Die Doppelmoral der IG-Metall

07.10.2018/EG aus dem Blog AKTUELLE SOZIALPOLITIK, Remagen

Stefan Sell, Sozialwissenschaftler, über eine ‘Arbeitnehmervertretung‘ zwischen Geben und Nehmen

„Da begrenzt ein Gesetz die für Leiharbeiter zulässige Überlassungshöchstdauer auf 18 Monate und die Gewerkschaft schließt mit den Arbeitgebern einen Tarifvertrag, der diese Höchstdauer nicht etwa nach unten begrenzt, sondern sie erheblich verlängert? Warum macht die IG Metall so etwas mit?
(…)
Vor diesem Hintergrund ist dann so eine Meldung interessant: IG Metall-Betriebsräte-Befragung: Leiharbeit und Fremdvergaben verdrängen reguläre Arbeitsplätze, …
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… die Freiheitsgrade bei der Vergabe von Werk- und Dienstverträgen sichern aus Sicht der Arbeitgeber die für sie nützliche und erforderliche Asymmetrie gegenüber den Betriebsräten und deren Gewerkschaft.“ aktuelle-sozialpolitik.de

4 Millionen leisten dauerhaft prekäre Arbeit

24.09.2018/EG aus dem HANS BÖCKLER STIFTUNG, Düsseldorf

Studie: Rund jeder achte Erwerbstätige muss dauerhaft unter prekären Umständen leben

„Gemeint ist eine Gruppe, die zwischen der sozial abgesicherten Mehrheit der Erwerbstätigen und den beinahe gänzlich aus dem Erwerbszusammenhang Ausgeschlossenen, etwa Langzeitarbeitslosen, steht. Sie strampelt sich in wechselnden, schlecht bezahlten Jobs ab, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen.“
(…)
„Für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland kann es mit entscheidend sein, inwieweit die Angehörigen dieser neuen sozialen Gruppe sich als vollwertiger Teil der Gesellschaft oder als unterprivilegiert oder teilweise ausgeschlossen wahrnehmen.“ boeckler.de

Die Hans-Böckler-Stiftung ist das „Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Pflege: Arbeitsdichte verschlechtert Gesundheit der Beschäftigten und Pflegebedürftigen

10.09.2018/EG aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Berlin

Umfrage in der Alten- und Krankenpflege: Arbeitskräfte kritisieren Arbeitsbedingungen

„Die Ergebnisse einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung von ver.di und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zeigen, dass in der Alten- und Krankenpflege die Arbeitsbedingungen weitaus stärker von Zeitdruck und überbordender Arbeitsmenge geprägt sind als im Durchschnitt aller Berufsgruppen. So fühlen sich 80 Prozent der Krankenpflegerinnen und -pfleger laut der Befragung bei der Arbeit oft gehetzt, in der Altenpflege sind es 69 Prozent der Beschäftigten, im Durchschnitt aller Berufsgruppen 55 Prozent. Der Anteil der Beschäftigten in der Krankenpflege, die „häufig Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen, um die Arbeitsmenge bewältigen zu können“, liegt der Befragung nach bei 49 Prozent (Altenpflege: 42 Prozent; alle Berufsgruppen: 22 Prozent). Dass sich unter diesen Bedingungen nur rund ein Fünftel der Beschäftigten vorstellen kann, bis zur Rente so zu arbeiten, liegt auf der Hand. In der Krankenpflege sagen das 23 Prozent, in der Altenpflege 20 Prozent, während sich im Durchschnitt aller Berufsgruppen 48 Prozent der Beschäftigten vorstellen können, ihren Beruf bis zur Rente ausüben zu können.“ dgb.de

Zum Thema

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:

Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen

Präambel

„Jeder Mensch hat uneingeschränkten Anspruch auf Respektierung seiner Würde und Einzigartigkeit. Menschen, die Hilfe und Pflege benötigen, haben die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen und dürfen in ihrer besonderen Lebenssituation in keiner Weise benachteiligt werden. Da sie sich häufig nicht selbst vertreten können, tragen Staat und Gesellschaft eine besondere Verantwortung für den Schutz der Menschenwürde hilfe- und pflegebedürftiger Menschen. (…)“

Artikel 4: Pflege, Betreuung und Behandlung

„Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf eine an seinem persönlichen Bedarf ausgerichtete, gesundheitsfördernde und qualifizierte Pflege, Betreuung und Behandlung.“

Artikel 6: Kommunikation, Wertschätzung und Teilhabe an der Gesellschaft

„Jeder hilfe-und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Wertschätzung, Austausch mit anderen Menschen und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“

Die komplette Pflege-Chart lesen Sie hier pflege-charta.de.

Auch Arbeitskämpfe werden in Sozialen Medien organisieren

04.09.2018/EG aus dem Blog NETZPOLITIK, Berlin

Neue Internetdienste wollen Streiks mit Hilfe von Algorithmen und großer Datenmengen vorhersagen

„Dass die Organisation von Solidarität unter ArbeitnehmerInnen via Social Media aber auch mit Machtverschiebungen in Richtung Unternehmensleitungen einhergehen kann, demonstriert Forschung an der TU Wien, die mittlerweile auch zur Gründung eines Startups („Prewave“) geführt hat. Dessen Homepage wirbt mit der Möglichkeit, Risiken in der Zulieferkette („supply chain and sustainability risks“) vorhersagen zu können. Tatsächlich versteckt sich hinter dieser vermeintlich neutralen Formulierung ein Werkzeug zur Streikvorhersage auf Basis von Twitter und anderen Social-Media-Daten.“ netzpolitik.org

Fachkräften mangelt es an der Bezahlung und nicht an der Zahl?

29.08.2018/EG aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

Eric Seils, Sozialwissenschaftler, kritisiert Studien des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zum Fachkräftemangel:

„Sowohl eine quantitative Analyse der Daten des DIHK als auch qualitative Fallstudien zu den vom DIHK herausgestellten Niedriglohnbranchen zeigen, dass die Klagen der Unternehmer über den Fachkräftemangel ein Ausdruck ihres Bestrebens sind, die Arbeitskosten niedrig zu halten. Ursächlich ist also kein Mangel an Fachkräften, sondern an Zahlungsbereitschaft. Eine Einwanderungspolitik, die den deutschen Niedriglohnsektor mit niedrig entlohntem Personal versorgen soll, ist ökonomisch schädlich und gefährdet die gesellschaftliche Akzeptanz einer tatsächlich wünschenswerten Einwanderung von Fachkräften.“ boeckler.de

Anmerkung der Redaktion: Die Hans-Böckler-Stiftung ist eine arbeitnehmernahe Einrichtung.