospektiven Beobachtungsstudien mit einem verminderten Sterberisiko assoziiert. Wer dabei auf Zigaretten verzichtet, darf einer Publikation in Circulation (2015; doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.115.017341) zufolge auch bei einer höheren Tagesdosis auf einen Überlebensvorteil hoffen.

Kaffee ist das einzige Genussmittel, dem in epidemiologischen Untersuchungen immer wieder positive Auswirkungen auf die Gesundheit attestiert werden. Zu den belegten Vorteilen gehören laut Ming Ding von der Chan School of Public Health in Boston eine Schutzwirkung gegen den Typ 2-Diabetes und ein geringeres Risiko, an Leber- oder Endometriumkarzinomen zu erkranken. Prostatakrebs nimmt seltener einen tödlichen Verlauf. Weiterlesenaerzteblatt.de

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Pflegereform beschlossen

11.11.2015/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Gesundheitsausschuss des Bundestages billigt das zweite Pflegestärkungsgesetz der Bundesregierung / Gesetzentwurf (18/5926) soll am Freitag im Parlament verabschiedet werden / Wesentliche Neuregelungen werden mit Jahresbeginn 2017 wirksam

Im Mittelpunkt des Gesetzentwurfes steht der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, mit dem festgelegt wird, wer bei bestimmten Einschränkungen welche Leistungen in Anspruch nehmen kann. Künftig soll die Pflegebedürftigkeit genauer ermittelt und behandelt werden können, unabhängig davon, ob Pflegebedürftige körperliche Einschränkungen haben oder unter Demenz leiden. Dazu werden die bisher drei Pflegestufen zu fünf Pflegegraden ausgebaut.

Mit bis zu 500.000 neuen Anspruchsberechtigten wird in den nächsten Jahren gerechnet, Nachteile für Alt-Pflegefälle soll es nicht geben. Finanziert wird die Reform durch eine Anhebung des Pflegeversicherungsbeitrags um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent (2,8 Prozent für Kinderlose) zum Jahresbeginn 2017. Dann sollen insgesamt fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Pflege bereit stehen. Die Beiträge sollen sodann bis 2022 stabil bleiben.

Bei einer Anhörung des Gesundheitsausschusses Ende September hatten Experten vor Ungerechtigkeiten im Pflegealltag gewarnt. So könnten mit der neuen Pflegesystematik bestimmte Patientengruppen ab 2017 benachteiligt werden.

Im vergangenen Jahr hatte der Bundestag den ersten Teil der Pflegereform mit umfassenden Leistungsverbesserungen gebilligt.

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Aus Barmer GEK und Deutsche BKK wird Barmer

10.11.2015/EG aus der Barmer GEK, Berlin

Barmer GEK und Deutsche BKK planen Fusion im Frühjahr 2016

Die Selbstverwaltungsorgane der Barmer GEK und der Deutschen BKK haben heute in getrennten Sitzungen in Berlin eine Fusion beider Krankenkassen beschlossen. Spätestens im Frühjahr 2016 soll dazu der entsprechende Vereinigungsvertrag unterzeichnet werden. Die neue Krankenkasse, die zum 01. Januar 2017 ihre Arbeit aufnehmen soll, wird den Namen Barmer tragen. Nach heutigem Stand bringt die Barmer GEK rund 8,5 Millionen Versicherte und die Deutsche BKK rund 1,1 Millionen Versicherte in die neue Kasse ein.

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Zunehmende Arbeitsdichte belastet Ärzte

07.11.2015/EG aus dem Ärzteverband ‚Marburger Bund‘, Berlin

MB-Monitor 2015: Klinikärzte klagen über hohen Zeitdruck und gesundheitliche Beeinträchtigungen

Die berufliche Realität der Krankenhausärzte ist von hohem Zeitdruck und Arbeitsüberlastung geprägt. Deutlich mehr als die Hälfte der Klinikärzte (59%) fühlt sich durch ihre Tätigkeit „häufig psychisch belastet“. Mehr als zwei Drittel (69%) beklagen, nicht ausreichend Zeit für die Patientenbehandlung zu haben. Nahezu drei Viertel der Klinikärzte (72 Prozent) haben das Gefühl, dass die Gestaltung der Arbeitszeiten im Krankenhaus die eigene Gesundheit beeinträchtigt, z.B. in Form von Schlafstörungen und häufiger Müdigkeit. Diese Ergebnisse hat die diesjährige Mitgliederbefragung des Marburger Bundes zu Tage gefördert. Weiterlesenmarburger-bund.de

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Einsicht in Patientendaten

23.10.2015/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Datenschutzkonforme Durchführung des Umschlagverfahrens wird neu geregelt

Die Übermittlung der vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) für die Einzelfallbegutachtung benötigten personenbezogenen Daten durch die Leistungserbringer wie etwa die Vertragsärzte erläutert die Bundesregierung in ihrer Antwort (18/6413) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/6216). Wie die Regierung darin ausführt, haben die Leistungserbringer bisher die Unterlagen entweder direkt dem MDK übersandt oder auf entsprechende Anforderung der Krankenkassen aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung über die Krankenkasse an den MDK übermittelt. Hierfür sei das sogenannte Umschlagverfahren genutzt worden. Dabei würden die angeforderten Unterlagen in einem verschlossenen Umschlag mit dem Hinweis, dass die Unterlagen nur für den MDK bestimmt sind, an die Krankenkasse gesandt, die die Unterlagen ungeöffnet an den MDK weiterleite. Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) habe indes wiederholt beanstandet, dass das beschriebene Umschlagverfahren nicht eingehalten wird und Krankenkassen Kenntnis von Unterlagen erhalten, die nur für den MDK bestimmt sind.

Dies hat die Bundesregierung den Angaben zufolge aufgegriffen und in dem Gesetzentwurf zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung vorgesehen, dass neben dem MDK weiterhin auch die Krankenkasse für den MDK personenbezogene Daten beim Leistungserbringer anfordern kann, der Rücklauf mit diesen Daten künftig jedoch nur noch direkt an den MDK zu erfolgen hat. Damit werde das Umschlagverfahren beendet und sichergestellt, „dass die Krankenkasse keine Kenntnis von den für die Begutachtung durch den MDK erforderlichen und nur für diesen bestimmten Daten erhält“.

Derzeit werde zwischen dem GKV-Spitzenverband und dessen Medizinischen Dienst (MDS) sowie der BfDI unter Beteiligung des Bundesgesundheitsministeriums für Gesundheit (BMG) ein Verfahren zur Umsetzung der Neuregelung abgestimmt, heißt es in Antwort weiter. Da diese Umsetzung eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen werde und ohne eine zeitlich begrenzte Fortführung des Umschlagverfahrens Behinderungen im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Leistungsanträgen von Versicherten zu erwarten seien, habe die BfDI für eine Übergangsphase zugestanden, bei einer datenschutzkonformen Durchführung des Umschlagverfahrens von Beanstandungen abzusehen. Verstöße gegen eine datenschutzkonforme Durchführung des Umschlagverfahrens, beispielsweise wenn im Rahmen von Kontrollen der BfDI in den Geschäftsstellen der Krankenkassen geöffnete, an den MDK gerichtete Umschläge und Unterlagen vorgefunden werden, würden von ihr „konsequent beanstandet“.

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Krankenhäuser ‚kosteten‘ Bayern 14,6 Mrd. Euro

21.10.2015/EG aus dem Landesamt für Statistik, München

Ausgaben steigen von 2009 bis 2014 auf 14,6 Mrd. Euro (+ 23,3 Prozent), für Mitarbeiter auf 8,8 Mio. Euro (+ 23,7 Prozent), für Sachkosten auf 5,4 Mrd. Euro (+ 22,1 Prozent) – Zahl der vollstationären Krankenhausaufenthalte (Patienten) steigt auf 3,0 Mio. (+ 11,1 Prozent seit 2009)

Die Gesamtausgaben der bayerischen Krankenhäuser lagen im Jahr 2014 bei rund 14,6 Milliarden Euro, was einer Zunahme um 4,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2013 entspricht. Größter Ausgabeposten waren dabei die Mitarbeiter mit rund 8,8 Milliarden Euro. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik weiter mitteilt, betrugen die Ausgaben für die rein stationäre Krankenversorgung rund 12,7 Milliarden Euro. Jeder Behandlungsfall verursachte 2014 durchschnittliche Ausgaben von rund 4.300 Euro, jeder Berechnungs- bzw. Behandlungstag im Durchschnitt 592 Euro.

Gut drei Millionen (+ 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr) vollstationäre Krankenhausaufenthalte wurden in Bayern im Jahr 2014 gezählt. Mit einem Anteil von 14,2 Prozent gaben Kreislauferkrankungen am häufigsten Anlass für einen vollstationären Krankenhausaufenthalt, gefolgt von Verletzungen, Vergiftungen und Folgen äußerer Ursachen (10,8 Prozent) sowie Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (10,3 Prozent). Die häufigste Hauptdiagnose war – lässt man die klinische Versorgung gesunder Neugeborener (81.000) unberücksichtigt – mit nahezu 67.000 Fällen die Herzinsuffizienz.

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Antibabypille: Hersteller mit fragwürdigen Botschaften sehr erfolgreich

12.10.2015/EG aus der Techniker Krankenkasse (TK), Hamburg

TK: Antibabypillen sind kein Lifestyle-Produkt – Hohe Verordnungszahlen auch aufgrund von Pharmamarketing?

Die Techniker Krankenkasse (TK) weist auf die steigenden Verordnungen von modernen Antibabypillen bei jungen Frauen hin. Präparate der sogenannten 3. und 4. Generation haben häufig ein wesentlich größeres Risiko für die Bildung von Thrombosen (Blutgerinnseln) als die Pillen der 2. Generation. Trotzdem werden die moderneren Pillen als vermeintlich besser angesehen und wesentlich häufiger verschrieben. „Alle derzeit verfügbaren Antibabypillen sind zuverlässige Verhütungsmittel, aber die verschiedenen Präparate haben unterschiedliche Risiken und Nebenwirkungen“ so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. „Derzeit sehen wir die Informationshoheit eindeutig bei der pharmazeutischen Industrie und engagieren uns deswegen dafür, dass sich junge Frauen besser über Risiken und Nebenwirkungen informieren. Denn: Es handelt sich um ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und nicht um ein Lifestyle-Produkt.“ Weiterlesen↗tk.de

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Zweifelhafte Effekte durch die Mammographie

05.10.2015/EG aus dem Deutschen Ärzteblatt, Köln

Laut US-Studie in JAMA Internal Medicine hat die computerassistierte Detektion (CAD), die diagnostische Qualität nicht verbessert / Fehlerrate tendenziell höher als ohne CAD

Die Forscher haben die Befunde von 271 Radiologen, die in sieben Jahren mehr als 625.000 Mammographien beurteilt hatten, mit den Einträgen in Tumorregistern abgeglichen. Von den 323.973 Frauen waren 3.159 innerhalb eines Jahres mit einer Brustkrebserkrankung registriert worden. Die Radiologen hatten diese Tumore mit der CAD-Methode keineswegs besser erkannt: Die Sensitivität auf eine Brustkrebsdiagnose betrug mit CAD 85,3 Prozent und ohne 87,3 Prozent. Die Spezifität betrug 91,6 Prozent mit CAD und 91,4 Prozent ohne CAD. Weiterlesen↗aerzteblatt.de

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Neues Behandlungskonzept bei Infektionen von Gelenkprothesen

29.09.2015/EG aus der Charité Universitätsmedizin Berlin

Schonende und schnelle Hilfe bei endoprothetischen Komplikationen

Mediziner der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben eine neue Strategie entwickelt, um Infektionen von Gelenkprothesen gezielt und nachhaltig zu behandeln. Patienten aus ganz Deutschland kommen zu den interdisziplinär arbeitenden Spezialisten an die Charité. Ein Grund: Das innovative Konzept führt zu einer Heilungsrate von über 90 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt die Heilung solcher Infektionen bei 60 bis 70 Prozent. Gleichzeitig sind die Behandlungszeiten am Zentrum für Septische Chirurgie der Charité deutlich kürzer. Das ist stressärmer für Patienten und führt zu weniger Behandlungskosten. Weiterlesencharite.de

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Hebammen zwischen Vergütungen und Verpflichtungen

28.09.2015/EG aus dem GEK Spitzenverband, Berlin, und dem Deutschen Hebammenverband E.V., Berlin

Kassenverband begrüßt Qualitätskriterien für Hausgeburten – Freiberufliche Hebammen sehen in der Einführung von Ausschlusskriterien keine Verbesserung der Qualität sondern ihre Abschaffung

Für werdende Mütter, die sich für eine Hausgeburt entschieden haben, bedeuten die Entscheidungen ein Mehr an Sicherheit, denn erstmals gelten auch für Hausgeburten verbindliche Qualitätskriterien, wie es für Geburtshausgeburten bereits seit 2008 der Fall ist, so der GEK-Spitzenverband.

