Pflegebedürftige werden zahnmedizinisch vernachlässigt

Berlin, 26.11.2014/EG aus der Barmer GEK Krankenkasse, Berlin

Barmer GEK Pflegereport 2014: Pflegebedürftige sind zahnmedizinisch schlecht versorgt – Pflegevorsorgefonds fehlkonzipiert

Bei der Zahngesundheit pflegebedürftiger Menschen liegt einiges im Argen. Sie werden deutlich seltener zahnmedizinisch versorgt als nicht Pflegebedürftige. Das ist das zentrale Ergebnis des vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen erarbeiteten ‚Barmer GEK Pflegereport 2014’, der gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Während nicht Pflegebedürftige zum Beispiel konservierende, chirurgische und Röntgenleistungen zu 30,4 Prozent je Quartal im Jahr 2012 nutzten, waren es bei Pflegebedürftigen 9,8 Prozentpunkte weniger. Dieser Unterschied variiert noch nach Versorgungsart und Pflegestufe. Mit Pflegestufe I bei familiärer Pflege beträgt der Unterschied lediglich 5,1 Prozentpunkte. Pflegeheimbewohner mit Pflegestufe III haben hingegen eine um 16,5 Prozentpunkte verringerte Behandlungshäufigkeit. Hilfreich seien zum Beispiel mehr Schwerpunktpraxen für Pflegebedürftige. Außerdem müsse die aufsuchende Behandlung ausgebaut werden. (Grafik: Barmer GEK)

Anlässlich Vorstellung des Barmer GEK Pflegereports 2014 ging Prof. Dr. Heinz Rothgang, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen, in seiner Stellungnahme auch auf den fehlkonzipierten Pflegevorsorgefonds ein:

„Die 2013 eingeführte zulagengeförderte private Pflegezusatzversicherung („Pflege-Bahr“) bleibt auch im Jahr 2014 ein Nischenprodukt. Im Gesetzentwurf von Juni 2012 war bis Ende 2013 der Abschluss von 1,5 Millionen Versicherungsverträgen erwartet worden. Entsprechend waren im Haushalt 100 Mio. Euro (davon 90 Millionen Euro für die Zulagen) vorgesehen. Tatsächlich lag die Zahl der Versicherungsverträge Ende 2013 mit 350.000 bei weniger als einem Viertel der anvisierten Zahl. Auch für 2014 ist kein Durchbruch zu verzeichnen. Der PKV-Verband strebt jetzt bis Ende des Jahres die „stolze Zahl“ von einer Million Versicherungsverträgen an – also zwei Drittel des eigentlich schon für Ende 2013 erwarteten Wertes. Auch diese Zahl wird sich aber kaum realisieren lassen. Entsprechend sind im Bundeshaushalt für 2014 nur noch Zuschussmittel in Höhe von 33 Millionen Euro vorgesehen. Selbst wenn diese komplett für die Zulagen verwendet werden, reicht das rechnerisch nur für 550.000 Verträge. Auch die Bundesregierung ist hinsichtlich der Zahl der Verträge somit skeptisch. Tatsächlich ist nicht zu erwarten, dass der Pflege-Bahr jemals zum Massenprodukt wird. Vielmehr bleibt er ein Produkt für wenige Besserverdienende, das durch die steuerfinanzierte Förderung einkommensstarker Haushalte eine Umverteilung von unten nach oben impliziert.

Mitverantwortlich für die geringe Verbreitung ist sicherlich auch die berechtigte Kritik der Verbraucherschützer am Pflege-Bahr, die auf die unzureichenden Leistungshöhen der Standardverträge ebenso hinweisen wie auf die Gefahr der Negativselektion, die daraus resultiert, dass der Pflege-Bahr vor allem für schlechte Risiken attraktiv ist, die keine ungeförderte Versicherung mit Gesundheitsprüfung bekommen können.“