Synchronisation von Nachricht und Werbung

Dresden, 13.12.2014/EG aus der Technischen Universität, Dresden

Institut für Kommunikationswissenschaft führt Nachweis über den Zusammenhang von Anzeigenaufkommen verschiedener Unternehmen mit ihrer Darstellung im ‚Spiegel’ und im ‚Focus’

Die Interessen von Anzeigenkunden gelten zwar seit jeher als potentiell verzerrender Faktor der Berichterstattung von Medien, die sich durch Werbung finanzieren. Doch sind solche Einflüsse nur selten Gegenstand von systematischen Studien. Insbesondere mangelt es an fundierten Inhaltsanalysen.

Das Team um Prof. Dr. Lutz M. Hagen, mit Anne Flämig und Anne-Marie In der Au, vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der Technische Universität Dresden, untersuchten im Rahmen einer Studie, wie die Darstellung von Unternehmen in den beiden führenden deutschen politischen Wochenzeitschriften ‚Der Spiegel’ und ‚Focus’ mit dem Umfang von Inseraten zusammenhängt, die Unternehmen in diesen beiden Medien schalten.

Die Inhaltsanalyse erfasst alle Anzeigen aus dem Jahr 2011 und die gesamte Berichterstattung über ausgewählte Unternehmen im gleichen Zeitraum.

Fazit der Kommunikationsforscher:

‚Als zentrales Ergebnis zeigt sich, dass über Unternehmen sowohl im Spiegel als auch im Focus erstens häufiger, zweitens freundlicher, drittens mit mehr Produktnennungen berichtet wird, je mehr Anzeigen diese Unternehmen schalten. Dieser Befund ist bedenklich. Nicht nur, weil er mit dem Spiegel ein Urgestein der deutschen Qualitätsmedienlandschaft trifft.

Allerdings sind die verschiedenen, hier festgestellten Formen der Synchronisation von Berichterstattungsinhalten und Anzeigenaufkommen möglicherweise teils durch Drittvariablen bedingt, die wir in dieser Untersuchung nicht operationalisieren konnten. Es könnte also zumindest teilweise durch berufsethisch einwandfreie Gründe gerechtfertigt werden, dass die besten Anzeigenkunden auch die meiste Beachtung und eine freundlichere Behandlung in den Nachrichten erhalten. Doch auch in weiterführenden Studien werden sich Außenkriterien, nach denen sich etwa der intersubjektive Nachrichtenwert von Unternehmen bestimmen ließe, nicht einfach festlegen lassen. Zumindest müsste dazu weitreichender Konsens unter Journalisten oder Experten bestehen und erhoben werden.’

Das Manuskript der Untersuchung lesen Sie hier.