Siemens AG entlässt weitere 4.500 Mitarbeiter weltweit

07.05.2015/EG aus der Siemens AG, München

Geschäftszahlen für das zweite Quartal (das Geschäftsjahr der Siemens AG endet am 30.09.) 2015: Portfoliogewinne steigern Ergebnis – Entlassungswelle soll Profitabilität nachhaltig verbessern – Konzernumbau kostet weiteren 2.200 Mitarbeitern in Deutschland den Arbeitsplatz

Die Siemens AG hat heute zwei Ergebnisse bekanntgegeben: Das Konzernergebnis für den Zeitraum 01.01. bis 31.03.2015 und die Planungen für den Konzernumbau.

Aus dem Geschäftsbericht Q2 2015:

  • Auftragseingang im zweiten Quartal einschließlich Großaufträgen im Zuggeschäft um 16% auf 20,8 Mrd. € gestiegen; Anstieg auf vergleichbarer Basis (ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte) um 7%
  • Umsatzerlöse um 8% auf 18,0 Mrd. € erhöht, Book-to-Bill-Verhältnis damit 1,15; auf vergleichbarer Basis Umsatzerlöse auf Vorjahresniveau
  • Höheres Volumen aus Großaufträgen, vor allem bei ‚Mobility‘ mit einem 1,7 Mrd.-Euro-Auftrag für Regionalzüge und deren Instalhaltung in Deutschland – Prozentual zweistelliges Auftragswachstum bei ‚Power an Gas‘‚ ‚Healthcare‘ sowie ‚Energy Management‘
  • Ergebnis des Industriellen Geschäfts mit 1,7 Mrd. € um 5% rückläufig, wie erwartet vor allem wegen ‚Power and Gas‘ (Energie), ‚Healthcare‘ (Gesundheit) sowie ‚Energy Management‘
  • Gewinn nach Steuern von 3,9 Mrd. € enthielt 3,2 Mrd. € aus dem Verkauf der Hörgerätesparte, des Siemens-Anteils an BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) beziehungsweise des Geschäfts mit Krankenhausinformationssystemen; unverwässertes Ergebnis je Aktie damit 4,70 €

Ausblick

„Wir bestätigen unsere Prognose. Wir gehen davon aus, dass unser Geschäftsumfeld im Geschäftsjahr 2015 unter anderem wegen geopolitischer Spannungen komplex sein wird. Wir erwarten, dass die Umsatzerlöse auf organischer Basis auf dem Vorjahresniveau bleiben und wir mit einem über den Umsatzerlösen liegenden Auftragseingang ein Book-to-Bill-Verhältnis von über 1 erreichen werden. Außerdem erwarten wir, dass Veräußerungsgewinne uns in die Lage versetzen, das unverwässerte Ergebnis je Aktie (für den Gewinn nach Steuern) um mindestens 15% gegenüber dem Wert des Geschäftsjahrs 2014 von 6,37 € zu steigern. Für unser Industrielles Geschäft erwarten wir eine Ergebnismarge von 10% bis 11%. Von diesem Ausblick sind Auswirkungen aus rechtlichen und regulatorischen Themen ausgenommen.“

Konzernumbau

Ein Jahr nach Vorstellung der Vision 2020 ist Siemens bei der Umsetzung des Konzeptes zur strategischen Neuausrichtung des Unternehmens voll auf Kurs. Siemens informierte wie angekündigt den Aufsichtsrat sowie das zuständige Gremium der Arbeitnehmervertreter über die nächsten geplanten Schritte zur nachhaltigen Verbesserung der Profitabilität des Unternehmens. Dazu gehören Maßnahmen zur Verbesserung der Ertragskraft im Stromerzeugungsgeschäft der Division Power and Gas sowie ein Bündel weiterer Maßnahmen für die Sanierung der seit längerem ertragsschwachen Geschäfte. „Mit der Initiierung dieser Maßnahmen ist der strukturelle Umbau des Unternehmens in der Hauptsache abgeschlossen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser.

Von dem Umbau sind weitere rund 4.500 Arbeitsplätze weltweit, davon nach aktuellem Stand rund 2.200 in Deutschland, betroffen. Siemens hatte im Februar 2015 zur Straffung von Verwaltungsfunktionen den Abbau von ca. 7.800 Arbeitsplätzen weltweit, davon rund 3.300 in Deutschland, angekündigt. Deren Anzahl reduziert sich nach Abschluss der Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern auf rund 2.900 betroffene Stellen in Deutschland.

In der Division Power and Gas plant Siemens unter anderem die Bündelung des Vertriebs, zusätzliche Investitionen in Forschung und Entwicklung in Höhe von rund 100 Millionen Euro, eine Optimierung der Portfoliostruktur sowie eine Verbesserung der Kostenposition.

Hintergrund der Maßnahmen ist das anhaltend schwierige Marktumfeld auf dem weltweiten Stromerzeugungsmarkt. Die Division Power and Gas hat hier unter anderem mit regulatorischen Änderungen, einem massiven Preisverfall, aggressiven Wettbewerbern und regionalen Überkapazitäten zu tun.

Darüber hinaus informierte das Unternehmen über seine zusätzlichen Pläne zur Sanierung margenschwacher Geschäfte. Hierzu wurden über die bereits erfolgten Maßnahmen hinaus in den vergangenen Monaten mit den seit 1.10.2014 Geschäftsverantwortlichen klare Ziele und Geschäftspläne vereinbart, die nun konsequent bis zum Ende des Geschäftsjahres 2017 umgesetzt werden sollen. Siemens will dabei einen Schwerpunkt darauf legen, diese Geschäfte überwiegend selbst wirtschaftlich und nachhaltig in Ordnung zu bringen.

Die Umsetzung der strategischen Neuausrichtung der Vision 2020 hatte zum Start des Geschäftsjahrs am 1. Oktober 2014 begonnen. Kernpunkte sind die Ausrichtung des Unternehmens auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung, die Fokussierung des Portfolios sowie die Umsetzung konkreter und nachhaltiger Maßnahmen zur funktionalen Effizienzsteigerung im Unternehmen.

Konzern

Die Siemens AG (Berlin und München) ist ein führender internationaler Technologiekonzern. Das Unternehmen ist in mehr als 200 Ländern aktiv, und zwar schwerpunktmäßig auf den Gebieten Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Siemens ist weltweit einer der größten Hersteller energieeffizienter ressourcenschonender Technologien. Das Unternehmen ist Nummer eins im Offshore-Windanlagenbau, einer der führenden Anbieter von Gas- und Dampfturbinen für die Energieerzeugung sowie von Energieübertragungslösungen, Pionier bei Infrastrukturlösungen sowie bei Automatisierungs-, Antriebs- und Softwarelösungen für die Industrie. Darüber hinaus ist das Unternehmen ein führender Anbieter bildgebender medizinischer Geräte wie Computertomographen und Magnetresonanztomographen sowie in der Labordiagnostik und klinischer IT. Im Geschäftsjahr 2014, das am 30. September 2014 endete, erzielte Siemens einen Umsatz aus fortgeführten Aktivitäten von 71,9 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 5,5 Milliarden Euro. Ende September 2014 hatte das Unternehmen weltweit rund 357.000 Beschäftigte.