Im Einzelnen wurden folgende Beschlüsse gefasst:

– Die Refinanzierung der Berufshaftpflichtversicherung erfolgt in vier gleich großen Raten. Sie werden jeweils rückwirkend zum 1. Januar und 1. Juli eines Jahres ausgezahlt, wenn die Hebammen eine geburtshilfliche Leistung Geburt pro Quartal nachweist. Damit werden insbesondere Hebammen in strukturschwachen Regionen unterstützt, in denen es nur wenige Geburten gibt.

– Analog zu den Qualitätskriterien in Geburtshäusern gelten ab sofort grundsätzlich dieselben Kriterien auch für Hausgeburten. Dabei wird unterschieden in absolute und in relative Kriterien:

Beispiel für absolute Kriterien, die eine Hausgeburt ausschließen:

  • Zustand nach Uterusruptur
  • Blutgruppen-Inkompatibilität
  • Insulinpflichtiger Diabetes

Beispiel für relative Kriterien, die vor einer Hausgeburt zusätzliche ärztliche Untersuchungen notwendig machen:

Beckenanomalie
Verdacht auf Missverhältnis zwischen dem Kind und den Geburtswegen
Unklarer Geburtstermin, Verdacht auf Übertragung. Hier muss erst ab dem 3. Tag nach der 40. Schwangerschaftswoche zusätzlich eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Bei geplanten Geburtshausgeburten ist dies bereits ab dem 1. Tag des Überschreitens verpflichtend.

– Die Vergütung für alle Hebammenleistungen wird ab sofort um fünf Prozent angehoben. Hintergrund ist, dass die Schiedsstelle zu dieser bereits 2013 beschlossenen Erhöhung festgelegt hatte, dass sie erst mit der Gültigkeit von Qualitätskriterien Anwendung findet. Diese Qualitätskriterien gibt es nun seit dem 25. September 2015.

Dagegen moniert der Hebammenverband,

dass die Schiedsstelle am Freitag den Ausgleich der Haftpflichtprämien für Hebammen mit dem sogenannten Sicherstellungszuschlag neu geregelt sowie verbindliche, nicht wissenschaftlich belegte Ausschlusskriterien für Hausgeburten eingeführt hat.

Künftig soll für alle in der Geburtshilfe tätigen freiberuflichen Hebammen nur noch der Sicherstellungszuschlag gelten. Dieser gleicht jedoch nicht die vollständige Prämie von derzeit 6.274,32 Euro aus, sondern erstattet maximal 4.390,03 Euro. Für die in der Geburtshilfe tätigen Hebammen bedeutet die neue Form des Ausgleichs eine Verschlechterung, so der Hebammenverband weiter.

Denn neben dem unvollständigen Ausgleich fallen die bisherigen Vergütungen für Haftpflichtkosten weg. Zudem muss eine Hebamme in dem Quartal, für das sie den Sicherstellungszuschlag beantragt, auch mindestens eine geburtshilfliche Leistung mit der Krankenkasse abrechnen können. Berechtigt sind nur Hebammen, die mindestens vier Geburten im Jahr betreut haben. Die Form der neu eingeführten Ausschlusskriterien macht es aber Hebammen in der Hausgeburtshilfe zukünftig unmöglich, Geburten verbindlich zu planen. Der Deutsche Hebammenverband befürchtet, dass die Beschlüsse in ihrer Kombination insbesondere die Hausgeburtshilfe nicht retten, sondern möglicherweise ihr Ende besiegeln.

„Die Entscheidungen der Schiedsstelle sind für uns so nicht hinnehmbar“, sagt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V. (DHV). „Rechte von Frauen wie die freie Wahl des Geburtsortes sowie das Berufsrecht der Hebammen werden damit unterlaufen. Wir prüfen alle Mittel, um dagegen vorzugehen.“ An den Schiedsspruch sind Hebammen gebunden, sobald dieser veröffentlicht wurde. Damit treten auch Ausschlusskriterien für Hausgeburten in Kraft, obwohl diese Befunde in den meisten Fällen kein Risiko darstellen. Der DHV befürchtet, dass es in der Praxis zukünftig kaum noch Hausgeburten geben wird. „Die Einführung von Ausschlusskriterien hat nichts mit einer Verbesserung der Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe zu tun, sondern bewirkt ihre Abschaffung“, meint Katharina Jeschke, Verhandlungsführerin des DHV und Präsidiumsmitglied. „Die Entscheidung der Schiedsstelle hat zur Folge, dass Mütter entmündigt werden und die Geburt nicht mehr als natürlicher Vorgang angesehen wird“, so Katharina Jeschke.

Der Ausgleich der Haftpflichtprämien erfolgt nicht mehr wie bisher über die einzelnen Vergütungspositionen, sondern ausschließlich über den sogenannten Sicherstellungszuschlag. Dieser war vom Gesetzgeber eigentlich nur für diejenigen Hebammen vorgesehen, die die Prämie mit dem bisherigen Ausgleich nicht selbst erwirtschaften konnten, weil sie nur wenige Geburten im Jahr betreuen. Für die Hebammen bedeutet die Neuregelung ein Rückschritt: Wenn sie weniger als vier geburtshilfliche Leistungen im Jahr mit den Krankenkassen abrechnen können, erhalten sie überhaupt keinen Ausgleich mehr. Aus der bisherigen Vergütung werden zudem alle bisher erfolgten Ausgleichszahlungen für die Haftpflicht herausgerechnet. Eine Hausgeburt beispielsweise wird nicht mehr mit 861,62 Euro wie bisher vergütet sondern nur noch mit 675,12 Euro.

Zudem gibt es prozentuale Abzüge beim Ausgleich der Haftpflichtprämien. Diese bewirken, dass bei jeder weiteren Prämienerhöhung in den kommenden Jahren der Betrag, den die Hebamme selbst für die Haftpflichtkosten leisten muss, weiter ansteigt. Die Summe der nicht vergüteten Haftpflichtkosten wird damit immer höher werden. „Der Sicherstellungszuschlag sollte dazu beitragen, die Hausgeburtshilfe zu erhalten. Jetzt ist das Gegenteil der Fall“, sagt Präsidiumsmitglied Katharina Jeschke.

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Behandlungsfehler: Der Patient und die Last des Beweises

28.09.2015/EG

Vermutete Arzthaftungsfälle laut Bundesärztekammer: Im Jahr 2014 wurden 12.053 Anträge (- 1,0 Prozent gegenüber 2013) bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen eingereicht und davon 2.206 Behandlungsfehler (18,3 Prozent aller Anträge) bejaht

Fast jeder Mensch sucht im Laufe seines Lebens einen Arzt auf und hofft bzw. erwartet mit seiner Hilfe auf eine Besserung bzw. Heilung. Doch führt nicht jede Behandlung zum erhofften bzw. erwarteten Erfolg und nicht jede Behandlung verläuft nicht komplikations- und fehlerfrei.

Was Sie als Betroffener oder Angehöriger tun können lesen Sie u.a. bei Ihrer Krankenkasse, Unabhängige Patientenberatung Deutschlandpatientenberatung.de, Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen↗mds-ev.org, BR2-Notizbuch↗br.de.

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Kliniken stehen vor großen finanziellen Herausforderungen

25.09.2015/EG aus dem Beratungsunternehmen The Boston Consulting Group (BCG) GmbH, München

BCG: Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) bringt mittelfristig keine finanzielle Verbesserung für Kliniken – Qualitätsmessungen sollen künftig einen entscheidenden Einfluss nehmen

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Kliniken bleibt alarmierend. Trotz Produktivitätssteigerung haben stagnierende Erlöse und steigende Kosten zu einer Deckungslücke im Gesundheitssystem geführt. Rund 40 Prozent der deutschen Krankenhäuser schreiben rote Zahlen, vor allem Häuser in öffentlicher und freigemeinnütziger Trägerschaft. Auch das am 1. Januar 2016 in Kraft tretende Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) der Bundesregierung wird mittelfristig keine finanzielle Verbesserung für Kliniken bringen. Durch das KHSG steigen zwar die Ausgaben für Krankenhäuser bis 2019 jährlich um 1,4 Prozent. Gleichzeitig werden aber die Erlöse der Kliniken weiterhin stagnieren. Wirtschaftliche Anreize für einen stärkeren Qualitätswettbewerb in Krankenhäusern werden durch das KHSG kaum geschaffen. Zu diesem Ergebnis kommt The Boston Consulting Group (BCG) in einer aktuellen Analyse zum deutschen Krankenhaussystem. Weiterlesenbcg.de

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Krankenhaus-Reform: Klinikverband verweist auf Defizite

23.09.2015/EG aus der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Berlin

DKG: Krankenhäuser würde bis 2017 rund eine Milliarde Euro entzogen

Rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser sowie Verantwortliche der Krankenhausträger werden sich heute Nachmittag vor dem Brandenburger Tor versammeln, um gegen das Krankenhausstrukturgesetz zu demonstrieren. Unter dem Motto ‚Krankenhaus-Reform – So nicht!‘ wird nicht nur in Berlin, sondern im Rahmen des Krankenhausaktionstages bundesweit in hunderten von Krankenhäusern gegen das Gesetzesvorhaben protestiert.

Dreh- und Angelpunkt sei die Sicherung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Personalkosten für die 1,2 Millionen Beschäftigten in den Krankenhäusern müssten mit den gesetzlich begrenzten Einnahmen gedeckt werden können. Das sei nicht der Fall und dies werde durch die Reform noch verschlechtert. Den Krankenhäusern würde 1 Milliarde Euro im Jahr 2017 entzogen, die für die Personalfinanzierung gebraucht würde. Zudem werde die Unterfinanzierung der Notfallambulanzen nicht gelöst. Die Reform gebe auch keine Antwort auf die absolut unzureichenden Investitionsmittel, so der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Landrat (Lkr. Reutlingen) Thomas Reumann.

Die wenigen Verbesserungen, die die Reform vorsehe, würden von Negativeffekten überlagert. Der Rationalisierungsdruck werde auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und letztlich auf Kosten der Patienten weiter erhöht. Mehr Bürokratie und weitere Dokumentationspflichten bänden Personal, das dann in der Patientenversorgung fehle.

Zur Qualitätsdiskussion erklärt Reumann: „Die Reform formuliert höchste Ansprüche in puncto Qualität – das ist gut so! Aber sie verweigert die Ressourcen, die die Krankenhäuser für eine Versorgung auf hohem Niveau benötigen – das passt nicht“, unterstreicht Reumann.

Qualität brauche vor allem Menschen, Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger. Hochqualifizierte Arbeit in Krankenhäusern muss gut und fair bezahlt werden. „Wir brauchen deshalb eine tragfähige Finanzierung unserer Kosten und keine neuen Kürzungen“, betont der DKG-Präsident.

