Was ist Armut?

26.11.2015/EG aus dem Nachrichtenblog ‚NachDenkSeiten.de‘, Bad Bergzabern

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Butterwegge mit einem Beitrag über den ungerechtfertigten Angriff auf den Armutsbegriff:

„Kaum ein im öffentlichen Diskurs häufig verwendeter Begriff ist so umstritten wie der Terminus ‚Armut‘, den seine liberalkonservativen Kritiker als politischen Kampfbegriff einstufen und mit Blick auf Deutschland möglichst ganz zu meiden suchen. Während sie die Existenz absoluter bzw. extremer Armut, bei der es für die Betroffenen ums nackte Überleben geht, unter Hinweis auf das Recht zum Bezug staatlicher Grundsicherungsleistungen fast durchgängig leugnen, wird relative (Einkommens-)Armut, bei der das allgemeine Wohlstandsniveau als Vergleichsmaßstab dient, systematisch kleingerechnet, verharmlost und beschönigt. In einem wohlhabenden, wenn nicht reichen Land wie der Bundesrepublik geschieht dies häufig mit dem Ziel, die krasse Ungleichverteilung von Einkommen, Vermögen und Lebenschancen zu rechtfertigen. Wer umgekehrt nach mehr Verteilungsgerechtigkeit strebt, muss sich daher gegen die Verdrängung des Begriffs „Armut“ aus dem öffentlichen Diskurs ebenso engagiert zur Wehr setzen wie gegen seine Verengung auf Not und Elend, um nicht gänzlich chancenlos zu sein.“ Weiterlesennachdenkseiten.de