Weltfrauentag

08.03.2016/EG

Testosteron dominiert noch immer in (fast) allen Lebensbereichen / Gesellschaftliche Prägung (Kultur) nach Artikel 3, Grundgesetz, bleibt unerfüllt

Vor zehn Jahren teilte das ‚Netzwerk junger Frauen‘ folgende Information zum Weltfrauentag mit:

„Der 08. März 1908 ist der traurige Ursprung des uns bekannten Weltfrauentags. In New York traten die Arbeiterinnen der Textilfabrik ‚Cotton‘ in einen Streik um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Dieser Streik nahm leider ein dramatisches Ende – Aufseher und Fabrikbesitzer schlossen die protestierenden Frauen in der Fabrik ein, um eine Solidarisierung mit anderen Gruppen zu verhindern, ein Feuer brach aus und 129 Frauen starben.

Am 19. März 1911 fand der erste internationale Weltfrauentag statt. Initiiert wurde er von Clara Zetkin (deutsche Politikerin und Frauenrechtlerin, 1857-1933) bei der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen (August 1910) und Frauen in den USA, Dänemark, Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen daran teil. Die Besonderheit dieses Datums wurde durch die Tatsache unterstrichen, dass am 18. März der Gedenktag für die Gefallenen in Berlin der Revolution von 1848/49 war. Die Forderungen der Frauen waren:

  • Kampf gegen den Krieg
  • Wahl- und Stimmrecht für Frauen
  • Arbeitsschutzgesetze und 8-Stunden-Tag
  • Mutter- und Kinderschutz
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeitsleistung
  • Mindestlöhne

Schon damals wurde Wert darauf gelegt, dass keine ‚Sonderrechte‘ sondern Menschenrechte gefordert wurden.

Seit 1986 gibt es den Brauch Frauen am Weltfrauentag mit roten Rosen zu beschenken. Unter dem Motto ‚Wir wollen Brot und Rosen‘ wurde der 75. Weltfrauentag gefeiert. Die Forderungen umfassten u. a.:

  • Recht auf Arbeit
  • Gerechte Entlohnung
  • Gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen
  • Eigenständige soziale Sicherung
  • Familiengerechte Arbeitszeiten
  • Toleranz und Frieden

Seither waren die Themen u.a. „Bessere Bildung für Mädchen“ (2003) und „Frauenrechte und Menschenrechte – überall“ (2005).“

Grundgesetz – I. Grundrechte – Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Amnesty kritisiert deutsches Sexualstrafrecht

Zur Situation der Frauenrechte in Deutschland kritisiert Selmin Çalışkan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. dass die Bundesregierung die sogenannte Istanbul-Konvention – das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt – noch immer nicht ratifiziert hat. Die Ratifizierung scheiterte bisher daran, dass Paragraph 177 des Strafgesetzbuches, der Vergewaltigung und sexuelle Nötigung regelt, erhebliche Schutzlücken aufweist und damit nicht den Anforderungen der Istanbul-Konvention genügt.

Zwar arbeitet die große Koalition bereits seit längerem an einer Reform von Paragraph 177 – den aktuellen Entwurf hierzu kritisiert Çalışkan jedoch als mangelhaft: „Auch nach den aktuellen Plänen der Regierung hängt eine Strafverfolgung weiterhin nicht vom Verhalten des Täters ab, der eine nicht einvernehmliche sexuelle Handlung vornimmt. Vielmehr wird von der betreffenden Frau erwartet, dass sie sich aktiv wehren muss – obwohl es eine Vielzahl von Gründen geben kann, warum sich eine Frau nicht gegen den Vergewaltiger wehrt; etwa aufgrund eines Schocks oder aus Angst, noch mehr Gewalt zu erleiden oder sogar umgebracht zu werden. Wir fordern, dass die Neuregelung des Sexualstrafrechts dem Anspruch ‚Nein heißt nein‘ Genüge tun muss. Geschieht dies nicht, bleibt Deutschland ein Land, in dem viele sexualisierte Übergriffe straffrei bleiben und durch die entstehende Straflosigkeit, Täter zu weiteren Straftaten geradezu aufgefordert werden. Ein derart veraltetes frauenfeindliches Gesetz darf in einem modernen Land wie Deutschland, das sich die Wahrung der Rechte von Frauen auf die Fahnen schreibt, einfach nicht sein.“

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag vom 06.02.2016‚Das Testosteron im Strafrecht‘.