Wer mehr Qualität durch weniger Geld und Personal fordere, verweigere sich der Zukunft. Ein völlig falscher Ansatz sei der Versuch, die Krankenhäuser in „gute“ und „schlechte“ einzuteilen, um mit dem absolut unausgereiften Instrument von Qualitätsabschlägen sanktionieren zu wollen. Verantwortungsbewusste Gesundheitspolitik in der Sozialversicherung müsse für gleiche Lebensbedingungen in allen Regionen sorgen. Amerikanische Wettbewerbsexperimente könnten das nicht leisten!

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der 28 Mitglieder – 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände – in der Bundes- und EU-Politik und nimmt ihr gesetzlich übertragene Aufgaben wahr. Die 1.996 Krankenhäuser versorgen jährlich 18,8 Millionen stationäre Patienten und rund 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle mit 1,2 Millionen Mitarbeitern. Bei 90 Milliarden Euro Jahresumsatz in deutschen Krankenhäusern handelt die DKG für einen maßgeblichen Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen.

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Unabhängige und kostenlosen Beratung für Patienten

22.09.2015/EG aus dem GKV-Spitzenverband, Berlin

Ab 2016 bekommt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) eine neue Trägerschaft

Verbraucher und Patienten können sich künftig einfacher und schneller bei Fragen rund um ihre Gesundheit unabhängig, neutral und kompetent beraten lassen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wird ab Beginn nächsten Jahres in neuer Trägerschaft schrittweise weiter ausgebaut. Zukünftig werden dann die Berater der UPD wochentags bis 22:00 Uhr sowie samstags von 8:00 bis 18:00 Uhr und damit deutlich länger als bisher über eine bundesweit kostenfreie Rufnummer erreichbar sein. Ratsuchende können sich bei der aus GKV-Mitteln finanzierten UPD z. B. über gängige Behandlungsmethoden bei bestimmten Erkrankungen informieren, sich zu Arztrechnungen oder zu Leistungen der Krankenversicherung sowie weiteren sozialrechtlichen Fragen beraten lassen. Sofern Anliegen nicht telefonisch geklärt werden können, werden zudem persönliche Beratungsmöglichkeiten an 30 Standorten in Deutschland, etwa in Volkshochschulen oder Bürgerbüros, angeboten. Oberster Grundsatz ist dabei die Neutralität und Unabhängigkeit der Beratung – hierauf werden alle rund 120 Berater, u. a. Mediziner und Juristen, intensiv geschult und ihre Arbeit durch ein umfassendes Qualitätsmanagement abgesichert.

Hintergrund:

Die Neuvergabe der UPD-Fördermittel war notwendig, weil die gesetzlichen Vorgaben immer nur eine zeitlich befristete Vergabe dieser Mittel erlauben und die zurzeit noch laufende Förderphase Ende dieses Jahres ausläuft. Im Zuge einer gesetzlichen Neuregelung im Rahmen des GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetzes vom Juli 2014 hat der Gesetzgeber die UPD-Fördermittel von 5,2 auf 9 Millionen Euro jährlich erhöht und die Laufzeit von fünf auf sieben Jahre verlängert, um vor allem eine bessere telefonische Erreichbarkeit zu erzielen. Die PKV beteiligt sich an der Finanzierung der UPD mit jährlich 630.000 Euro und übernimmt u. a. die Kosten für die Finanzierung von Dolmetschern.

Die für die neue Förderphase ausgewählte Duisburger Sanvartis GmbH wird eine eigenständige, gemeinnützige GmbH gründen, die das Angebot unter dem bisherigen Markennamen ‚Unabhängige Patientenberatung Deutschland‘ (UPD) weiter führen und bekannt machen wird. Die Entscheidung, dem Angebot von Sanvartis GmbH den Zuschlag zu geben, wurde vom GKV-Spitzenverband einvernehmlich mit dem Patientenbeauftragten unter beratender Beteiligung eines Beirats getroffen.

Der bisherige Träger sind der Sozialverband VdK Deutschland e.V., die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. sowie der Verbund unabhängige Patientenberatung e.V.

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Ergänzendes Hilfesystem für Missbrauchsopfer

21.09.2015/EG aus dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, München

Fonds für Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs in staatlichen Institutionen

„Menschen, die als Kinder oder Jugendliche durch Mitarbeiter des Freistaats Bayern sexuell missbraucht wurden und heute noch unter den Folgen leiden, erhalten ab sofort Hilfe“, teilte Staatsministerin Emilia Müller anlässlich der Unterzeichnung der Bund-Länder-Vereinbarung zum Beitritt Bayerns zum ‚Ergänzenden Hilfesystem für Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs in staatlichen Institutionen‘ heute mit.

Somit können Opfer, die als Minderjährige in der Zeit vom 23. Mai 1949 bis vor dem 30. Juni 2013 (Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Rechte von Opfern sexuellen Missbrauchs) in staatlichen Institutionen durch einen Staatsbediensteten sexuell missbraucht wurden, Hilfe und Entschädigung erhalten. Bis zu 10.000 Euro können für Kosten der Psychotherapie, der individuellen Aufarbeitung des Missbrauchs und bei der Unterstützung bei Weiterbildungsmaßnahmen erstattet werden. Bei behinderungsbedingten Mehraufwendungen ist eine Erhöhung um maximal 5.000 Euro möglich. Anträge können bei Beratern der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesvernachlässigung und Misshandlungen e. V. sowie bei den Außenstellen des WEISSEN RINGS oder direkt bei der Geschäftsstelle des ‚Fonds Sexueller Missbrauch‘ gestellt werden. Die Entscheidung und die Auszahlung der Leistungen übernimmt der Freistaat Bayern.

Weitere Informationen zum Verfahren, die Antragsformulare sowie die Adressen der Beratungsstellen finden Sie hierfonds-missbrauch.de.

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Schilddrüse: Kleines Organ mit großer Wirkung

18.09.2015/EG aus dem Charité – Universitätsmedizin Berlin

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verlängert Schwerpunktprogramm mit maßgeblicher Charité-Beteiligung – Etwa jeder Dritte ist betroffen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verlängert das Schwerpunktprogramm Thyroid Trans Act (SPP 1629) an 14 Standorten in Deutschland um drei Jahre. Verbreitete Schilddrüsenerkrankungen sollen weiter erforscht und damit künftig noch besser diagnostiziert und behandelt werden können. Die Projektkoordination liegt neben der Charité – Universitätsmedizin Berlin bei der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Jacobs University in Bremen.

Die Schilddrüse ist zwar ein vergleichsweise kleines Organ am Hals, aber die von ihr produzierten Hormone sind lebenswichtig: Sie steuern den Stoffwechsel und die Differenzierung der Zellen und beeinflussen so die Funktion nahezu aller Organe im Körper. Produziert die Schilddrüse zu viel oder zu wenig Hormone, können schwerwiegende Erkrankungen ausgelöst werden, beispielsweise Adipositas, Herzkreislauferkrankungen, Osteoporose, Depression, Tumor- oder auch Immunerkrankungen. „Da die Wirkung von Schilddrüsenhormonen so komplex ist und sich Fehlfunktionen in vielen Organsystemen manifestieren können, ist es wichtig in großen deutschlandweiten Forschungsverbünden wie dem von der DFG initiierten Schwerpunktprogramm Thyroid Trans Act interdisziplinär zu forschen“, betont Prof. Dr. Heike Biebermann, Stellvertretende Leiterin des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie der Charité.

Schilddrüsenerkrankungen zählen zu den Volkskrankheiten, etwa jeder Dritte ist betroffen. „Zentrales Anliegen des Programms ist es zu verstehen, was eine gesunde von einer krankhaften Schilddrüsenfunktion im Organismus unterscheidet und wie Schilddrüsenerkrankungen künftig früher erkannt und besser therapiert werden können“, so Prof. Dr. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am UK Essen, die das Schwerpunktprogramm gemeinsam mit Prof. Dr. Heike Biebermann von der Charité und Prof. Dr. Klaudia Brix von der Jacobs University in Bremen initiierte. Die bisherige Diagnostik kann nur bedingt Aufschluss über die Gesundheit der Schilddrüse geben. Hinzu kommt, dass sich die Symptome bei vielen Patienten, die Schilddrüsenhormone einnehmen, nicht vollständig bessern und viele andere Erkrankungen durch Schilddrüsenhormone in Entstehung und Verlauf beeinflusst werden. Weiterlesencharite.de

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Klinikreform in der Kritik

07.09.2015/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Geplante Krankenhausreform soll Behandlungsqualität und Versorgungssicherheit verbessern – Experten sehen Gesetzesentwurf in zentralen Punkten kritisch

Gesundheitsexperten sehen die von der Bundesregierung geplante Krankenhausreform in einigen zentralen Punkten kritisch. Sachverständige wiesen in einer Anhörung des Gesundheitsausschusses am Montag im Bundestag sowie in ihren schriftlichen Stellungnahmen auf die erhebliche Unterfinanzierung der knapp 2.000 Kliniken in Deutschland hin.

Mit dem Entwurf für das Krankenhausstrukturgesetz (18/5372) würden die wesentlichen Probleme der Häuser mit ihren insgesamt rund 1,2 Millionen Mitarbeitern nicht gelöst, sondern zum Teil auch verschärft. Nachdrücklich begrüßt wird jedoch die Zielrichtung hin zu mehr Qualität ebenso wie die Aufstockung des Pflegepersonals und die Einrichtung einer Pflegeexpertenkommission.

Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, die Behandlungsqualität und Versorgungssicherheit in den Kliniken zu verbessern. Die Krankenhausvergütung soll sich künftig an Qualitätsaspekten orientieren. So werden Zuschläge gewährt für gute Qualität, Abschläge drohen hingegen bei Mängeln. Die Qualitätsberichte der Kliniken sollen für Patienten zugänglicher und verständlicher werden.

Auch die Pflege in der Klinik soll sich verbessern. Aufgelegt wird ein Förderprogramm für Pflegestellen im Volumen von insgesamt bis zu 660 Millionen Euro in den Jahren 2016 bis 2018. Ab 2019 sollen dauerhaft 330 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen. Auf diese Weise werden laut Bundesregierung voraussichtlich 6.350 neue Stellen geschaffen, die nur der „Pflege am Bett“ dienen. Weiterlesen↗bundestag.de

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H1N1: Impfrisiko war nicht bekannt

02.09.2015/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Bisher 53 Narkolepsie-Verdachtsfälle gemeldet – Nebenwirkungen des Impfstoffes ‚Pandemrix‘ gegen die sogenannte Schweinegrippe waren nach Angaben der Bundesregierung zunächst nicht absehbar

Die möglichen schweren Nebenwirkungen des Impfstoffes ‚Pandemrix‘ gegen die sogenannte Schweinegrippe waren nach Angaben der Bundesregierung zunächst nicht absehbar. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) habe am 24. September 2009 eine Pandemrix-Impfempfehlung gegen die ‚Neue Grippe‘ (H1N1) abgegeben. Die Europäische Kommission sei dieser Empfehlung gefolgt und habe die Zulassung am 1. Oktober 2009 genehmigt. Damals habe es keine Hinweise auf mögliche schwere Nebenwirkungen wie Narkolepsie gegeben, heißt es in der Antwort (18/5819) der Regierung auf eine Kleine Anfrage (18/5734) der Fraktion Die Linke.

Im Winter 2009/2010 hatten sich viele Menschen in Europa nach behördlichen Empfehlungen gegen die ‚Neue Grippe‘ impfen lassen. In Deutschland kam dabei der Impfstoff ‚Pandemrix‘ des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG (München/London) mit einem Wirkverstärker (Adjuvans) zum Einsatz. Inzwischen wird die Vergabe des Mittels mit der unheilbaren Schlafkrankheit Narkolepsie in Verbindung gebracht. Weiterlesen↗bundestag.de

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Beworbene Produktmerkmale sind keine Werbung?

