… und wenn der Betrieb nicht ausbildungsreif ist?

23.06.2015/EG aus der Hans Böckler Stiftung, Düsseldorf

Wenn Ausbildungsverträge vorzeitig enden, liegt das in der Regel nicht nur an den Azubis.

Nicht alles läuft reibungslos im dualen Ausbildungssystem: Nach wie vor finden viele Jugendliche keine Lehrstelle. Andere können zwar einen Platz ergattern, aber der Vertrag wird vor dem Ende der Ausbildung wieder aufgelöst. Das galt 2012 für 24,4 Prozent aller begonnenen Ausbildungsverträge, schreiben Daniela Rohrbach-Schmidt und Alexandra Uhly. Die Wissenschaftlerinnen vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) haben die Ursachen untersucht und festgestellt, dass unabhängig von persönlichen Merkmalen der Lehrlinge das betriebliche Umfeld, der gewählte Beruf und die Situation am Ausbildungsmarkt entscheidend sind.

In der Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Literatur seien Stimmen vorherrschend, die das Problem in erster Linie bei den Azubis verorten. Die BIBB-Forscherinnen halten das für eine „verengte Sicht, die dem komplexen Phänomen nicht gerecht wird“. Frage man die betroffenen Parteien nach den Gründen für Vertragsauflösungen, kämen je nach Gesprächspartner unterschiedliche Antworten. Während Unternehmen falsche Berufsvorstellungen, mangelnde Eignung, unzureichende Leistung und fehlende Motivation beklagen, nennen ehemalige Azubis vor allem Konflikte mit Vorgesetzten, die Qualität der Ausbildung, unbezahlte Überstunden oder die Arbeitsbelastung. Weiterlesen↗boeckler.de

Zum Thema aus der Industrie- und Handelskammer Niederbayern zur Lage am Ausbildungsmarkt:

Eine aktuelle IHK-Umfrage unter rund 1.000 niederbayerischen Ausbildungsbetrieben zeigt die wachsenden Probleme bei der Suche nach Nachwuchskräften: „Die Ausbildungsbereitschaft in der niederbayerischen Wirtschaft ist ungebrochen hoch, allerdings haben viele Betriebe zunehmend Schwierigkeiten, die angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbart zur Lage am Ausbildungsmarkt. Der Umfrage zufolge wollen 60 Prozent der Betriebe ihr Angebot an Lehrstellen unverändert lassen und 19 Prozent dieses sogar ausweiten. Gleichzeitig geben 36 Prozent der Unternehmen an, dass sie im Jahr 2014 Probleme bei der Stellenbesetzung hatten – im Jahr zuvor waren es noch 29 Prozent. Weiterlesen↗ihk-niederbayern.de