Sozialpolitik: Ehrenamtliche Tafel-Bewegung wird 25 Jahre alt

25.01.2018/EG

Unterlassen staatlicher Pflichtaufgabe: 1993 wurde in Berlin die erste Tafel gegründet – Ende 2017 zählt die ehrenamtliche Tafel-Bewegung 934 Tafeln in Deutschland

Nach Angaben des Dachverbandes Tafel Deutschland eV unterstützen die Tafeln regelmäßig bis zu 1,5 Millionen bedürftige Personen. Darunter sind 23 Prozent Kinder und Jugendliche, 53 Prozent Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (vor allem ALG-II- bzw. Sozialgeld-Empfänger, Spätaussiedler und Migranten), 23 Prozent Rentner und 19 Prozent Alleinerziehende.
Die Arbeit wird von rund 60.000 ehrenamtlichen Helfern verrichtet. tafel.de

Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) war 2016 in Deutschland jeder Fünfte (16 Millionen Menschen) von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. destatis.de

§ 1 Aufgaben des Sozialgesetzbuchs
(1) Das Recht des Sozialgesetzbuchs soll zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit Sozialleistungen einschließlich sozialer und erzieherischer Hilfen gestalten. Es soll dazu beitragen,

  • ein menschenwürdiges Dasein zu sichern,
  • gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, insbesondere
  • auch für junge Menschen, zu schaffen,
  • die Familie zu schützen und zu fördern,
  • den Erwerb des Lebensunterhalts durch eine frei gewählte Tätigkeit zu ermöglichen und
  • besondere Belastungen des Lebens, auch durch Hilfe zur Selbsthilfe, abzuwenden oder auszugleichen. gesetze-im-internet.de

Staatliche Ausgaben für ein „menschenwürdiges Dasein“ im Jahr 2016 lesen Sie hier sozialpolitik-aktuell.de.

Das Modell ‘Hartz IV‘ aus Sicht der Arbeiterkammer Wien (Arbeitnehmervertretung in Österreich) sehen Sie hier awblog.at.

Die Regierungsverantwortung seit der Wiedervereinigung (03.10.1990) im Rückblick:

  • 2013 bis 2017 CDU/CSU und SPD
  • 2009 bis 2013 CDU/CSU und FDP
  • 2005 bis 2009 CDU/CSU und SPD
  • 1998 bis 2005 SPD und Bündnis90/Die Grünen
  • 1982 bis 1998 CDU/CSU und FDP

Sozialpolitik oder die geduldeten Teilhabe-Kosten für einen Bürger

09.01.2018/EG aus dem Blog SOZIALPOLITIK-AKTUELL, Duisburg

Dauerbaustelle Sozialstaat – Chronologie gesetzlicher Neuregelungen von 1998 bis 2017

„Das seit 2000 bestehende Internet-Informationsportal ‘sozialpolitik-aktuell.de‘ hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, diesen Veränderungsprozess im Einzelnen nachzuzeichnen. Begonnen wurde mit dem Jahr 1998, also mit Beginn der ersten rot-grünen Koalition. Die Rubrik „gesetzliche Neuregelungen“ konzentriert sich dabei auf sechs zentrale Bereiche des Sozialstaats: sozialpolitik-aktuell.de

Kinder- und Jugendhilfebedarf wächst

06.10.2017/EG aus dem Bayerischen Landesamt für Statistik, München

In Bayern sind fast 76.000 junge Menschen auf Hilfen nach dem SGB VIII angewiesen

Für 71.084 junge Menschen (+ 0,7 % gegenüber 2015) wurden im Jahr 2016 Hilfen nach dem SGB VIII begonnen, für 68.577 (+ 0,8 %) wurden Hilfen 2016 beendet und für 75 937 junge Menschen (+ 1,8 %) dauerten die Hilfen über den Jahreswechsel an.

Wie das Bayerische Landesamt für Statistik weiter mitteilt, erhielten von den 75.937 jungen Menschen, deren Hilfen über den Jahreswechsel andauerten, 20.667 Hilfe im Rahmen einer Erziehungsberatung nach § 28 SGB VIII. 14.187 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erhielten Hilfen im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienhilfe nach § 31 SGB VIII. 12.061 seelisch behinderte junge Menschen erhielten Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. Zudem wurden am Jahresende 2016 insgesamt 10.216 junge Menschen in einem Heim oder einer betreuten Wohnform erzogen (§ 34 SGB VIII). Zu den auffälligsten Maßnahmen zählen auch 8.178 junge Menschen in Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII. statistik.bayern.de

Jobcenter neigen zur Diskriminierung?

08.09.2017/EG aus dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Berlin

WZB-Forscher: Jobcenter benachteiligen bei Anfragen Menschen mit ausländischen Namen

„In dem Experiment haben die Forscher in den Jahren 2014 und 2015 fiktive E-Mails an 408 Jobcenter geschickt. Die Forscher verwendeten sechs deutsch, türkisch und rumänisch klingende Namen. Die Mails variierten unter anderem in Berufsbezeichnung, Geschlecht und Sprachstil. (…) Die Jobcenter beantworteten unabhängig vom Namen alle Mails, aber die Fragesteller mit ausländischen Namen erhielten häufiger unzureichende und weniger detaillierte Informationen. Das Informationsdefizit hätte sie davon abhalten können, einen Antrag auf eine Grundsicherung nach Hartz IV zu stellen.“ wzb.de

Arbeitslosigkeit im Schatten der Statistik

31.08.2017/EG aus Blog O-Ton Arbeitsmarkt, Remagen

Offizielle Arbeitslose (ALG I) + Bedarfsgemeinschaften (ALG II, bekannt als Hartz IV) + Doppelbezieher (ALG I und II) = 7,05 Millionen Menschen

„Im Juni (teilweise aktuellste verfügbare Werte durch Wartezeiten in der Statistik) gab es rund 2,47 Millionen Arbeitslose gemäß der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Gleichzeitig lebten aber rund 7,05 Millionen Menschen von Arbeitslosengeld und/oder Hartz-IV-Leistungen. Über 759.000 Menschen bezogen Arbeitslosengeld und rund 6,37 Millionen Menschen lebten in einem Hartz-IV-Haushalt, einer so genannten Bedarfsgemeinschaft, darunter über 2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (Mai 2017). 79.000 (gerundeter Wert aus März, aktuelle Zahlen sind nur mit Wartezeit verfügbar) von ihnen waren Doppelbezieher von Arbeitslosengeld und Hartz-IV-Leistungen.“ o-ton-arbeitsmarkt.de