02.09.2015/EG aus der Verbraucherschutzorganisation ‚foodwatch e.V.‘, Berlin

Foodwatch zu Unilevers ‚Becel pro.activ‘: Ergebnis der Sicherheitsprüfung ist 15 Jahre alt und bildet den heutigen Stand der Wissenschaft nicht ab

Nach einem Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts darf der Nahrungsmittelkonzern Unilever wissenschaftliche Hinweise auf Risiken seines Cholesterinsenkers Becel pro.activ weiterhin leugnen. Die Richter werteten eine Aussage des Herstellers, derzufolge es bei Becel pro.activ „aus wissenschaftlicher Sicht … keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen gebe, als Meinungsäußerung – damit darf sie unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt verbreitet werden (Az 7 U 7/13).

Eine Klage von foodwatch gegen die weitere Verbreitung dieser Aussage wurde in zweiter Instanz abgewiesen, ohne dass die Richter die Sicherheit der Margarine überprüft und bewertet hatten. foodwatch wird zunächst die Urteilsbegründung abwarten, um dann „sehr wahrscheinlich“ Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen. Weiterlesenfoodwatch.org

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Gesundheitsgefahren durch Biozide?

26.08.2015/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, die biozidhaltige Holzschutzmittel

Der Bundesregierung liegen keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor, die einen gesicherten Zusammenhang zwischen biozidhaltigen Holzschutzmitteln als Nervengift und neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Multipler Sklerose belegen. Biozide Wirkstoffe würden auf Grundlage von Tierstudien und einer umfassenden Literaturrecherche im Rahmen des europäischen Genehmigungsverfahrens auf mögliche gesundheitsschädigende Effekte hin überprüft, schreibt sie in einer Antwort (18/5711) auf eine Kleine Anfrage (18/5499) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Bei den derzeit genehmigten Holzschutzmittelwirkstoffen seien daher nach derzeitigem wissenschaftlichem Erkenntnisstand bei sachgerechter und bestimmungsgemäßer Verwendung keine gesundheitsschädigenden Effekte, auch nicht auf das Nervensystem, anzunehmen, betont die Regierung.

Die Bundesregierung verweist zudem auf die aktuelle EU-Biozid-Verordnung Nummer 528/2012, die festlege, dass Biozidprodukte künftig grundsätzlich keine Wirkstoffe enthalten dürfen, die krebserzeugend oder erbgutverändernd sind, die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder hormonähnlich wirken. Zudem dürften sie keine Eigenschaften haben, die dauerhaft (persistent), bioakkumulierend und toxisch sind. Die Bundesregierung schreibt, sie halte Wirkstoffe mit diesen Eigenschaften für besonders besorgniserregend im Hinblick auf ein hohes Schutzniveau für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Für deren grundsätzliches Verbot habe sie sich daher in Brüssel in den Verhandlungen über die neue Verordnung eingesetzt.

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Ärzteverband fordert umfassende Reform des Medizinstudiums

05.08.2015/EG aus dem Ärzteverband Marburger Bund, Berlin

Marburger Bund: Abiturnoten werden überbewertet

Eine zielgerichtete Auswahl von Studienbewerbern, mindestens zehn Prozent mehr Medizin-Studienplätze, mehr Praxisnähe und die Abschaffung von Teilstudienplätzen fordert der Marburger Bund in seiner aktuellen Stellungnahme zum „Masterplan Medizinstudium 2020“. Das Bund-Länder-Reformvorhaben war im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD angekündigt worden und wird derzeit in den Bundesministerien für Gesundheit sowie Bildung und Forschung vorbereitet, die den Marburger Bund um Stellungnahme und um konkrete Maßnahmenvorschläge gebeten hatten. Besonders kritikwürdig ist aus der Sicht des größten deutschen Ärzteverbandes das Auswahlverfahren zum Studium der Humanmedizin. Ein sachgerechtes Verfahren zur Auswahl geeigneter Bewerber ist durch die Überbetonung der Abiturnote derzeit nicht gewährleistet. Der MB plädiert daher dafür, die beiden Hauptquoten – Abiturnote und Auswahlverfahren der Hochschulen – zusammenzuführen. In dieser neuen Quote sollten die Ergebnisse des Schulabschlusses niedriger als bisher gewichtet und weitere Auswahlkriterien mit entsprechender Aussagekraft, wie beispielsweise Sozialkompetenz und Motivation, stärker und möglichst bundeseinheitlich berücksichtigt werden. Weiterlesenmarburger-bund.de

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Risikoschwangerschaft oder der Vertrauensverlust in eine normale Schwangerschaft

27.07.2015/EG aus der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

Umfrage der Bertelsmann Stiftung: 99 Prozent der befragten Schwangeren erhalten mehr Untersuchungen als die Mutterschaftsrichtlinien vorsehen

Befragt wurden 1.293 Mütter, die im vergangenen Jahr ihr Baby zur Welt gebracht haben. Weil viele der von Ärztinnen oder Ärzten angebotenen oder von den Schwangeren gewünschten Leistungen nicht routinemäßig vorgesehen sind, mussten 80 Prozent der werdenden Mütter Zuzahlungen leisten. „Mehr ist nicht zwingend besser. Es gibt eine klare Überversorgung während der Schwangerschaft“, sagte Uwe Schwenk, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Fast alle Schwangeren wurden abweichend von den offiziellen Richtlinien behandelt. Beim sogenannten CTG (Kardiotokographie, erfasst Herztöne des Kindes und Wehen der Mutter) und bei der Ultraschall-Untersuchung wurden Risikoschwangerschaften genauso versorgt wie Frauen mit einem unauffälligen Schwangerschaftsverlauf. „Die Ausnahme Risikoschwangerschaft ist inzwischen zur Regel geworden“, sagte Schwenk.

Die Autorinnen der Studie gehen sogar noch einen Schritt weiter. Prof. Rainhild Schäfers von der Hochschule für Gesundheit in Bochum sagte: „Das Überangebot an Untersuchungen schürt die Angst der Frauen vor der Geburt und möglicherweise auch ihren Wunsch nach einer vermeintlich sicheren Kaiserschnitt-Entbindung.“

Jede zweite Frau gab an, von ihrem Arzt sehr gut beraten worden zu sein. Weitere 30 Prozent antworteten mit gut. Allerdings bedeutet dies auch, dass sich durchschnittlich nur die Hälfte der Befragten über die Aussagekraft beziehungsweise die Wirkungsweise einer Maßnahme sehr gut aufgeklärt fühlte. 95 Prozent der Frauen glauben, dass ein CTG zu den Routinemaßnahmen in der Schwangerschaft gehört – dabei ist es als solche in den Mutterschaftsrichtlinien nicht vorgesehen.

Nahezu jede Schwangere bekommt ein CTG, auch wenn die Schwangerschaft unauffällig verläuft. Bei Ultraschall-Untersuchungen erhalten 49 Prozent der Frauen mit normaler Schwangerschaft mehr als fünf Ultraschall-Untersuchungen. Laut Studie hatten weder das Alter als Risikofaktor noch Einkommen oder Bildungsabschluss der Schwangeren einen Einfluss darauf, ob Zusatzleistungen in Anspruch genommen wurden.

Zusatzinformationen

Die Inhalte der ärztlichen Schwangerenvorsorge sind durch die Mutterschaftsrichtlinien (MSR) geregelt. Dies sind Richtlinien, die der Gemeinsame Bundesausschuss veröffentlicht hat. Neben Beratung, besonderen Blutuntersuchungen, Gewichts-, Urin- und Blutdruckkontrollen, Kontrolle der kindlichen Herztöne und des Gebärmutterwachstums werden dort drei Basis-Ultraschall-Untersuchungen aufgeführt, die um die 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche gemacht werden sollen. Die MSR sehen zehn bis zwölf Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft bis zum errechneten Geburtstermin vor, die anfangs im Abstand von vier Wochen, ab der 32. Woche im Abstand von zwei Wochen durchgeführt werden sollen.

Methodisches Vorgehen

Frauen, die zwischen November 2013 und Oktober 2014 ein Kind geboren haben, wurden im November 2014 postalisch zu der Schwangerschaft befragt. Es handelt sich dabei um eine Zufallsstichprobe aller bei der BARMER GEK versicherten Frauen, die in diesem Zeitraum ein Kind bekommen haben. Die Teilnehmerinnen wurden aufgefordert, Fragen zu dem Angebot und der Durchführung der oben beschriebenen Maßnahmen, der Motivation zur Durchführung und der Aufklärung über die genannten Maßnahmen zu beantworten. Um die Notwendigkeit einzelner Maßnahmen besser nachvollziehen zu können, wurden außerdem schwangerschaftsbezogene medizinische Befunde abgefragt.

Ergänzende Informationen über die Bertelsmann Stiftung lesen Sie hierlobbypedia.de.

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Durch Gewichtsabnahme verbessern Männer ihr Liebesleben spürbar

22.07.2015/EG aus dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (RWI), Essen

RWI/FAU/CINCH-Studie: Nehmen fettleibige Männer ab, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine sexuelle Beziehung haben. Nehmen sie weiter ab oder halten sie ihr Gewicht, haben sie häufiger Sex.

Reduzieren erwachsene, fettleibige Männer ihr Gewicht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie in einer sexuellen Beziehung leben. Nehmen sie weiter ab oder halten sie zumindest ihr niedrigeres Gewicht, haben sie häufiger Sex. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des gesundheitsökonomischen Forschungszentrums CINCH in Essen. Für übergewichtige Frauen ließen sich derartige Auswirkungen eines reduzierten Körpergewichts nicht nachweisen.

Die Ergebnisse der Untersuchung machen deutlich, dass starkes Übergewicht neben den bereits bekannten gesundheitlichen Problemen auch das soziale Leben der Betroffenen beeinträchtigt. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass schon eine moderate Gewichtsreduktion die Einschränkungen mildern kann. So erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, eine sexuelle Beziehung zu haben, bei Männern um bis zu 7,7 Prozent, wenn sie ihren Body-Mass-Index (BMI) um einen Punkt reduzierten.

Wie genau dieser Effekt zustande kommt, lässt sich durch die vorliegende Studie nicht bestimmen. Eine Möglichkeit ist, dass durch die Gewichtsabnahme auch sexuelle Funktionsstörungen verschwinden oder zumindest deutlich gemildert werden. Zudem könnte das geringere Körpergewicht bei Männern zu einer positiveren körperlichen Selbstwahrnehmung und einem selbstbewussteren Auftreten führen sowie die Attraktivität für potenzielle Sexualpartner erhöhen. Möglich ist auch, dass mit einem abnehmenden Körpergewicht das Verlangen nach Sex zunimmt.

Studie wertete Antworten von fettleibigen Reha-Patienten aus

Für die Untersuchung wurden Daten eines groß angelegten, mehrstufigen Experiments zur Wirkung finanzieller Anreize auf die Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen ausgewertet. An diesem nahmen zwischen März 2010 und Juli 2013 knapp 700 fettleibige Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 75 Jahren teil, die gerade einen Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik absolviert hatten. Voraussetzung für die Teilnahme war ein BMI von 30 oder mehr. In der letzten Phase des Experiments beteiligten sich noch gut 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie erhielten 22 Monate nach Ende ihres Reha-Aufenthalts einen Fragebogen, der bei der Hälfte der Befragten auch Fragen zu ihrem Sexualverhalten enthielt.

Für Frauen konnte kein Einfluss der Gewichtsreduktion auf das Sexualverhalten nachgewiesen werden. Ein Grund dafür könnte sein, dass Frauen – wie die Ergebnisse früherer Studien zeigen – insgesamt im Vergleich zu Männern ein geringeres Verlangen nach Sex haben.

