Selbständig abhängig

30.12.2015/EG aus der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH, Stuttgart

Ernst & Young Studie: Etwa jeder vierte Selbständige ist scheinselbständig / Insgesamt etwa 1,2 Millionen Selbständige in Deutschland sind potenziell scheinselbständig tätig / Volkswirtschaftlicher Schaden für die Sozialversicherungssysteme beträgt vorsichtig geschätzt jährlich über drei Milliarden Euro / Für Großunternehmen arbeiten Externe über einen besonders langen Beauftragungszeitraum

Die Risiken durch Scheinselbständigkeit und illegale Arbeitnehmerüberlassung steigen, nach den Studienergebnissen, mit dem Grad der Einbindung von Selbständigen in das Unternehmen und ihrer Beauftragungsdauer für das Unternehmen. So sind etwa 24 Prozent der Selbständigen in den Räumen des Auftraggebers tätig und in dessen Betriebsablauf eingebunden. Zehn Prozent arbeiten nur für einen einzigen Auftraggeber und fast 21 Prozent sind länger als 18 Monate für ein Unternehmen tätig. Für die Studie ‚Scheinselbständikeit 2015‘ befragte E&Y 400 Unternehmen und 2.455 Erwerbstätige.

Die am häufigsten ausgelagerten Tätigkeitsbereiche sind Sicherheitsdienste (bei 51 Prozent der Unternehmen), gefolgt von Gebäude- und Wartungsdiensten sowie Serviceleistungen (jeweils 45 Prozent). Auch IT-Beratung (42 Prozent) und Steuerberatung (38 Prozent) werden häufig an Externe ausgelagert. Gerade Großunternehmen mit mehr als einer Milliarde Umsatz vergeben aber auch sensible Kernbereiche wie Entwicklung (33 Prozent), Produktion (25 Prozent) und Forschung (21 Prozent) an Externe.

Die von Scheinselbständigkeit am meisten betroffenen Branchen sind laut den befragten Unternehmen: Transport & Logistik (62 Prozent), Bau- und Immobilienbranche (60 Prozent) sowie IT/Telekommunikation (43 Prozent). Am geringsten gefährdet sind nach Meinung der befragten Unternehmen der Energiesektor (22 Prozent), Banken und Finanzdienstleistungen (22 Prozent) sowie Regierung und öffentliche Hand (17 Prozent).