01.05.2019/EG
Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin

DIW-Forscher Markus M. Grabka und Carsten Schröder: „Der Niedriglohnsektor in Deutschland ist größer als bislang angenommen“

„Die Zahl der abhängig Beschäftigten in Deutschland ist seit der Finanzkrise um mehr als vier Millionen gestiegen. Ein Teil dieses Beschäftigungsaufbaus fand im Niedriglohnsektor statt. Analysen auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels, die erstmalig ausreichend Details über Nebentätigkeiten liefern, zeigen, dass es im Jahr 2017 über neun Millionen Beschäftigungsverhältnisse mit einem Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle gab, was einem Anteil von rund einem Viertel aller Beschäftigungsverhältnisse entspricht. Frauen, junge Erwachsene und Ostdeutsche erhalten besonders häufig Niedriglöhne. Da der allgemeine Mindestlohn unter der Niedriglohnschwelle lag, hat seine Einführung im Jahr 2015 den Anteil der Niedriglohnbeschäftigten nicht gesenkt, obwohl die Löhne im unteren Segment deutlich gestiegen sind. Die Mobilität in der Lohnverteilung hat sich seit Mitte der 1990er Jahre kaum verändert: Etwa zwei Drittel der Niedriglohnbeschäftigten verharren mittelfristig in ihrer Lohngruppe. Um den Niedriglohnsektor einzudämmen, sind Reformen bei den Minijobs, sowie Anstrengungen bei der Qualifikation und eine offensivere Lohnpolitik gefragt. diw.de

Zum Thema

WZB-Studie „Prekarität in Deutschland?“: „Bislang lagen nur Fallstudien und Hypothesen zur Verstetigung prekärer Erwerbs- und Lebenslagen vor. Jetzt ist klar, dass etwa ein Achtel der deutschen Erwerbsbevölkerung (…) dauerhaft oder zumindest in langen Zeiträumen prekär beschäftigt ist und unter prekären Umständen lebt.“ wzb.de (Seite 40, Schlussfolgerungen)

Geschäft mit Leiharbeitskräften boomt! pwc.de

Markus Krüsemann, Soziologe und Mitarbeiter am Institut für Regionalforschung in Göttingen, über die Anhebung der Mindestlöhne für Beschäftigte in der Leiharbeit. miese-jobs.de