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Hilfe für Angehörige psychisch kranker Menschen

17.07.2015/EG aus dem Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e.V., München

Fach-Tagung für Angehörige psychisch kranker Menschen am 25. Juli im Bezirkskrankenhaus Passau

Warum brauchen Angehörige psychisch kranker Menschen Hilfe? Wofür? Die Frage erscheint paradox.

Viele Angehörige psychisch kranker Menschen spüren, dass auch sie Hilfe brauchen. Sie haben viele traumatische Situationen erlebt, bevor sich das erkrankte Familienmitglied tatsächlich in eine psychiatrische Behandlung begeben hat. Wer einmal sein geliebtes Kind, seinen geliebten Partner oder sein geliebtes Geschwister in eine psychiatrische Klinik begleitet hat, der vergisst diesen Blick der tiefsten Verzweiflung seines Angehörigen nie wieder. Erlebnisse, die mitunter zu Angst, Selbstvorwürfen und Zweifel führen.

Im Krankenhaus geben Angehörige psychisch kranker Menschen erstmals die Verantwortung für das erkrankte Mitglied in fremde Hände und müssen dann ohne Vorwissen, ohne fundierte Fachberatung finanziell und rechtlich weitreichende Entscheidungen für die Familie treffen. Darum brauchen Angehörige Hilfe, denn sie sollten diese Entscheidungen kompetent treffen.

Die Fach-Tagung für Angehörige psychisch kranker Menschen findet am 25. Juli im Bezirkskrankenhaus Passau (Wörthstr. 5, 94032 Passau) statt.

Veranstalter ist der Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e.V. (LApK) . Das Programm sowie ergänzende Informationen lesen Sie hierlvbayern-apk.de.

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Zunahme psychischer Störungen überbewertet?

13.07.2015/EG aus dem BKK Dachverband e.V., Berlin

BKK Gesundheitsatlas 2015 ‚Blickpunkt Psyche‘: Keine generelle Zunahme psychischer Störungen – Umfangreichere Kenntnisse sorgen für spezifische F-Diagnosen (psychische Erkrankungen)

Epidemiologische Daten haben teilweise andere Ergebnisse als die Krankschreibungsdaten. Insgesamt zeigen die epidemiologischen Daten auf Bevölkerungsebene keine generelle Zunahme psychischer Störungen seit Ende der 1990er Jahre.

Dazu Prof. Frank Jacobi von der Psychologischen Hochschule Berlin: „Die Diagnoseraten haben sich den wahren Prävalenzen über die letzten Jahre angenähert, sie scheinbar sogar überholt – insbesondere bei Depressionen. Möglicherweise haben wir es also auch mit einer Überdiagnostizierung zu tun. Eine Diagnose wird häufig unspezifiziert oder bei nur leicht beeinträchtigten Personen gestellt, um überhaupt eine Unterstützung, anbieten zu können. Der Trend der kontinuierlichen Zunahme von Krankschreibungen aufgrund psychischer Probleme könnte aber auch dazu führen, dass sich Menschen zu schnell als behandlungsbedürftig erleben und auch bei ‘normalen‘, vorübergehenden psychischen Belastungen das Hilfesystem aufsuchen.“ Auch die fortschreitende Digitalisierung spielt eine Rolle; Jacobi weiter: „Per Computer erfasste Krankheitsdaten bleiben in den Krankenakten von Ärzten, Kliniken, Krankenkassen oder Rentenversicherern. Wer einmal die Diagnose Angsterkrankung, Depression oder Persönlichkeitsstörung erhalten hat, den wird diese Diagnose ‘verfolgen‘. Somit werden aktuell Personen mit psychischen Erkrankungen z. T. systematisch überschätzt – bei psychischen Störungen von einer ‘Epidemie des 21. Jahrhunderts‘ zu sprechen wäre folglich übermäßig dramatisierend.“

In den BKK Abrechnungsdaten zeigen sich große regionale Unterschiede bei den psychischen Diagnosen. So werden Depressionen insbesondere in Süddeutschland (Bayern und Baden-Württemberg) häufiger diagnostiziert als im Norden oder Osten Deutschlands. In Großstädten wie Berlin, Hamburg, München werden mehr seelische Leiden attestiert als in ländlichen Gegenden.

Detailanalysen von Depressionen und des Burn-out-Syndroms zeigen deutliche Unterschiede: Diagnoseraten, Krankschreibungen sowie Antidepressiva-Verordnungen sind nicht überall in Deutschland gleich verteilt, es werden Schwankungsbreiten bis zum 43-fachen des höchsten Werts gegenüber dem niedrigsten berichtet.

Im Detail: Lediglich 0,3 Prozent der BKK Versicherten im Saale-Orla-Kreis (Thüringen) bekamen eine Burn-out-Diagnose, attestiert, während dieser Anteil im Kreis Ansbach (Bayern) bei 3,4 Prozent liegt. Gleiches gilt für die Verordnung von Antidepressiva: Im Kreis Meißen (Sachsen) liegt der Anteil der BKK Versicherten, die ein Antidepressivum erhalten, bei 4,4 Prozent. Im Kreis Straubing (Bayern) ist der Wert mit 11,5 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Diese Schwankungsbreiten können nicht allein durch tatsächliche unterschiedliche Erkrankungshäufigkeiten in den Regionen erklärt werden. Vielmehr ist ein Zusammenhang mit Regionalindikatoren wie der Ärztedichte (Nervenarzt, Hausarzt, Psychiater, Psychotherapeut) nachweisbar.

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Psychische Diagnose für jeden fünften Student

01.07.2015/EG aus der Techniker Krankenkasse (TK), Hamburg

Häufige Stressauslöser laut TK-Umfrage: Prüfungen, Lernstoff, Doppelbelastung Studium und Job, Zensurängste, Angst vor Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen

Drei von zehn Studentinnen in Deutschland bekommen mindestens einmal im Jahr eine psychische Diagnose, bei den männlichen Studierenden sind „nur“ 15 Prozent betroffen. Das geht aus dem Gesundheitsreport hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) heute in Berlin vorgestellt hat. Insgesamt erhielten 21,4 Prozent der Studierenden, also mehr als jeder Fünfte, 2013 eine psychische Diagnose. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Depressionen, somatoforme Störungen, Anpassungs- und Belastungs- sowie Angststörungen. Zudem zeigt der Report, dass 4,3 Prozent der Hochschüler psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nahmen. Fast vier Prozent der angehenden Akademiker bekamen 2014 Antidepressiva verordnet – das sind 43 Prozent mehr als 2006.

Dr. Dr. Burkhard Gusy, Arbeitsbereich Public Health an der Freien Universität Berlin: „Konzentration, das Bewältigen von Stress-Situationen und die Kompetenz nach An-spannung für Ausgleich und Regeneration zu sorgen, sind wichtige Schlüsselqualifikationen für das Studium und für die Führungskräfte von morgen. Deshalb müssen wir jungen Menschen rechtzeitig Strategien vermitteln, wie sie ihre eigenen Ressourcen stärken. Dazu gehört auch das Thema Medienkompetenz.“

Begleitend zu ihrem Gesundheitsreport, für den die TK jährlich Krankenstandsdaten und Arzneimittelverordnungen auswertet, hat die Krankenkasse in einer repräsentativen Studie 1.000 Studierende in Deutschland zu ihrem Lebensstil befragt. Danach haben 55 Prozent der angehenden Akademiker regelmäßig Stress, ein weiteres Viertel steht sogar unter Dauerstress. Die Hälfte der Studentinnen und vier von zehn Studenten litten unter stressbedingter Erschöpfung. Zu den wichtigsten Stressauslösern gehören laut TK-Umfrage Prüfungen (52 Prozent), der Lernstoff (28 Prozent), die Doppelbelastung von Studium und Jobben (26 Prozent), die Angst vor schlechten Noten (26 Prozent) oder keinen Job zu finden (23 Prozent) sowie finanzielle Sorgen (20 Prozent).

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Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz 2015

30.06.2015/EG aus der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, Bad Dürkheim/Mainz

Am 24. Und 25. Juni 2015 tagten die Fachminister der Länder, unter dem Vorsitz von Rheinland-Pfalz, in Bad Dürkheim u. a. zu folgenden Tagesordnungspunkten:

TOP: 5.1 Beteiligung der Länder am Aufbau einer Telematikinfrastruktur im Rahmen der Digitalisierung des Gesundheitswesens

Die Gesundheitsministerkonferenz stellt fest, dass die Bundesrepublik Deutschland alle Anstrengungen unternehmen muss, den Anschluss an internationale Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen nicht zu verlieren. Telematikanwendungen müssen den Patientinnen und Patienten dienen.

TOP: 6.1 Abschlussbericht der GMK-/KMK-/ASMK-AG zur Fachkräftesicherung

Die Ausführungen zum Zugang und zur Ausgestaltung des Medizinstudiums bilden eine gute Basis für die Diskussion in der Konferenz der Gesundheits- und Wissenschaftsministerinnen und -minister für den Masterplan Medizinstudium 2020.
Dabei geht es insbesondere um

die stärkere Berücksichtigung weiterer Auswahlkriterien bei der Zulassung zum Studium und Evaluation der verschiedenen Auswahlverfahren,

die weitere Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium,
den Ausbau der Förderung der ärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin und

die Frage nach zusätzlichen Studienplätzen für Humanmedizin.

TOP: 6.2 Stärkung der therapeutischen- und Assistenzberufe im Gesundheitswesen

Die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder bitten das Bundesministerium für Gesundheit, eine Novellierung der Berufsgesetze der bundesrechtlich geregelten therapeutischen Berufe und Assistenzberufe im Gesundheitswesen in die Wege zu leiten. Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Berufe:

Diätassistentin bzw. Diätassistent,
Ergotherapeutin bzw. Ergotherapeut,
Logopädin bzw. Logopäde,
Masseurin bzw. medizinische Bademeisterin und Masseur und medizinischer Bademeister,
Physiotherapeutin bzw. Physiotherapeut,
Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin bzw. medizinisch-technischer Laboratoriumsassistent,
Medizinisch-technische Radiologieassistentin bzw. medizinisch-technischer Radiologieassistent,
Medizinisch-technische Assistentin für Funktionsdiagnostik bzw. medizinisch-technischer Assistent für Funktionsdiagnostik,
Orthoptistin bzw. Orthoptist,
Pharmazeutisch-technische Assistentin bzw. pharmazeutisch-technischer Assistent und
Podologin bzw. Podologe.

TOP: 7.2 Sicherstellung der Versorgung mit Ivermectin-haltigen Arzneimitteln zur Bekämpfung von Skabies-Ausbrüchen und Meldepflicht

Das BMG wird gebeten, im Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine bundeseinheitliche Rechtsgrundlage für die Meldung von Skabies-Erkrankungen in den in § 36 Absatz 1 IfSG genannten Einrichtungen zu schaffen, wie sie bereits für Einrichtungen gemäß § 33 IfSG besteht.

TOP: 7.3 Impfstoffauswahl und Impfstoffversorgung für den Influenza-Pandemiefall

Der Impfstoffbeschaffung für die Länder sollen folgende Eckpunkte zugrunde gelegt werden:

Es wird weiterhin ein Versorgungsschlüssel von 30 % der Bevölkerung festgelegt. Dieser ist im Ereignisfall zu überprüfen.
Für die Gruppe der Kinder sollen vorrangig nicht adjuvantierte, leicht zu verabreichende Lebendimpfstoffe verwendet werden.
Aufgrund der erhöhten Narkolepsie-Inzidenz nach Gabe von AS03-adjuvantierten Impfstoffen bei Jugendlichen und Erwachsenen bis 40 Jahren sollen für diese Altersgruppe MF59-adjuvantierte Impfstoffe eingesetzt werden.
Bei der Bestellung ist ein Höchstmaß an Flexibilität in Bezug auf Antigen und Adjuvans anzustreben.

