Austeritätspolitik nach der Finanzkrise 1929 begünstigte die Nationalsozialisten

26.08.2020/EG
Quelle: VoxEU, London

Gregori Galofré-Vilà, Sozialwissenschaftler an der University of Oxford London und Universitat Pompeu Fabra, Christopher Meissner, Wirtschaftswissenschaftler an der University of California Davis, Martin McKee, Mediziner an der London School of Hygiene & Tropical Medicine und David Stuckler, Sozialwissenschaftler an der Università Bocconi Mailand, untersuchen die Folgen der Sparmaßnahmen in den frühen 1930er Jahren

Viele westliche Länder verfolgten als Reaktion auf die Schulden aus der Finanzkrise 2007-2008 tiefgreifende Sparmaßnahmen und könnten dies im Zuge der COVID-19-Konjunkturpakete erneut tun. Die Autoren untersuchen die Sparmaßnahmen der frühen 1930er Jahren, nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte (Börsen) ab 24. Oktober 1929, und deren Folgen:

„Wir untersuchen auch die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf die nationalsozialistischen Wahlgewinne in Bezug auf verschiedene Arten von Ausgaben. Dabei stellen wir fest, dass der größte Teil der Wahlauswirkungen der Sparmaßnahmen durch Kürzungen bei den Sozialausgaben für Gesundheit und Wohnen verursacht wurde, zwei der von den Sparmaßnahmen am stärksten betroffenen Haushaltslinien. Diese Kürzungen bei den Sozialausgaben haben das Leid vieler Deutscher plausibel verschärft. Tatsächlich stellen wir fest, dass die Orte mit relativ starken Sparmaßnahmen (gemessen an der Sterblichkeitsrate) relativ viel Leid erfuhren und dass die Wähler in diesen Gebieten mit höherer Sterblichkeit häufig eher die Nazi-Partei wählten. Dies deckt sich mit den Ansichten der damaligen Kommentatoren. Zum Beispiel gab Hjalmar Schacht (ehemaliger Chef der Reichsbank) im Herbst Oktober 1930 der amerikanischen Presse ein Interview, in dem er davor warnte, dass „wenn das deutsche Volk verhungern wird, wird es noch viel mehr Hitler geben“ (The New York Times, 3. Oktober 1930).
Der Untergang Weimarer Deutschlands und der Aufstieg des Nazi-Faschismus zeigen, dass zu viel harte Sparmaßnahmen soziale Unruhen und unbeabsichtigte politische Konsequenzen auslösen können. Selbst nach der Korrektur alternativer Erklärungen, einschließlich des wirtschaftlichen Abschwungs, ist klar, dass Sparmaßnahmen eine entscheidende Rolle spielten. Unsere Ergebnisse stimmen mit der Hypothese überein, dass Sparmaßnahmen zu erheblichem menschlichen Leid führten und Ungleichheit und Ungerechtigkeit verschärften. Zu einer Zeit, als die Menschen am meisten von ihrer Regierung brauchten, hat die Regierung sie im Stich gelassen, und sie wurden von den Sirenenrufen radikaler populistischer Parteien angelockt.“ voxeu.org

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Ein Blick nach Tunesien

17.01.2018/EG

IWF gewährt Tunesien Kredit in Höhe von 2,4 Mrd. Euro / Der Preis: Austerität

„Der Internationale Währungsfonds gewährt bis 2020 Kredite in Höhe von 2,4 Milliarden Euro, fordert aber im Gegenzug, dass der Staat sich massiv aus der Wirtschaft und seiner Rolle als Arbeitgeber zurückzieht. Das jedoch hat verheerende wirtschaftliche und soziale Folgen – speziell für die Menschen im strukturschwachen, weil schon immer vernachlässigten Landesinneren.“ qantara.de

Der gesetzlich festgelegte Mindestlohn (Salaire Minimum Garantie – SMIG liegt aktuell bei TD 352 (ca. 143 Euro). ↗auwi-bayern.de (Seite 8)

„Laut einer aktuellen Untersuchung des Sozialministeriums leben rund 24% der Bevölkerung in Armut, d.h. sie leben von weniger als dem staatlichen Mindestlohn.“ ↗liportal.de

„Die Regierung muss die Einnahmen mobilisieren und das Wachstum der laufenden Ausgaben eindämmen, um dringend benötigte Investitionen und Sozialausgaben, einschließlich Ausgaben für Gesundheit und Bildung, zu finanzieren. Diese Maßnahmen, einschließlich Steuererhöhungen und einer verstärkten Steuererhebung, können kurzfristig schaden, sind aber für die wirtschaftliche Stabilität und das Wirtschaftswachstum unerlässlich. (…) Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen ist es wichtig, die Schwächsten zu schützen, indem ein angemessener Sozialschutz gewährleistet wird, und sicherzustellen, dass die Lasten gerecht auf die Gesellschaft verteilt werden.“ ↗imf.org (Internationaler Währungsfonds/IWF/IMF)

Griechenland – die unendliche Krise?

25.02.2017/EG

Staatsverschuldung lag im Jahr 2007 bei 103 % des BIP, 2016 bei etwa 185 %!

„Die öffentliche Verschuldung Griechenlands belief sich Ende 2016 auf die schwindelerregende Höhe von 326,3 Mrd. Euro bzw. ungefähr 185% des Brutto-Inlandsprodukts (BIP) und verzeichnete damit im Verhältnis zu Ende 2015 einen Anstieg um ungefähr 5 Mrd. Euro. Die Ausweitung beruht auf dem Zufluss zusätzlicher Gelder aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (EMS), der inzwischen auch den Hauptgläubiger des Landes darstellt, da es dem Mechanismus 227,7 Mrd. Euro schuldet.“ griechenland-blog.gr

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