Mit Information gegen Antibiotikaresistenzen

04.06.2015/EG aus dem Charité – Universitätsmedizin Berlin

Modellprojekt RAI offenbart erhebliche Wissenslücken im Umgang mit Antibiotika

Die zunehmende Unempfindlichkeit von Bakterien gegen die gängigen Antibiotika muss dringend gestoppt werden. Bessere Information und Aufklärung ist das Ziel des Modellprojekts ‚Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation‘, kurz RAI. In dessen Rahmen kommen Wissenschaftler und Kommunikationsexperten anhand einer aktuellen Emnid-Befragung zu dem Schluss: Wissenslücken zur Antibiotikanutzung sind weit verbreitet, gleichzeitig ist das Bewusstsein für die Problematik in der Bevölkerung sehr hoch.

In einer jetzt vorgestellten repräsentativen Befragung von TNS Emnid im Rahmen des Projektes RAI gaben 70 Prozent der Teilnehmer an, dass ihnen das Thema Antibiotikaresistenzen wichtig bis sehr wichtig ist. Auf die Frage, wer oder was gegen ein Antibiotikum resistent werden kann, antworteten allerdings 37 Prozent der über 1000 befragten Erwachsenen mit ‚Viren und Bakterien‘ und weitere 20 Prozent mit ‚Menschen‘. Die korrekte Antwort – ausschließlich Bakterien – wusste nur jeder Vierte.

Vielen Menschen fehlt das grundsätzliche Wissen über die Resistenzentwicklung von Bakterien: So meinten 58 Prozent der Befragten, dass ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Antibiotika keinerlei Einfluss auf die allgemeine Entwicklung von Antibiotikaresistenzen hat. Ein Irrtum mit Folgen. Denn wenn die Medikamente nicht genau so eingenommen werden, wie vom Arzt verordnet, fördert das die Bildung von resistenten Bakterien. Gleiches gilt, wenn Antibiotikareste über den Hausmüll oder die Toilette entsorgt werden – und nicht an den vorgesehenen Sammelstellen oder in der Apotheke.

Zum Thema eine Pressemitteilung der gemeinnützigen Hilfsorganisation ‚Ärzte ohne Grenzen e.V.:

Die Welt ist auf Ebola heute nicht besser vorbereitet als vor einem Jahr – Ärzte ohne Grenzen fordert Konsequenzen aus Epidemie

Das Weltgesundheitssystem bleibt erschreckend unvorbereitet auf Epidemien. Nach dem verheerenden Ebola-Ausbruch in Westafrika fordert Ärzte ohne Grenzen anlässlich des G7-Gipfels am Wochenende auf Schloss Elmau die Entwicklung eines effizienten Notfallsystems gegen Epidemien und internationale Gesundheitskrisen. Die reichen Industriestaaten müssen sicherstellen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) künftig schneller und umfassender auf Epidemien reagieren kann. Sie müssen dringend die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen vernachlässigte Krankheiten finanzieren und dafür sorgen, dass existierende Medikamente auch Patienten in ärmeren Ländern zugänglich gemacht werden. Weiterlesenaerzte-ohne-grenzen.de