TOP: 7.4 Kostentragung bei pandemischen Impfungen

Die GMK bittet das BMG unter Berücksichtigung der auf Fachebene erarbeiteten Eckpunkte

die Kostentragung bei pandemischen Impfungen mit den für das SGB V zuständigen Gremien sowie Behörden des Bundes und der Länder abschließend zu beraten und festzulegen,

den Entwurf einer Verordnung gem. § 20 Abs. 4 Infektionsschutzgesetz (IfSG) zu erarbeiten und

unter Beteiligung der Länder Gespräche mit den Dachverbänden der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Bundesapothekerkammer und der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zu führen, mit dem Ziel, eine entsprechende Mustervereinbarung abzustimmen.

TOP: 8.1 Aufhebung der ärztlichen Mitteilungspflicht gem. § 294a SGB V nach sexualisierter und häuslicher Gewalt

Das Bundesministerium für Gesundheit wird gebeten zu prüfen, wie die in § 294a SGB V verankerte ärztliche Mitteilungspflicht gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen bei Hinweisen auf drittverursachte Gesundheitsschäden in Fällen sexualisierter Gewalt und Gewalt in engen sozialen Beziehungen gegen Erwachsene aufgehoben werden kann.
Davon unbenommen bleibt die Mitteilungspflicht bei Gewalt durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen und durch Betreuungsdienste.

TOP: 8.2 Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland

Die Gesundheitsministerkonferenz begrüßt, dass das Bundesministerium für Gesundheit mittels einer Gesetzesinitiative noch in diesem Jahr die Voraussetzungen für die Sicherung und flächendeckende Weiterentwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland schaffen wird.

Protokollerklärung Bayern, Sachsen:

Ein bundesweites Forschungsprojekt kann nicht hinreichend genau das komplexe Thema in regionalen Auswirkungen der demografischen Veränderung auf die hospizliche und palliative Versorgung abbilden. Welche Erkenntnisse für die gänzlich unterschiedlichen Entwicklungsstände der Länder hieraus abgeleitet werden sollen, ist unklar. Es bedarf einer regional differenzierten Analyse für die Hospiz- und Palliativversorgung, um die Grundlage zu schaffen, dass auf kommunaler Ebene die erforderlichen Strukturen vorgehalten werden können.

TOP: 8.3 Gemeinsamer Beschluss der GMK und SMK zur Unterstützung gesundheitsfördernder körperlicher Aktivitäten

Körperliche Aktivität im Alltag ist eine wichtige Ressource für Gesundheit, Wohlbefinden und soziale Einbindung für alle Altersgruppen. Ein körperlich aktiver Lebensstil verringert das Risiko für Krankheiten, erhöht die Lebensqualität und trägt insbesondere zu Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag älterer und kranker Menschen bei. Angesichts der reduzierten Aktivitätsmöglichkeiten im modernen Alltag können Sport und Gesundheitssport dazu beitragen, Bewegungsmangel und assoziierte gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

TOP: 9.1 Stärkung der schmerzmedizinischen Versorgung

1. Die Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister, Senatorinnen und Senatoren (GMK) begrüßt, dass eine Reihe von Krankenhausträgern Strukturen geschaffen haben, eine interdisziplinäre und interprofessionelle Schmerztherapie in ihren Krankenhäusern zu etablieren und dass im ambulanten Bereich die Zahl der niedergelassenen Schmerztherapeutinnen und Schmerztherapeuten zugenommen hat. Sie erkennt zugleich, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen, ein adäquates Schmerzmanagement flächendeckend im ambulanten und stationären Bereich zu gewährleisten.

2. Die GMK erwartet von den in den Krankenhäusern Verantwortlichen, dass sie eine qualifizierte Versorgung und Begleitung schmerzkranker Menschen sowohl während eines stationären Aufenthaltes als auch beim Übergang in ambulante oder rehabilitative Nach- und Weiterbehandlung interdisziplinär und intersektoral zu gewährleisten.

3. Die GMK stellt fest, dass die Qualität der stationären Versorgung bestimmende Faktoren zunehmend in der Krankenhausplanung Berücksichtigung finden. Sie begrüßt, dass der Koalitionsvertrag zwischen den die Bundesregierung tragenden Fraktionen vorsieht, „Qualität als weiteres Kriterium für Entscheidungen der Krankenhausplanung gesetzlich einzuführen“. Die GMK bittet den G-BA für ein strukturiertes Akutschmerzmanagement der Krankenhäuser Qualitätskriterien zu entwickeln.

Gesundheitsministerkonferenz

Die GMK dient der Zusammenarbeit und der Koordination der Länderinteressen in gesundheitspolitischen Fragestellungen. Sie ist ein wichtiges Gremium der fachlichen und politischen Beratung und Abstimmung gesundheitspolitischer Themen und Aufgaben zwischen den Ländern. Dabei befasst sich die GMK mit der ganzen Themenvielfalt der Gesundheitspolitik, wie beispielsweise der Ausgestaltung und Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung, der ambulanten und stationären Versorgung, der Pflegepolitik, der Gesundheitsförderung und Prävention, den Berufen im Gesundheitswesen, der Drogenpolitik und der europäischen Gesundheitspolitik.

Gastgeber der nächsten GMK, im Jahr 2016, ist Mecklenburg-Vorpommern.

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Grillfleisch mit Beigeschmack

28.06.2015/EG aus dem ÖKO-TEST Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Öko-Test: Antibiotikaresistente Keime in Schweinenackensteaks analysiert

In der neuen Juli-Ausgabe hat das ÖKO-TEST-Magazin Schweinenackensteaks nicht nur auf Antibiotika und Keime untersuchen, sondern auch von geschulten Sensorikern die Frische überprüfen lassen. Das Ergebnis: zweimal Gammelfleisch, antibiotikaresistente Keime in vier und sogar Rückstände eines Antibiotikums in einer Probe. Dazu kommt, dass die Haltungsbedingungen der konventionell gehaltenen Schweine katastrophal sind, wie das Verbrauchermagazin ermittelt hat. Bio-Fleisch hat dagegen mit ‚gut‘ abgeschnitten.

Testergebnis

Insgesamt 13 Schweinenackensteaks hat ÖKO-TEST untersucht und fast alle schneiden schlecht ab. So waren zwei der drei Chargen des Grillprodukts von ‚Rewe Ja!‘ Schweine-Nackensteaks in Paprikamarinade zum Ende der Mindesthaltbarkeitsfrist verdorben. Das Fleisch roch abweichend und zeigte stellenweise grau-grünliche Verfärbungen. Dazu fanden sich deutlich erhöhte Keimzahlen über dem Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Aus Sicht der Lebensmittelüberwachung sind solche Proben nicht mehr verkehrsfähig.

Elf weitere Proben waren sensorisch noch in Ordnung, wiesen aber ebenfalls schon zu viele Keime auf. Besorgniserregend ist, dass in vier Proben antibiotikaresistente Keime analysiert wurden. Einige von ihnen können gefährliche Wundinfektionen verursachen. Andere gelten unter Wissenschaftlern als besonders problematisch, weil sie Enzyme bilden, die viele Antibiotika unwirksam machen und die Resistenzeigenschaften auf andere Bakterien, etwa im Magen-Darm-Trakt, übertragen können, sodass Infektionen schwerer zu behandeln sind. Im Steak von Aldi Nord fand das beauftragte Labor außerdem in einer Charge ein Antibiotikum, das in der Tierhaltung häufig verabreicht wird, aber auch in der Humanmedizin üblich ist.

Tierhaltung

ÖKO-TEST wollte außerdem wissen, wie die Schweine gelebt haben. Doch bei den Herstellern stieß das Verbrauchermagazin auf eine Mauer des Schweigens. Nur drei haben den Fragebogen komplett beantwortet. Die Zurückhaltung ist nicht überraschend: Die Haltung der etwa 60 Millionen jährlich in Deutschland geschlachteten Schweine ist von ‚artgerecht‘ weit entfernt. In ihrem kurzen Leben von sechs Monaten werden den Ferkeln der Ringelschwanz kupiert und die Eckzähne abgeschliffen. Den männlichen Tieren schneidet man den Hodensack auf, reißt den Samenstrang heraus, schneidet ihn ab und entfernt beide Hoden – alles ohne Betäubung oder Schmerzmittel. Als Mastschwein steht ihnen im Schnitt 0,75 Quadratmeter Platz zur Verfügung, aufgrund der Vollspaltböden verletzen sie sich an den Klauen und Gelenken und leiden aufgrund der Ammoniakdämpfe unter Atemwegserkrankungen.

Tipp

ÖKO-TEST rät daher zum einen zu Bio-, zum anderen zu nicht mariniertem Fleisch. Denn mit Marinade können die Anbieter mangelnde Frische verschleiern. Das Fleisch sollte auf dem Grill zudem immer gut durcherhitzt werden.

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Risiko FSME

27.05.2015/EG aus dem Robert Koch Institut (RKI), Berlin

RKI: Aktuelle Daten und Informationen zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Ein Risiko für eine FSME-Infektion besteht in Deutschland weiterhin vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, in Südhessen und im südöstlichen Thüringen. Einzelne Risiko­gebiete befinden sich zudem in Mittelhessen (LK Marburg-Biedenkopf), im Saar­land (Saar-Pfalz-Kreis), in Rheinland-Pfalz (LK Birkenfeld), und seit 2014 mit dem LK Vogtlandkreis auch in Sachsen. In Bayern kommen zwei neue Risikogebiete dazu, in Thüringen eins, alle drei Kreise grenzen an bestehende Risikogebiete. Im Epidemio­lo­gischen Bulletin 21/2015 ist die aktualisierte FSME-Risikogebietskarte sowie eine umfassende Erläuterung der Situation erschienen. Ein Kreis wird als Risikogebiet definiert, wenn in einem Fünfjahreszeitraum in dem Kreis oder in der Kreisregion mehr als ein Fall pro 100.000 Einwohner aufgetreten ist. In der Anlage zum Epidemiologischen Bulletin sind die FSME-Inzidenzen für alle Kreise und Kreisregionen aufgeführt. Pro Jahr werden dem RKI insgesamt meist um die 300 FSME-Erkrankungen übermittelt.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine FSME-Impfung für Personen, die in FSME-Risikogebieten Kontakt zu Zecken haben könnten. Nach einem Anstieg der Impfquoten in diesen Gebieten bis ca. 2009/2010 stagnieren sie in den letzten Jahren oder nehmen sogar ab. Durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in Kreisen mit den höchsten FSME-Inzidenzen könnte ein hoher Anteil der FSME-Erkrankungen verhindert werden. Weiterlesenrki.de

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Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) oder fragwürdige Angebote

19.05.2015/EG aus dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), Berlin

Ärzte erweitern ‚Geschäftsbereich‘ mit IGeL – Angebots-Quote steigt auf 33,3 Prozent

Niedergelassene Vertragsärzte bieten immer häufiger sogenannte „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (IGeL) an. Laut einer repräsentativen WIdO-Umfrage hat jeder dritte gesetzlich Versicherte innerhalb von zwölf Monaten ein entsprechendes Angebot erhalten. Die IGeL-Quote ist damit erneut deutlich gestiegen: von 29,9 Prozent im Jahr 2012 auf mittlerweile 33,3 Prozent. „Damit haben rund 20 Millionen GKV-Versicherte im letzten Jahr Erfahrung mit privaten Zusatzleistungen gemacht. Diese Expansion des IGeL-Marktes hat sich vor allem beim Angebot für Frauen vollzogen“, erläutert WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. IGeL werden Frauen wesentlich häufiger angeboten als Männern (41,8 Prozent zu 23,2 Prozent).

