UNHCR fordert (wiederholt) sichere Reisewege für Flüchtlinge

11.12.2015/EG aus dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR Vertretung für Deutschland, Berlin

United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR): Mehrheit der Syrer flieht direkt nach Europa

Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat am 8. Dezember die vorläufigen Ergebnisse einer Befragung von über 1.200 syrischen Flüchtlingen veröffentlicht, die zwischen April und September 2015 in Griechenland angekommen sind. Diese bisher größte Stichprobe ermöglicht Einblicke, wer die Menschen sind und aus welchen Gründen sie nach Europa kommen.

Der Großteil (63 Prozent) ist 2015 aus Syrien geflohen. 85 Prozent erreichten Griechenland bei ihrem ersten Versuch. Aus Syriens größten Städten – Damaskus und Aleppo – stammen über 62 Prozent der befragten Personen. 86 Prozent besitzen ein gutes Bildungsniveau, haben entweder eine weiterführende Schule oder Universität besucht und waren Studenten, Fachkräfte, darunter Lehrer, Anwälte, Ärzte, Bäcker, Designer, Friseure und IT-Spezialisten.

Mindestens 37 Prozent der Befragten hielten sich weniger als einen Monat in einem Erstzufluchts- oder Transitland auf. Die große Mehrheit – 91 Prozent – der Personen, die zuerst außerhalb Europas Zuflucht gefunden hatten, waren in Privatunterkünften und nicht in Flüchtlingscamps untergekommen.

Fast ein Viertel der Befragten gab an, dass Familienangehörige in Syrien vermisst würden. Einer von fünf Befragten war bereits in Syrien von einem oder mehreren Familienangehörigen getrennt worden.

Ein besseres Verständnis für die Beweggründe von Flüchtlingen zu entwickeln, ist entscheidend, um Verantwortlichkeiten zwischen EU-Mitgliedsstaaten und Erstzufluchtsländern besser zu verteilen. UNHCR ruft Europa dazu auf, Flüchtlingen sichere und legale Wege zu eröffnen, damit sie nicht gezwungen sind sich auf Bootsüberquerungen in tödliche Gefahr zu bewegen. Solche Alternativen können Studenten- und Arbeitsvisa, Familienzusammenführungen, privatfinanzierte Aufnahmeprogramme, zusätzliche Resettlement-Plätze (Integration) oder humanitäre Visa sein.

Auch wenn die Ergebnisse nur teilweise repräsentativ sind, liefern sie erste Informationen über jene 263.000 Flüchtlinge, die zwischen April und September 2015 in Griechenland angekommen sind. Die meisten Flüchtlinge hielten sich nur kurz in Griechenland auf und reisten schnell weiter; weshalb für die Befragungen nur wenig Zeit blieb. Die gesammelten Daten zeigen aber auch, dass noch weitere Befragungen und Analysen für eine angemessene Planung und Koordination der Nothilfe notwendig sind, in die auch verstärkt die Interessen und Sorgen der Flüchtlinge einbezogen werden.

UNHCR wird mit einer zweiten und dritten Befragungswelle Ende Dezember 2015 beginnen, in denen dann auch andere Gruppen von Schutzsuchenden berücksichtigt werden, um eine größere Auswahl an verlässlichen Daten zu generieren, die letztlich dazu beitragen, die Koordination der Nothilfe in Europa sowie den Erstaufnahmeländern zu verbessern.