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Marktwirtschaft: Die Vermarktung der Gesellschaft

12.06.2019/EG
Quelle: Internationale Politik und Gesellschaft (IPG) der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

Marcel Fratzscher, Wirtschaftswissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin) über Veränderungen unseres Wirtschaftsmodells

Einem seit neun Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung und kontinuierlichen Beschäftigungsrekorden stehen in Deutschland einer der größten Niedriglohnsektoren in Europa und eine steigende Armutsrisikoquote gegenüber. Rund 40 Prozent der Deutschen besitzen keine Ersparnisse und keine Altersvorsorge und in keinem anderen Land Europas ist es so schwer, über Bildung den sozialen Aufstieg zu schaffen, wie die OECD regelmäßig konstatiert.
(…)
Wenn es während des Booms nicht gelungen ist, das Leben für untere Einkommensschichten zu verbessern, wie soll es dann in der nächsten Rezession gelingen? (…). Doch trotz Wirtschaftsboom bekamen im Jahr 2017 rund acht Millionen abhängig Beschäftigte einen Niedriglohn, wohlgemerkt: für ihre Haupttätigkeit. Das sind beinahe drei Millionen mehr als im Jahr 1995. (…). Das Armutsrisiko in unserer Gesellschaft steigt entsprechend, während gleichzeitig die Wirtschaft boomt. Lag die Armutsrisikoquote Mitte der neunziger Jahre noch bei elf Prozent, war sie 20 Jahre später im Schnitt auf rund 17 Prozent gestiegen. Im Klartext heißt das: Der vielbeschworene Aufschwung der letzten Jahre ist bei vielen nicht angekommen.“ ipg-journal.de

Friedrich-Ebert-Stiftung
Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ist eine parteinahe Stiftung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Als parteinahe Stiftung orientiert sich die FES „an den Grundwerten der Sozialen Demokratie: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“. Im Jahr 2018 verfügte die FES über einen Etat in Höhe von 194,6 Millionen Euro, überwiegend aus Bundes- und Landeshaushalten finanziert.

Zum Thema

Für die (sozialen und wirtschaftlichen) Rahmenbedingungen (Gesetze, Verordnungen, …) waren folgende Regierungsparteien verantwortlich:

  • seit 2017/2018 CDU/CSU und SPD
  • 2013 bis 2017 CDU/CSU und SPD
  • 2009 bis 2013 CDU/CSU und FDP
  • 2005 bis 2009 CDU/CSU und SPD
  • 1998 bis 2005 SPD und Bündnis90/Die Grünen
  • 1982 bis 1998 CDU/CSU und FDP
  • 1974 bis 1982 SPD und FDP