IGeL sind Diagnose- und Behandlungsmethoden, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören und deshalb von den Versicherten aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Dazu zählen durchaus sinnvolle Leistungen (z.B. Reiseimpfungen), allerdings gibt es auch viele fragwürdige Angebote. So entfallen beispielsweise knapp 15 Prozent aller Nennungen auf Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung beim Gynäkologen, obwohl es hierfür gemäß Studienlage keinen Hinweis auf einen Nutzen gibt. Weiterlesenwido.de

Zum Thema

Die Verbraucherzentrale Bayern hält umfassende Informationen bereit. Weiterlesenverbraucherzentrale-bayern.de

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Mangelernährung senkt Therapiechancen bei Krebserkrankungen

10.05.2015/EG aus der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V., Berlin

Mehr Ernährungsberatung in den Kliniken nötig – Eiweiß und Sport gegen Muskelabbau

Krebs ist eine erschütternde Diagnose. Pro Jahr sterben über 200.000 Menschen in Deutschland an einer Tumorerkrankung. Was nur wenige wissen: Mangelernährung ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für den Erfolg der Behandlung – gerade bei betagten Patienten. Das Immunsystem wird geschwächt, eine Chemotherapie schlechter vertragen und vielleicht sogar abgebrochen. Schätzungen zufolge sterben bis zu 25 Prozent der Tumorpatienten nicht an ihrer Krebserkrankung, sondern an den Folgen der körperlichen Auszehrung. PD Dr. Rainer Wirth, Chefarzt am St.-Marien-Hospital Borken, erklärt die Gründe – und zeigt auf, was Ärzte und Ernährungsberater dagegen tun können. Weiterlesen

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Zahlenangaben zu Brustkrebssterblichkeit und Überdiagnosen

22.04.2015/EG au dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln

IQWiG publiziert Entwürfe für künftiges Einladungsschreiben zur Früherkennungsuntersuchung für Brustkrebs

Die Anforderung, verständliche Materialien für eine breite Zielgruppe zu erstellen, erforderte eine Reihe von Vereinfachungen, vor allem im Umgang mit Unsicherheiten. „Sichere Zahlen gibt es nicht“, sagt IQWiG-Ressortleiter Klaus Koch. „Um die Unsicherheit schon in den Zahlenangaben selbst auszudrücken, haben wir sie als Spannen formuliert.“

Demnach können von 1.000 Frauen, die 10 Jahre lang am Screening teilnehmen, ein bis zwei Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden. Dem stehen als wesentlicher Schaden sogenannte Überdiagnosen gegenüber: Bei der Mammografie werden gelegentlich bösartige Veränderungen gefunden, die ohne Früherkennung nie aufgefallen wären oder Beschwerden bereitet hätten. Die Diagnose zieht aber für die Frauen und ihre Angehörigen Konsequenzen nach sich. Etwa 5 bis 7 von 1.000 Frauen müssen mit einer solchen Überdiagnose rechnen. Weiterlesen>

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Daten zu Wasserpfeifen-Konsum

01.04.2015/EG aus dem Robert Koch Institut, Berlin

Regelmäßig Wasserpfeife rauchen erhöht Gesundheitsrisiken

Seit einigen Jahren sind Wasserpfeifen (Shishas) auch in westlich geprägten Ländern beliebt, insbesondere unter Jugendlichen. Das Robert Koch-Institut hat nun ein Faktenblatt zum Thema veröffentlicht. Darin sind Ergebnisse der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS zusammenstellt, die auch die Aussage für die aktuelle Zahl des Monats liefern: 29% der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen in Deutschland haben schon einmal Wasserpfeife bzw. Shisha geraucht.

Shisha-Raucher haben ein erhöhtes Gesundheitsrisiko

Weit verbreitet ist die Vorstellung, dass der Tabakkonsum mit einer Wasserpfeife aufgrund der dem Wasser zugeschriebenen Filterwirkung weniger gesundheitsschädlich sei als das Rauchen von Zigaretten. Inzwischen gibt es aber eine Reihe von Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Wasserpfeifenkonsum und gesundheitlichen Folgeschäden nahelegen. Personen, die regelmäßig Wasserpfeife rauchen, haben demnach ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie für Beeinträchtigungen der Mund- und Zahngesundheit.

Aufgrund des auch im Tabakrauch von Wasserpfeifen enthaltenen Nikotins ist von einem mit dem Zigarettenrauchen vergleichbaren Sucht- und Abhängigkeitspotenzial auszugehen. Der fruchtig-süße Geschmack des Shisha-Rauchs macht Wasserpfeifen auch für tabakunerfahrene Jugendliche attraktiv und kann so den Einstieg in das Zigarettenrauchen begünstigen.

Zum Thema Wasserpfeife lesen Sie ergänzende Informationen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

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Ratgeber zur Alzheimer-Krankheit

30.03.2015/EG aus der Alzheimer Forschung Initiative e.V., Düsseldorf

Kostenlose Informationen rund um die Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. hält kostenlose Broschüren und Faltblätter, die sich mit allen wichtigen Aspekten der Alzheimer-Krankheit befassen, bereit. Online können bis zu drei unterschiedliche Ratgeber bestellt werden, die Sie auch gerne an Freunde und Bekannte weitergeben können. Weiterlesen↗

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Je höher die Impfquote, desto seltener der plötzliche Kindstod

30.03.2015/EG aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Aussagen von Langzeitstudien zu Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfung

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten bei der Auswertung langfristiger Erhebungen einen statistischen Zusammenhang zwischen Impfverhalten und der Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes feststellen. Innerhalb der vergangenen 40 Jahre schwankte in den USA die Impfquote entsprechend gesellschaftlicher Trends. Die Kindstodrate steht dabei in einem umgekehrten Verhältnis zur Impfabdeckung gegen Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten. Veröffentlicht sind die Ergebnisse der Studie im Fachmagazin BMC Pediatrics*.

Die Fälle von plötzlichem Kindstod gehen kontinuierlich zurück, dennoch bleiben sie ein Hauptgrund für den Tod von Säuglingen weltweit. Die Ursache ist weiterhin nicht bekannt, besonders gefährdet sind Neugeborene im ersten Lebenshalbjahr. Genau in diesen Zeitraum fallen die Impfungen gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenzae. Entgegen der Befürchtung von Impfskeptikern, Immunisierungen zögen Komplikationen oder ein erhöhtes Kindstodrisiko nach sich, zeigen die Zahlen der amerikanischen Impfbehörden und Gesundheitszentren ein anderes Bild: „Unsere Untersuchung ist als Hinweis zu sehen, dass die klassischen Impfungen im Säuglingsalter gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenzae nicht mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Kindstod verbunden sind. Sie scheinen sogar eher einen schützenden Effekt zu haben“, sagt Prof. Dr. Jacqueline Müller-Nordhorn, Leiterin und Sprecherin der Berlin School of Public Health (BSPH).

Bei der Suche nach signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Sterblichkeitsrate durch plötzlichen Kindstod haben die Forscher zahlreiche Daten einbezogen, darunter auch Studien zur Schlafposition von Säuglingen im selben Zeitraum. Besonders deutlich wird in der aktuellen Untersuchung ein zeitlicher Kontext zu Impfempfehlungen oder gesellschaftlichen Stimmungen. In den 70er und 80er Jahren sinken in den USA die Impfquoten, verantwortlich sind Verunsicherungen in der Bevölkerung. Gleichzeitig steigt die Sterblichkeitsrate durch Kindstod um 27 Prozent zwischen 1968 und 1971 und um 47 Prozent zwischen 1971 und 1974. Später sinkt die Häufigkeit des Kindstodes wieder, beispielsweise um acht Prozent zwischen den Jahren 1991 und 2001. Der Trend ist eindeutig: Bei steigenden Impfquoten sinken zeitgleich die Fälle von plötzlichem Kindstod. Eine 10 Prozent höhere Quote in einer Bevölkerung, hier am Beispiel USA, verringert die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes um fast 10 Prozent.

Befürchtungen und Ängste bestimmen auch in Deutschland die Impfentscheidung von Eltern, wie die aktuell geführte Debatte um die Masernimpfung in Deutschland zeigt. Ein Beispiel ist der inzwischen mehrfach widerlegte Zusammenhang zwischen einer Masernimpfung und dem Entstehen von Autismus. Im Fall von Keuchhusten hat ein ebenfalls fälschlich kolportiertes, vermeintliches Risiko für Hirnschäden zu einem deutlichen Rückgang der Impfquoten in den 70er und 80er Jahren geführt. Medizinische Studien konnten in den Folgejahren kein solches Risiko feststellen. Impfquoten schwanken demnach entsprechend öffentlicher Meinung und Expertenempfehlungen. „In einigen Ländern, darunter Deutschland, wurde die Keuchhusten-Impfung sogar zeitweise aus den Empfehlungen herausgenommen und beispielsweise erst im Jahr 1991 wieder eingeführt“, so Müller-Nordhorn. Zahlen belegen: Parallel zur Wiederaufnahme der Keuchhusten-Impfung sinkt auch hier die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes. Wichtig im Falle jeder Schutzimpfung im Kindesalter ist allerdings nicht nur das „ob“, sondern auch das „wann“, also die Impfung im richtigen Zeitfenster. „Besonders tragisch wäre es, wenn Eltern die Impfungen hinauszögerten, um ihre Kinder vermeintlich zu schützen und damit möglicherweise das Gegenteil bewirken“, erklärt Müller-Nordhorn.

*Jacqueline Müller-Nordhorn, Chih-Mei Hettler-Chen, Thomas Keil, Rebecca Muckelbauer. Association between sudden infant death syndrome and diphtheria-tetanus-pertussis immunisation: an ecological study. BMC Pediatrics, Jan. 2015. doi: 10.1186/s12887-015-0318-7

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Hirndoping am Arbeitsplatz

17.03.2015/EG aus der DAK Gesundheit, Hamburg

DAK-Gesundheitsreport 2015: Leistungsdruck, Stress und Überlastung fördern Griff zu leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente – Steigerung von 2008 auf 2014 um 42,5 Prozent

Knapp drei Millionen Deutsche haben verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder um Stress abzubauen. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Update: Doping am Arbeitsplatz“ hervor. Die Anzahl der Arbeitnehmer, die entsprechende Substanzen schon zum Doping missbraucht haben, ist in den vergangenen sechs Jahren stark gestiegen – von 4,7 auf 6,7 Prozent. Vor allem Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten oder unsicheren Jobs gehören zu den Risikogruppen für den Medikamentenmissbrauch.

Nach den Ergebnissen des DAK-Gesundheitsreports 2015 gibt es zudem eine hohe Dunkelziffer von bis zu zwölf Prozent. Hochgerechnet auf die Bevölkerung haben damit fünf Millionen Erwerbstätige schon einmal leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente zum Hirndoping eingenommen. Und: Unter den übrigen Erwerbstätigen ist jeder Zehnte für diese Form des Hirndopings prinzipiell aufgeschlossen. Regelmäßig dopen sich laut Studie knapp eine Million Berufstätige (1,9 Prozent).

Männer wollen mehr Leistung, Frauen suchen emotionale Stabilität

Auslöser für den Griff zur Pille sind meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Vier von zehn Dopern gaben an, bei konkreten Anlässen wie anstehenden Präsentationen oder wichtigen Verhandlungen Medikamente einzunehmen. Männer versuchen so vor allem, berufliche Ziele noch besser zu erreichen. Und sie wollen auch nach der Arbeit noch Energie für Freizeit und Privates haben. Frauen nehmen eher Medikamente, damit ihnen die Arbeit leichter von der Hand geht und sie emotional stabil genug sind.

Menschen, die an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten oder bei denen Fehler schwerwiegende Konsequenzen haben können, greifen eher zu leistungssteigenden Medikamenten. Beschäftigte, die viel mit Kunden zu tun haben, nehmen hingegen überwiegend Tabletten zur Stimmungsverbesserung: Fast jede fünfte Frau nennt viele Kontakte mit Menschen als Grund für den Medikamentenmissbrauch.

Stress aktiv angehen

Nach Ansicht von Experten sind übertriebene Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit häufig ein Problem. Anstatt zur Pille zu greifen, sei es wichtig zu erkennen, dass Stress-Situationen am Arbeitsplatz nicht völlig vermeidbar sind. Ein Großteil der Arbeitnehmer ist hier schon auf dem richtigen Weg: Demnach setzt mehr als jeder Zweite auf eine gute Organisation bei der Arbeit. 44 Prozent der Beschäftigten achten darauf, ihre Freizeit möglichst sinnvoll zu verbringen. Sechs von Zehn schlafen ausreichend, um besonders leistungsfähig zu sein.

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Informationsmonopol der Hausärzte geht verloren

12.03.2015/EG aus dem Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG, Frankfurt am Main

Healthcare-Barometer 2015: Informationsmonopol des Hausarztes fällt / Das Gesundheitssystem muss sich auf kritischere Patienten einstellen / Homöopathie und alternative Heilmethoden auf Wunschliste der Versicherten ganz oben

In Zukunft werden sich Ärzte, Krankenhäuser und Gesundheitsdienstleister mehr und mehr auf ein kritischeres und selbstbewussteres Publikum einstellen müssen. Das zeigt das Healthcare-Barometer 2015 von PricewaterhouseCoopers (PwC), für das 1.000 Bundesbürger befragt wurden. Geht es beispielsweise um die Wahl der richtigen Klinik für einen Krankenhaus-Aufenthalt, dann verlassen sich in der Altersgruppe 55+ noch drei Viertel (75,5 Prozent) auf die Empfehlung des Hausarztes. Bei den 18- bis 34-Jährigen sind es dagegen nur 59,6 Prozent. Sie nutzen stattdessen verstärkt andere Informationsquellen wie die Websites der Kliniken, Onlineforen und Bewertungsseiten im Internet – und sie hören sich aktiv um: Der Freundes- und Bekanntenkreis spielt für junge Leute eine größere Rolle als für deren Eltern und Großeltern.

Patienten werden kritischer und serviceorientierter

„Das Informationsmonopol des Hausarztes wird durch das Internet zunehmend in Frage gestellt“, so Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma. „Ärzte müssen sich gerade bei jungen Leuten auf eine Zielgruppe selbstbewusster und kritischer Patienten einstellen, die Wert auf Service legen und auf Augenhöhe behandelt werden wollen.“ So sind bei den 18- bis 34-Jährigen rund 27 Prozent mit den Öffnungszeiten der Praxen unzufrieden, bei der Generation 55+ dagegen nur 8 Prozent. Knapp 20 Prozent der jungen Erwachsenen fühlen sich von Ärzten und dem medizinischen Personal nicht ernst genommen, bei den Älteren gaben das nur 8 Prozent an. Zudem wünscht sich fast jeder zweite der jüngeren Generation mehr Aufmerksamkeit vom Arzt, während das nur rund 29 Prozent der älteren Generation angeben.

Wenn die Deutschen etwas an ihrer Krankenkasse bemängeln, dann ist es der Leistungskatalog. Bereits heute haben 39 Prozent der gesetzlich Versicherten eine private Zusatzversicherung abgeschlossen. Knapp 72 Prozent der Befragten beurteilen den Leistungskatalog ihrer Krankenkasse als mangelhaft. Für knapp ein Drittel werden zu viele Angebote von den Kassen nicht erstattet. Die PwC-Studie zeigt im Detail, welche Leistungen Versicherte vermissen: Da rangieren alternative Heilmethoden/Homöopathie (8 Prozent) mit Abstand an erster Stelle. Sie liegen damit noch vor Zahnarztkosten (rund 5 Prozent), Brillen und Augenbehandlungen (4,8 Prozent) sowie Prophylaxe und Zahnersatz mit je 3,9 Prozent.

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Zur Epidemiologie von Infektionskrankheiten

11.03.2015/EG aus dem Robert Koch Institut, Berlin

RKI: Deutschland tritt hinsichtlich der angestrebten Masern-Elimination auf der Stelle!

Die Masern gelten als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen überhaupt und sie sind immer noch einer der wesentlichen Gründe für eine erhöhte Kindersterblichkeit in vielen Regionen der Welt. Deutschland tritt seit Jahren hinsichtlich der angestrebten Masern-Elimination auf der Stelle. Die Zahl der an das RKI übermittelten Masern-Fälle schwankt jährlich. Die meisten Fälle treten im Rahmen von regionalen, größeren Ausbrüchen mit zum Teil länger anhaltenden Infektionsketten auf. Im Epidemiologischen Bulletin 10/2015 wird ein Überblick über die Epidemiologie der Masern in 2014 und die aktuelle Situation 2015 gegeben. Impflücken bestehen in allen Altersgruppen, insbesondere bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Masernimpfungen ab dem elften Lebensmonat und eine Wiederholungsimpfung im zweiten Lebensjahr. Vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung und im Rahmen von Ausbrüchen kann die Maserimpfung bereits im Alter von 9 Monaten erfolgen. Seit 2010 wird die Masern-Impfung auch (in Form der Masern-Mumps-Röteln-Impfung) für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, sofern sie nicht oder nur einmal geimpft sind oder der Impfstatus unklar ist.

Im Epidemiologischen Bulletin 10/2015 wird auch eine aktuelle Statistik zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten aufgeführt. Hierzu ein Auszug für Bayern im Jahr 2014 (Stand: 01.03.2015):

Syphilis: 859 Erkrankungen (+ 40,6 Prozent gegenüber 2013)
HIV-Infektionen: 596 Erkrankungen (+ 31,0 Prozent)
Malaria: 227 Erkrankungen (+ 139 Prozent)

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Ärzte verordnen weniger Psycho-Medikamente für Kinder und Jugendliche

11.03.2015/EG aus der Ersatzkasse DAK-Gesundheit, Hamburg

DAK: 325.000 Schüler leiden unter Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität

In Deutschland bekommen Kinder und Jugendliche mit ADHS weniger Psycho-Medikamente verschrieben. Von 2011 bis 2013 ging die Verordnungen von Methylphenidat (Ritalin) bei DAK-Versicherten zwischen fünf und 14 Jahren um zehn Prozent zurück. Das zeigen aktuelle Arzneimitteldaten der Kasse. Bundesweit litten nach Expertenschätzungen mehr als 325.000 Schüler unter ADHS.

Methylphenidat ist für junge Patienten zugelassen, die unter einer Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität leiden, dem sogenannten Zappelphilipp-Syndrom. Besser bekannt ist das Medikament unter seinem Markennamen Ritalin. 2013 hatten 2,5 Prozent aller DAK-versicherten Schüler zwischen fünf und 14 Jahren mindestens eine Verordnung für das Psycho-Medikament, 2011 waren es noch 2,8 Prozent. Auch die Anzahl der Tagesdosen ging zurück. Im Durchschnitt bekam 2013 jeder einzelne DAK-Patient 195 Tagesdosen pro Jahr.

„Für den deutlichen Rückgang sind vermutlich die neuen Arzneimittelrichtlinien verantwortlich“, sagte Jan Helfrich, Experte für ambulante Leistungen bei der DAK-Gesundheit. Seit 2010 gelten strengere Regeln bei der Verordnung der Psycho-Medikamente. Nur noch Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen dürfen sie verschreiben. „Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Kinder Ritalin unter besonders geschulter Aufsicht einnehmen und die Tabletten nicht leichtfertig schlucken“, so Helfrich. „Ritalin ist ein segensreiches Medikament für Patienten mit starken Symptomen.“ Es habe aber, wie jedes Medikament, Nebenwirkungen: darunter verminderte Appetit, Übelkeit und Schlafprobleme.

Zielgerichtete Hilfe für ADHS-Kinder

Nach Daten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung waren 2011 bundesweit 4,4 Prozent der fünf- bis 14-Jährigen von ADHS betroffen. Hochgerechnet auf den Bevölkerungsanteil waren das mehr als 325.000 Schüler. Wird die Verhaltensstörung nicht richtig behandelt, sind die Folgen bis ins Erwachsenenalter spürbar: Schule, Ausbildung und Sozialkontakte können auf der Strecke bleiben. Das Risiko für Depressionen, Süchte und Unfälle kann steigen. Eine multimodale Therapie ist angezeigt, die passend zur Familie und zur Persönlichkeit des Kindes verschiedene Bausteine auswählt.

Die DAK-Gesundheit hat in Baden-Württemberg einen speziellen ADHS-Vertrag, der Verhaltenstherapie und Elterntrainings kombiniert. „Eine erste Programmauswertung zeigt, dass sich bei vielen Teilnehmern die Symptome innerhalb eines Jahres deutlich verbessern und ein begleitender Einsatz von Medikamenten oft nicht mehr erforderlich ist“, erklärt Helfrich.

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Erste Hilfe bei Sportverletzungen

09.03.2015/EG aus der Barmer GEK Krankenkasse, Berlin

Richtig handeln mit Schema ‚PECH’

In Deutschland rechnen Sportwissenschaftler jährlich mit rund zwei Millionen Sportverletzungen. Sportler sollten deshalb in der Lage sein, Erste Hilfe zu leisten. Angst, etwas falsch zu machen, muss laut der Medizinerin niemand haben. „Ein guter Anhaltspunkt für die Erste Hilfe bei Sportverletzungen an Sehnen, Gelenken, Bändern oder Muskeln ist das sogenannte Pech-Schema“, so die leitende Medizinerin bei der Barmer GEK Dr. med. Ursula Marschall. Dabei steht jeder Buchstabe für eine Maßnahme.

  • P steht für Pause und bedeutet, dass der Körperteil sofort ruhig gestellt werden sollte.
  • E wie Eis. Dabei soll die verletzte Stelle für ungefähr 15 bis 20 Minuten gekühlt werden. Eis gehört nie direkt auf die Haut, es sollte eine Lage Stoff oder ein Papiertuch dazwischen gelegt werden.
  • C wie Compression verhindert ein Kompressionsverband, dass sich noch mehr Blut oder Gewebeflüssigkeit in das umliegende Gewebe verteilt.
  • H wie Hochlagern, denn wenn der verletzte Körperteil höher als das Herz liegt, schwillt er nicht so stark an.

Das Pech-Schema eignet sich nicht bei Sportunfällen mit Knochenbrüchen oder offenen Wunden. Dr. Marschall rät, bei offenen Wunden die Stelle zu desinfizieren und mit einem Pflaster oder einer sterilen Wundablage abzudecken. „Ist eine offene Wunde sehr tief, sollte ein Arzt entscheiden, ob sie genäht werden muss.“ Auch ein möglicher Knochenbruch sollte von einem Mediziner untersucht werden. Bis dahin darf der Verletzte nur wenig bewegt, und Fehlstellungen sollten nicht selbst korrigiert werden.

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Unerwünschte Nebenwirkungen

Osterhofen, 13.09.2014/EG

Datenbank zeigt mögliche Arzneimittelrisiken an

Dass die Wirkung von Medikamenten durch die Nahrungsaufnahme und in besonderer Weise von anderen Medikamenten beeinflusst werden kann, wird für die Betroffenen spätestens mit dem Auftreten unerwünschter Neben- und Wechselwirkungen spürbar.

Um derartige Interaktionseffekte zu vermeiden oder darauf aufmerksam zu machen, gibt es ein Online-Testmodul, die SCHOLZ-Datenbank von der ePrax AG, München. Ob Patient oder besorgter Familienangehöriger, zum Medikamenten-Check gelangen Sie über die Apotheken-Umschau.

Bei einer eventuellen Wechselwirkungsanzeige und zu Ihrer Sicherheit wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt oder Apotheker.